Seit 50 Jahren ist Berkheim ein Stadtteil von Esslingen. Viele Berkheimer haben sich damals mit ihrer Eingemeindung schwergetan. Für das gesunde Selbstbewusstsein, das sich die Berkheimer bewahrt haben, steht das Engagement des Bürgerausschusses.
Wer sich in einem der zwölf Esslinger Bürgerausschüsse engagiert, muss Zeit, Engagement und ein Herz für seinen Stadtteil mitbringen. Denn die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger sind vielfältig. Gewöhnlich dauert die Amtszeit der Bürgerausschüsse drei Jahre. Weil jedoch während der Coronapandemie Einwohnerversammlungen nicht möglich waren, mussten manche Ausschüsse deutlich länger bleiben – in Berkheim wurde die Amtszeit glatt verdoppelt. Dass dennoch fast alle Bürgerausschussmitglieder bis zur jüngsten Einwohnerversammlung mit demselben Engagement im Amt blieben, spricht für deren Verbundenheit mit dem südlichsten Esslinger Stadtteil – und für den dort seit jeher gelebten Gemeinsinn.
Doppelte Amtszeit
Nur drei der bisherigen Berkheimer Ausschussmitglieder hatten sich in der Einwohnerversammlung Ende April nicht mehr zur Wahl gestellt. An mangelndem Engagement habe das ganz sicher nicht gelegen, betont Aglaia Handler, die dem Ausschuss insgesamt zwölf Jahre lang angehörte – die letzten acht Jahre als Vorsitzende. Nun hat sie nicht mehr kandidiert. Ihr Engagement hat Aglaia Handler in all den Jahren aber nie bereut. „Für den Erfolg eines letztlich ja nur beratenden Gremiums ist auch eine gewisse Portion Hartnäckigkeit erforderlich“, hatte sie in ihrem Rechenschaftsbericht betont und versichert: „Wir sind in den letzten Jahren nicht nur Bürgerausschuss gewesen, sondern auch Freunde geworden.“ Um diesem Gefühl der Verbundenheit im Ausschuss, aber auch mit den Bürgerinnen und Bürgern im Stadtteil Ausdruck zu verleihen, hat der bisherige Bürgerausschuss zum Ende seiner Amtszeit eine Liegebank gestiftet, die nun auf einem Grundstück am Ortsrand hinter der Tennisanlage dazu einlädt, zu verweilen und den Blick über Berkheim schweifen zu lassen.
Doch das soll längst nicht alles gewesen sein, was von der sechsjährigen Amtszeit des bisherigen Bürgerausschusses geblieben ist. In vielen großen und kleinen Fragen haben sich die Bürgervertreterinnen und -vertreter für ihren Stadtteil eingesetzt. In der langen Liste der Erfolge, die bisweilen nur durch ausgeprägte Beharrlichkeit zu erzielen waren, rangiert der Erhalt des Berkheimer Bads, dessen Zukunft lange Zeit in der Schwebe war, ganz oben. Dass das Bad nicht nur erhalten blieb, sondern inzwischen umfangreich saniert in neuem Glanz erstrahlt, darf sich nicht zuletzt der bisherige Bürgerausschuss an die Fahnen heften – umso mehr, als er vom damaligen Oberbürgermeister nicht zur Eröffnung eingeladen worden war. Themen wie die Sanierung des Mühlgässles, die auch für mehr Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern sorgte, oder die Einbahnstraßenregelung, die die Verkehrssicherheit für Kinder bei der Schillerschule verbessern hilft, sind ebenfalls untrennbar mit dem Bürgerausschuss verbunden. Andere Anliegen wie die Einkaufssituation im Stadtteil, der Zustand der Berkheimer Straßen, den der Bürgerausschuss deutlich schlechter beurteilt als der Baubürgermeister, die fehlende Busverbindung nach Nellingen oder der Steg am Ortszentrum haben Aglaia Handler und ihre Mitstreiter in den letzten zwölf Jahren intensiv beschäftigt, und sie werden auch beim neuen Bürgerausschuss immer wieder auf der Tagesordnung bleiben.
Nah bei den Menschen
Und was gibt die langjährige Bürgerausschussvorsitzende dem neuen Ausschuss mit auf den Weg? „Das Wichtigste ist, immer wieder nachzuhören, was die Menschen im Stadtteil beschäftigt“, rät Aglaia Handler. „Die Bürgerinnen und Bürger haben ein feines Gespür, ob man ihre berechtigten Anliegen ernst nimmt und versucht, ihnen zu helfen, so gut es geht. Nur so kann über die Jahre ein Vertrauen wachsen, ohne das das Engagement der Bürgerausschüsse sinnlos wäre.“
Ein selbstbewusster Stadtteil und seine Vertreter
Der Stadtteil
Mit seinen rund 8000 Einwohnerinnen und Einwohnern zählt Berkheim heute zu den großen Esslinger Stadtteilen. Erste Spuren einer Besiedelung datieren aus dem dritten Jahrhundert. Nach der Reformation gehörte Berkheim zunächst zum württembergischen Klosteramt Denkendorf, ab 1806 zum Oberamt Köngen, dann zum Oberamt Esslingen und schließlich seit 1938 zum Landkreis Esslingen. 1974 wurde Berkheim dann anlässlich der Gemeindereform nach Esslingen eingemeindet. Die Berkheimer ließen sich die Eingemeindung durch allerlei Zugeständnisse versüßen. Viele dieser Privilegien sind inzwischen jedoch verschwunden, anstelle eines Ortschaftsrats vertritt nun wie in den anderen Esslinger Stadtteilen ein Bürgerausschuss die Interessen der Bürgerinnen und Bürger.
Der Bürgerausschuss
In der jüngsten Einwohnerversammlung verabschiedeten sich Aglaia Handler, Manfred Pfitzner und Ulrike Krinn. Nun bilden Dietmar Frey, Daniel Hehn, Alexander Mauz, Claudia Nikl, Dietmar Vogel, Nicole Rieger, Max Theurer, Ulrich Wolters, Stephan Herdtle, Nazan Kilic, Aileen Wegener, Nathalie Simunjak, Tanja Walther und Martina Buschle den Bürgerausschuss Berkheim.