Die Gala fiel aus, dennoch wurden die Esslinger Sportler des Jahres 2019 geehrt – eben nicht auf großer Bühne, sondern im Training beziehungsweise im Alten Rathaus. Die Jury, die sich aus Vertretern der Stadt, des Sportverbandes und der Eßlinger Zeitung zusammensetzt, entschied sich für den Rollstuhlfechter Felix Schrader von der SV 1845 Esslingen, für die Boxerin Leonie Müller von Fitboxing Esslingen sowie die Judoka des KSV Esslingen.
Esslingen - Leonie Müller ist nicht dafür bekannt, sich von Rückschlägen unterkriegen zu lassen. Die Esslinger Boxerin war schon das eine oder andere Mal verletzt – unter anderem an der Bandscheibe. Kurz vor der Ehrung zu Esslingens Sportlerin des Jahres folgte ein weiterer Rückschlag: Beim Training verletzte sie sich am Knöchel sowie am Knie. Doch erneut zeigte sie eindrucksvoll ihre Kämpfermentalität – und humpelte schon einen Tag später ins Alte Rathaus, wo sie ihren Preis entgegennahm. Und auch dort richtete sie den Blick direkt wieder nach vorn: Schon einige Tage später ging es ins Trainingslager nach Kienbaum.
Nicht nur diese Charaktereigenschaft verhalf Müller zu der Auszeichnung, vor allem ihre sportlichen Erfolge sprechen eine deutliche Sprache. 2014 wurde die Boxerin deutsche Junioren-Meisterin, 2015 Vize-Europameisterin in Ungarn und Fünfte bei der Weltmeisterschaft in Taiwan. Und im vergangenen Jahr holte sie erstmals den deutschen Meistertitel der Elite im Weltergewicht. Bürgermeister Bayraktar lobte bei der Ehrung im kleinen Kreis jedoch nicht nur Müllers Erfolge, sondern das Gesamtpaket: „Sie ist für viele Esslinger Mädchen ein großes Vorbild. Sie besticht nicht nur im Ring, sondern auch durch ihre schulischen Leistungen sowie ihr soziales Engagement.“
„Gala wäre schon cool gewesen“
Müller freute sich über die netten Wort – und natürlich über die Auszeichnung: „Ich war in den vergangenen Jahren immer auf dem Treppchen, ganz oben stand ich jedoch nie. Dass es jetzt geklappt hat, ist natürlich sehr schön.“ Dass Corona einen größeren Rahmen der Ehrung verhindert hat, ärgert sie dennoch ein wenig: „Eine Gala wäre schon cool gewesen, keine Frage. Denn wer weiß, ob ich den Preis noch einmal gewinnen werde.“
Sollte Müller die Ziele, die sie sich selbst steckt, erreichen, wird man in Esslingen bei der Ehrung zu Esslingens Sportlerin des Jahres jedoch auch in den kommenden Jahren kaum an der Boxerin vorbeikommen. Ihr Traum: die Olympischen Spiele 2024 in Paris – aber nicht nur die Teilnahme. Müller: „Das Ziel ist ganz klar Olympiagold. Denn wenn ich schon einmal dabei bin, warum sollte ich mir dann nur eine Medaille als Ziel setzen?“ Das sind große Worte – doch Müller hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie diesen auch Taten folgen lässt. Und so scheint auch ihr großer Traum keinesfalls unrealistisch. Schon bei Olympia 2021 in Tokio will sich die 20-Jährige ein Bild vom Ablauf des größten Sportevents der Welt machen – dort ist sie Ersatzfrau für die deutsche Starterin Nadine Apetz.
Kurzfristig stehen für Müller jedoch erst einmal andere Wettkämpfe auf dem Programm. Im September steigt sie bei der Qualifikation für die Europameisterschaften in den Ring. Sollte diese positiv verlaufen, geht es noch im gleichen Monat mit den europäischen Titelkämpfen weiter. Trotz Corona fühlt sich die Esslingerin darauf hervorragend vorbereitet: „Ich habe in der Hochphase der Pandemie viel im Athletikbereich gearbeitet. Mein Trainer sagt sogar, dass ich derzeit so fit bin wie noch nie zuvor.“ Das sind beste Voraussetzungen für weitere sportliche Erfolge.