Viele Plätze im Neckar Forum blieben während der Anhörung zum Flächennutzungsplan-Vorentwurf unbesetzt. Foto: Bulgrin Quelle: Unbekannt

Von Peter Stotz

Die Standortinitiative Neue Neckarwiesen (SINN) hat gestern zu ihrem zwölften Neckarwiesenfest in das Gewerbegebiet Oberesslingen/Zell eingeladen. 32 Betriebe im Gebiet haben ihre Türen geöffnet und Einblicke in Produktionsabläufe gewährt. In einigen der Unternehmen wurden speziell auch Jugendliche angesprochen, die sich in den Werkstätten oder Verwaltungen der Betriebe über Ausbildungsberufe informieren konnten. Aufgrund des regnerischen Wetters zählten die Veranstalter zwar einen im Vergleich zu den Vorjahren etwas geringeren Zuspruch, insgesamt herrschten jedoch zufriedene Mienen.

Blickpunkt Ausbildung: „Wir müssen uns in den kommenden Jahren noch einmal verstärkt um junge Menschen bemühen und ihnen die Vielzahl der Ausbildungsberufe in unseren Betrieben näher bringen“, sagte Claudia Thomas, die seit einem Jahr als Gewerbegebietsmanagerin für die Neckarwiesen zuständig ist. Das Gewerbe müsse sich dem Problem des demografischen Wandels stellen und verstärkt um Azubis werben. „Es gibt immer weniger Schulabgänger, und mittlerweile sehen wir einen regelrechten Wettbewerb um die künftigen Auszubildenden“, sagte Thomas. 

Qualität und Quantität: Viele Besucher nutzten gestern die Gelegenheit, sich in den 32 Betrieben beraten zu lassen oder auch in den Werkstätten Produktionsabläufe näher kennen zu lernen. „Wir hatten sehr viele Kundenkontakte, und da wegen des Regens zunächst nicht so viel los war, konnte in Ruhe beraten werden. Wir hatten in den Betrieben also nicht so hohe Quantität bei den Besuchern, dafür aber eine hohe Qualität in der Beratung“, sagte Elli Roderburg-Schnierle, die Vorsitzende der Standortinitiative.

Reine Nervensache: Als Teil des Rahmenprogramms, allerdings auch als Demonstration der Bandbreite technischer Möglichkeiten, hatte der Stuckateur- und Gerüstbaubetrieb Manfred Schmid eine fahrbare Arbeitsbühne aufgestellt. Mutige Besucher konnten sich damit, mehrfach mit Gurten gesichert, auf bis zu 40 Meter Höhe hieven lassen und das Gewerbegebiet von oben betrachten. „Das ist nichts für meine Nerven“, sagte eine Dame, die sich die Sache mit leichtem Kopfschütteln anschaute.

Schwere Schmuckstücke: Die Recycling-Firma Scherrieble nutzte das Neckarwiesenfest in diesem Jahr zum dritten Mal für ein Nutzfahrzeug-Oldtimertreffen. 75 teils schon sehr betagte Lastwagen, Busse und historische Feuerwehrwehrfahrzeuge parkten nach einem Korso durch das Gewerbegebiet auf dem Hof der Firma im Entennest. „Das Oldtimertreffen zieht natürlich eine Menge Leute zu uns hinaus, die sonst wohl nicht gekommen wären. Wir sind eben doch ein bisschen abgehängt von den anderen Betrieben. Und mit unseren Schmuckstücken hier wird auch der Teil des Gebiets sehr attraktiv. Wir können also sehr zufrieden sein“, sagte der Geschäftsführer Rainer Scherrieble.

Tanz und Musik: Neben Beratung und Informationen boten die Betriebe den Besuchern auch ein vielfältiges Unterhaltungsangebot. So spielte zur Mittagszeit die Rockabilly-Gruppe Railbones unverdrossen gegen den Regen an, und das teilweise stilecht gekleidete Publikum wippte unter Schirmen mit. Auf der zentralen Bühne im Hof der Getränkehandlung Bayha traten am Nachmittag mehrere Tanzgruppen auf. Das Schautanzteam Oberlenningen nutzte eine Regenpause und überbrückte die Distanz zwischen sich und dem Publikum mit einem Tanz zwischen Pfützen. 

Filigrane Arbeit: Der Zauberkünstler und Ballonclown Hans-Peter Hurth demonstrierte an einem von vielen Kindern umlagerten Stand, dass man mit Luftballons weit mehr bewerkstelligen kann, als gemeinhin angenommen. Mit flinken Fingern formte er aus schlauchartigen Ballons Herzen und Blumen, Tierköpfe und Kronen, die er den Kindern mit verschmitztem Lächeln überreichte. Ähnlich filigrane Arbeit wurde auch nebenan geleistet, allerdings mit erheblich mehr Lärm. Am Nachbarstand bearbeitete der Holzbildhauer Achim Pochert mit einer Kettensäge Holzklötze und formte daraus - umschwirrt von Sägestaub und Splittern - eine Eule.

Positive Bilanz: „Wir können sehr zufrieden sein und unter dem Strich eine positive Bilanz ziehen“, sagten Elli Roderburg-Schnierle und Claudia Thomas am Spätnachmittag. Mit dem Schwerpunktthema Ausbildung sei die Standortinitiative auf dem richtigen Weg. „In den Betrieben waren die Ausbildungsmeister dauernd in Gesprächen mit Eltern von Schülern, aber auch mit Jugendlichen, die von sich aus gekommen sind“, sagte Roderburg-Schnierle. Künftig wolle die Standortinitiative neben der Werbung um junge Menschen verstärkt auch den Kontakt zu den Arbeitskreisen in der Flüchtlingshilfe suchen. „Am Thema Ausbildung und Beschäftigung für Flüchtlinge sind wir intensiv dran. Da werden wir noch aktiv werden“, sagte sie.

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