Das Podium Festival will vom 20. bis 30. April „laut die Zukunft träumen“. Jugendliche und Kinder schaffen Musik – als ein Mahnmal gegen das Artensterben
„Wir wollen laut die Zukunft träumen“, so hat Joosten Ellée sein Anliegen auf den Punkt gebracht, als er im vergangenen Jahr die künstlerische Leitung des Esslinger Podium-Festivals übernommen hat. Weil Kinder und Jugendliche die Zukunft dieser Welt sind, spielen sie im Konzept der Festival-Macherinnen und -Macher schon immer eine wichtige Rolle: Das Podium ist dabei, wenn jedes Jahr ein Kulturrucksack für Esslinger Schulklassen gepackt wird. Mit einem speziellen Education-Programm wird der Nachwuchs ganz gezielt ins Programm einbezogen. Und mit einem Workshop unter dem Titel „Last Chance to Hear“ hat das Podium in diesem Jahr schon vor dem Festivalauftakt ein Projekt gestartet, das musikalische Mahnmale gegen das Artensterben kreiert.
Die Laute bedrohter Tierarten sind die Grundlage für Klanginstallationen
Was das künstlerische Team um Joosten Ellée und die Musikvermittlerin Wiebke Rademacher zusammen mit Kindern und Jugendlichen erarbeitet hat, wird während des diesjährigen Festivals in der Esslinger Maille zu hören sein.
Themen von gesellschaftlicher Relevanz sind Joosten Ellée und seinem Team ein besonderes Anliegen. „Unser Planet beherbergt eine erstaunliche Vielfalt an Arten und Ökosystemen“, sagt der künstlerische Leiter. „Doch die Artenvielfalt geht weltweit dramatisch zurück. Die Wissenschaft spricht vom sechsten großen Massenaussterben der Erdgeschichte. Die Ursachen sind menschengemacht: Klimawandel, Rodung, Zersiedelung und industrialisierte Landwirtschaft setzen den natürlichen Ökosystemen zu.“ Nach intensiven Recherchen nahm das künstlerische Team vier bedrohte Tierarten in den Fokus: Afrikanische Elefanten, Wild- und Honigbienen, den Goldregenpfeifer und den Pazifischen Nordkaper. Ihre typischen Laute lieferten die Grundlage für Klanginstallationen, die daran erinnern sollen, welchen natürlichen Schatz es zu bewahren gilt: In Entenmanns Esslinger Garten machte sich eine Gruppe junger Menschen auf die Suche nach dem spezifischen Klang fliegender Bienen. Kinder aus dem Kinderhaus Agapedia suchten im Netz nach den typischen Lauten des Goldpfeifers. Jungen und Mädchen im Esslinger Montessori-Kindergarten spürten dem Afrikanischen Elefanten nach. Schülerinnen und Schüler der Esslinger Seewiesenschule beschäftigten sich mit dem Gesang der Glattwale und bereiteten sich außerdem auf ihre Mitwirkung beim Abschlusskonzert des Projekts am 30. April um 11 Uhr im Komma vor.
Menschenzentrierte Denkmuster sollen aufgebrochen werden
„Für einen wirksamen Schutz der Artenvielfalt braucht es gesellschaftliches Umdenken und politisches Handeln, doch auch Einzelne können durch nachhaltigen und klimabewussten Konsum dazu beitragen“, ruft Joosten Ellée in Erinnerung. „Nur ein intaktes Ökosystem besitzt eine klangliche Vielfalt, und die zunehmende Stille in manchen unserer Kulturlandschaften zeugt vom Verschwinden der Arten.“ Deshalb möchte er mit „Last Chance to hear“ bedrohten Tierarten musikalische Mahnmale setzen, menschenzentrierte Denkmuster aufbrechen und ein Bewusstsein für symbiotische Zusammenhänge in der Natur schaffen.
Auftakt mit einer „Sinfonie in ES“
Programm
Das Podium-Festival bietet vom 20. bis 30. April 27 Konzerte an wechselnden Orten. Eröffnet wird das Programm am Donnerstag, 20. April, um 19 Uhr in der Stadtkirche St. Dionys mit einem großen Konzert unter dem Titel „Sinfonie in ES“. Anschließend gibt es unterschiedlichste Konzertformate vom intimen Liederabend über Protestkonzerte im öffentlichen Raum und Kammerkonzerte in überraschendem Rahmen bis hin zu großen Orchesterkonzerten.
Vorverkauf
Eintrittskarten gibt es unter https://podiumfestival.reservix.de/events. Erstmals gibt es Wochenendpässe für jeweils 75 Euro, mit denen alle Konzerte am jeweiligen Wochenende besucht werden können.