Paul Maar, der geistige Vater des „Sams“, eröffnet am Sonntag, 2. November, die Esslinger Literaturtage. Bis 23. November bietet die Lesart ihrem Publikum Literatur pur.
Wenn die Tage kürzer und die Abende kühler werden, gibt es kaum etwas Schöneres, als sich einem guten Buch zu widmen. Lesen macht Laune, und der Buchmarkt gibt eine Fülle interessanter Neuerscheinungen her. Einige der bemerkenswertesten, beeindruckendsten, anrührendsten, bemerkenswertesten und originellsten Bücher, die in jüngerer Zeit veröffentlicht wurden, prägen das Programm der 31. Esslinger Literaturtage Lesart, die an diesem Sonntag beginnen. Die Esslinger Stadtbücherei und unsere Zeitung laden vom 2. bis 23. November dazu ein, neue Bücher zu entdecken. In 30 Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene darf sich das Publikum auf reizvolle Begegnungen mit honorigen Autorinnen und Autoren freuen. Mehr denn je gibt es da auch Neues zu entdecken.
Der Bertelsmann Buchclub hatte die Lesart Mitte der 90er-Jahre nach Esslingen gebracht – anfangs als Teil einer bundesweiten Literatur-Reihe. Seit dem Ausstieg der Bertelsmänner wird die Lesart von der Stadtbücherei und unserer Zeitung mit Unterstützung der Stiftung der Kreissparkasse und des örtlichen Buchhandels organisiert.
Die Prominenz zu Gast in Esslingen
Mehr als 900 Autorinnen und Autoren waren bislang zu Gast – unvergessen sind Begegnungen mit Literaten wie Ralph Giordano, Martin Walser, Imre Kertesz, Juli Zeh, Marcel Reich-Ranicki, Monika Maron, T. C. Boyle oder den Nobelpreisträgerinnen Herta Müller und Swetlana Alexijewitsch. Zum Konzept der Lesart gehört aber auch, dass die Programmplanerinnen Bettina Langenheim, die die Lesungen für Kinder und Jugendliche prägt, sowie Dominique Caina, die das Programm für Erwachsene kuratiert, stets auf der Suche nach neuen literarischen Stimmen sind – ein Gedanke, der diesmal konsequenter denn je gepflegt wird.
Das Programm für Erwachsene beschert ein Wiedersehen mit einigen Autoren, die schon früher bei der Lesart viel Beifall gefunden haben – allen voran Marlene Streeruwitz, die Dominique Caina als „rebellische und streitbare weibliche Stimme der österreichischen Gegenwartsliteratur“ schätzt. Diesmal stellt sie ihren neuen Roman „Auflösungen“ vor. Stets ein besonderes Erlebnis ist die Begegnung mit Joachim Zelter. Sein Roman „Hoch oben“ lässt einen Mann in einer fremden Stadt stranden, die ihm wie ein kafkaeskes Absurdistan vorkommt und in der ein omnipräsenter Oberbürgermeister alles im Griff hat. Interessant verspricht auch das Wiedersehen mit Katharina Mevissen zu werden. Die Bahnwärter-Stipendiatin wird berichten, wie aus ihrem Roman „Mutters Stimmbruch“ ein Hörbuch wurde.
„Feinmechaniker der Gegenwartsliteratur“
Der Literaturkritiker Stefan Kister feierte Jonas Lüscher als „einen der präzisesten Feinmechaniker der Gegenwartsliteratur, zuletzt erhielt er den Wilhelm Raabe-Literaturpreis für seinen Roman „Verzauberte Vorbestimmung“, den er bei der Lesart vorstellt. Darin erzählt er von einer Gegenwart, die gern mehr über ihre Zukunft wissen würde. Eigene existenzielle Erfahrungen in der Coronazeit haben Lüscher zu der Frage gebracht, wovon Menschen und wovon „unsere sich zunehmend gegen uns erhebenden Maschinen“ träumen.
Dimitrij Kapitelman serviert „Russische Spezialitäten“, einen Roman über Familie und die (Un-) Möglichkeit der Verständigung in Zeiten alter und neuer Kriege. Leon Engler hat sich mit „Botanik des Wahnsinns“ angesagt – einem Roman, dessen Erzähler in seine Familiengeschichte blickt und dort einen „Stammbaum des Wahnsinns“ entdeckt. Liao Yiwu erzählt in „18 Gefangene“ Fluchtgeschichten aus China, dem größten Gefängnis der Welt. Und Christina König gibt mit ihrem Buch „Alles, was du wolltest“ Einblicke in eine toxische Beziehung, deren weitreichende Folgen und die Möglichkeit, daraus wieder herauszufinden.
Tragikomische Familiengeschichte
Miku Sophie Kühmel widmet sich in ihrem Roman „Hannah“ einer Liebe, die von der politischen Bedrohung durch den Nationalsozialismus mehr und mehr unter Druck gesetzt wurde. Jochen Schmidt macht das Lesart-Publikum mit „Hoplopoiia“ und einem Stadtneurotiker des 21. Jahrhunderts bekannt. Kathrin Bach fügt in „Lebensversicherung“ Erinnerungen, Bilder und Listen zu einer tragikomischen Familiengeschichte zusammen. Katja Kullmann kommt mit ihrem Debüt „Stars“ nach Esslingen, das als „ultimativer Hochstaplerinnen-Roman“ gefeiert wird. Kaśka Brylas Roman „Mein Vater, der Gulag, die Krähe und ich“ erzählt vom Kampf ums Überleben unter widrigen Bedingungen. Und zum Finale macht die Lesart gemeinsame Sache mit dem Podium-Festival: Katerina Poladjan, Julia Schoch, Iris Wolff und Matthias Jügler gestalten den Abend mit dem Rothko String Quartet unter einem Motto, das perfekt zu einem Literaturfestival passt: „Wir dachten, wir könnten fliegen“.
Kurze Wege zu den Lesart-Eintrittskarten
Erwachsene
Lesart-Tickets sind gewöhnlich sehr begehrt. Wer sich seinen Platz sichern möchte, ist gut beraten, den Vorverkauf zu nutzen. Eintrittskarten für das Literaturprogramm für Erwachsene kosten 10 Euro zuzüglich Servicegebühren und Versandkosten, erhältlich sind sie unter www.reservix.de und bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen.
Junge
Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche sind kostenlos. Karten dafür müssen unter lesart.esslingen.de reserviert werden. Schulklassen und Kindergartengruppen können für die Lesungen am Nachmittag kostenlose Eintrittskarten per E-Mail unter kinderbuecherei@esslingen.de reservieren.