Vor der Errichtung des Aussichtsturms hatte auf dem Areal bei der Katharinenlinde eine 1888 errichtete Schutzhütte gestanden. Sie wurde 1956 abgerissen. Foto: Stadtarchiv Esslingen

Eine unglückliche Königin oder eine sagenhafte Heilige – wer ist Namensgeberin der Katharinenlinde oberhalb von Esslingen?

Wiedereröffnung des Aussichtsturms bei der Katharinenlinde Anfang Dezember. Nach zweijähriger Restaurierung wird der lange Lulatsch oberhalb von Esslingen erneut der Öffentlichkeit übergeben. „Woher kommt der Name Katharinenlinde?“, fragt ein Besucher der Feier. „Da gab es doch eine württembergische Königin dieses Namens“, antwortet ein vermeintlich Wissender. Royaler Glanz nahe der ehemaligen Freien Reichsstadt Esslingen?

Ist der Name wirklich königlich? Der Schwäbische Albverein als Betreiber des Aussichtsturmes bei der Katharinenlinde spricht dagegen von eher mythischen Ursprüngen: „Zu dieser Linde und der Katharina als Namensgeberin gibt es verschiedene Sagen“, sagt Medienreferentin Ute Dilg und verweist auf Pressemitteilungen, das Internet und alte Legenden.

Anfang Dezember 2025 wurde der Katharinenlindenturm nach zweijähriger Restaurierung wieder eröffnet. Foto: Roberto Bulgrin

Danach könnte der Ursprung des Namens zwar nicht königlich, dafür aber „sagenhaft“ gewesen sein. Die heilige Katharina könnte dem Baum nördlich von Esslingen zu einer etwas schaurigen Geschichte verholfen haben.

Die heilige Katharina, eine überzeugte Christin, soll auf wie auch immer verschlungenen Pfaden in die Nähe der heutigen Katharinenlinde gelangt sein. An dieser Stelle befand sich eine heidnische Kultstätte, und die unverhoffte Besucherin sollte die dortigen Gottheiten anbeten. Sie weigerte sich. Ihr drohte die Hinrichtung. Ein Gottesurteil sollte über ihr weiteres Schicksal entscheiden: Eine Linde wurde verkehrt herum in die Erde gesteckt. Würde der Baum verdorren, so wäre das ein Beweis für die Stärke der alten Gottheiten.

Vom Katharinenlindenturm aus gibt es traumhafte Ausblicke auf Esslingen. Foto: Roberto Bulgrin

Ein Wunder geschah rund um die Katharinenlinde

Doch ein Wunder geschah. L aut der alten Sage begann der Baum zu grünen. Von dieser Legende kursieren verschiedene Varianten. Vor den Unbilden der Witterung war aber auch der Wunderbaum nicht gefeit. Die Linde soll von einem Sturm gefällt worden sein. Ein Ersatz wurde wohl im 19. Jahrhundert gepflanzt.

Eine württembergische Königin mit Namen Katharina gab es aber auch. Das Volk hat sie laut einem Artikel der Eßlinger Zeitung vom Juli 2022 geliebt. Doch ihr Ehemann tat das nicht immer. König Wilhelm von Württemberg wollte nicht von seiner italienischen Geliebten lassen. Aus Eifersucht, Wut und Enttäuschung darüber soll sich seine Gattin Katharina mit zu leichter Bekleidung in eine Kutsche gesetzt und zu dem Untreuen geeilt sein. Bei der Fahrt soll sie sich eine Krankheit zugezogen haben, an der sie mit 30 Jahren 1819 verstarb.

Ein beliebtes Ausflugsziel: die Katharinenlinde oberhalb von Esslingen. Foto: Horst Rudel

Katharina Pawlowna, Königin von Württemberg und russische Großfürstin, ist wohl eine mildtätige Landesmutter gewesen. In ihren nur drei Jahren als Königin von 1816 bis 1819 habe sie neue soziale Strukturen geschaffen. Ihr früher Tod sei vom Volk sehr bedauert worden. Zu ihrem Gedenken wurden Lindenbäume gepflanzt – vielleicht auch auf der Rüderner Heide.

Möglicherweise wegen der mysteriösen Namengebung, möglicherweise aber auch wegen der schönen Aussicht mauserte sich das Areal rund um die Katharinenlinde zu einem beliebten Ausflugsziel. Für die Besucher wurde eine passende Infrastruktur geschaffen. Ob es vor 1888 dort schon Unterkünfte für müde Wandersleute gegeben hatte, ist laut einem Bericht der Eßlinger Zeitung aus dem Fundus des Esslinger Stadtarchivs unklar. Eine einfache Hütte zur Schafhaltung soll damals aber dort gestanden haben.

Früher gab es bei der Katharinenlinde eine Schutzhütte

Doch 1888 eröffnete der damalige Esslinger Verschönerungsverein eine Schutzhütte nahe der Linde. Das wohl nicht mehr sehr repräsentative Gebäude wurde 1956 abgerissen. Mit dem Bau des heute noch bestehenden Turms war im März 1957 begonnen worden. Die Einweihung des Bauwerks war am 14. Juni desselben Jahres.

In einer kleinen Reihe gehen wir Vorurteilen über Esslingen nach. Teile über die vermeintliche „Burg“, die Funktion des Stegs der Stadtkirche, den Marktplatz, den Hafenmarkt und die fehlende Kirchturmuhr von St. Dionys sind bereits erschienen.