Mit einer Hinweistafel am westlichen Beginn der Hindenburgstraße erklärt die Stadt, weshalb es beim bisherigen Straßennamen bleibt. Foto: Roberto Bulgrin

Monatelang schwelte der Streit um die Benennung der Esslinger Hindenburgstraße. Am Ende entschied der Gemeinderat, den bisherigen Namen zu belassen, die historische Rolle des Namensgebers jedoch auf einer oder mehreren Texttafeln zu beleuchten. Die erste Tafel steht nun, doch der Streit ist damit nicht vom Tisch.

Esslingen - Monatelang hatten der Esslinger Gemeinderat und sein Kulturausschuss um die Benennung der Hindenburgstraße gerungen – schließlich wurde im Dezember 2019 mehrheitlich entschieden, mit einer oder mehreren Hinweistafeln zu erläutern, weshalb die Straße ihren Namen behält und wie man die historische Rolle des Namensgebers einschätzt. Mittlerweile wurde nun am westlichen Beginn der Straße ein Schild angebracht, doch die damalige Debatte ist damit noch nicht ein für alle Mal beendet. „Wir behalten uns vor, das Thema weiter am Leben zu erhalten“, hat Marco Bertazzoni (Grüne) bereits angekündigt. Und Martin Auerbach (Linke) hat damals betont: „Ein Mann, der allen Ernstes erklärt hatte, der Krieg bekomme ihm wie eine Badekur, kann nicht der Namensgeber einer Straße in einer Stadt wie Esslingen sein.“ Die SPD drängt derweil darauf, dass es nicht nur bei einem Hinweisschild bleibt.

„Vergegenwärtigen statt Verdrängen und Vergessen ist eine bleibende Aufgabe“, lautet eine Textzeile auf der Tafel, die sich die Stadt rund 2000 Euro kosten ließ. Die Hinweistafel solle „eine dauerhafte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anregen, indem sie die historischen Zusammenhänge kritisch aufbereitet“. Für OB Jürgen Zieger steht fest: „Die Stadt, vertreten durch Verwaltung und Gemeinderat, widersetzt sich gegen jede Form von politischem Extremismus. Das wollen wir mit der Tafel in der Hindenburgstraße verdeutlichen.“ Dazu gehört auch, dass man sich im Rathaus bewusst dafür entschieden hat, die neue Texttafel nicht mit einem offiziellen Termin zu enthüllen. „Paul von Hindenburg ist unzweifelhaft keine historische Persönlichkeit, der wir als Stadt aktiv ein ehrendes Angedenken widmen sollten“, erklärt Kulturbürgermeister Yalcin Bayraktar. „Deshalb haben wir uns auch bewusst gegen einen offiziellen Fototermin oder eine förmliche Enthüllung der Tafel entschieden.“

Während es die Verantwortlichen im Rathaus mit einer Hinweistafel am westlichen Beginn der Hindenburgstraße belassen hätten, will sich die SPD-Fraktion damit nicht begnügen. Deren kulturpolitischer Sprecher Richard Kramartschik hatte im Kulturausschuss bereits für mindestens eine weitere Hinweistafel am anderen Ende der Straße plädiert. Tatsächlich hatte die EZ nach der Entscheidung des Gemeinderats im Dezember 2019 notiert: „Ob die Hinweistafel an mehreren Stellen aufgestellt wird, soll der Kulturausschuss demnächst nochmals beraten.“ Weil das bisher noch nicht geschehen ist, hat die SPD die Verwaltung nun per Antrag aufgefordert, „dem Kulturausschuss zeitnah weitere mögliche Standorte zu präsentieren“. Denn für Kramartschik ist klar: „Eine Tafel genügt nicht.“ Und er beruft sich dabei auf das Protokoll der Ratssitzung, in dem sich die Zusage der Verwaltung finde, „dem Kulturausschuss weitere Standorte zur Entscheidung vorzulegen“.

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