Maren Gottschalk vermittelt Geschichte anschaulich. Foto: Weiß Quelle: Unbekannt

Von Gaby Weiß

Spannend, lebendig, anschaulich und so, dass sie nachhaltig im Gedächtnis haften bleibt - wenn nur alle Geschichtsstunden so wären. Wie man junge Menschen für historische Ereignisse begeistern kann, das führte Maren Gottschalk in dieser Woche bei den Literaturtagen LesART vor. Es war mucksmäuschenstill, als die Autorin morgens an Schulen und nachmittags im Kutschersaal über die Lebensgeschichte des Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela sprach.

Maren Gottschalk versteht es, Geschichte hautnah zu vermitteln. In klarer Sprache schildert sie - in kurzen Passagen aus dem Buch vorgelesen und in freier Erzählung - Stationen im Leben von Nelson Mandela im Kampf für Freiheit, gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. In ihrem Mandela-Buch „Die Morgenröte unserer Freiheit“ (Gulliver von Beltz & Gelberg, 8.95 Euro) knüpft Gottschalk an das Hier und Jetzt ihres jugendlichen Publikums an: „Nelson Mandela ist 2013 gestorben, er hat mit uns gemeinsam gelebt.“ Sie zitiert die Worte des damaligen US-Präsidenten Barack Obama bei Mandelas Beerdigung: „Er hat uns daran erinnert, dass die Dinge so lange unmöglich erscheinen, bis sie dann doch getan werden.“

Etwas zu erfinden, damit Fakten sich schöner erzählen lassen, ist nicht Sache der promovierten Historikerin. Sie verklärt Mandela nicht zum Mythos. Und als sie von Mandelas Kindheit, Heranwachsen und Studienzeit erzählt, zeigt sie, dass er nicht zum Helden geboren war. Im Süden Südafrikas, in der Transkei, 1918 in einem Kral aus Rundhütten geboren, hütet er Ziegen und Schafe. Obwohl schüchtern und zurückhaltend, möchte er ein großer Stockkämpfer seines Volkes, der Xhosa, werden. Mit acht Jahren kommt er in eine methodistische Schule und wird von englischen Missionaren unterrichtet, die ihn Nelson nennen. Seinen afrikanischen Namen - Rolihlahla, was soviel bedeutet wie „am Ast eines Baumes ziehen“ oder „Unruhestifter“ - verwenden sie nicht mehr. Der Junge, von Selbstzweifeln und Unsicherheit geplagt, möchte nichts sehnlicher als ein „black english man“, ein schwarzer englischer Mann, werden. Erst als er nach dem frühen Tod seines Vaters in die Obhut seines Onkels kommt, eine weiterführende Schule besucht und vor einer frühen Verheiratung nach Johannesburg flieht, beginnt er, sich selbst als schwarzen Afrikaner wahrzunehmen.

Maren Gottschalk demonstriert auf einer Landkarte, wie die Weißen überhaupt nach Südafrika kamen und wie sich das System der Apartheid entwickelte: „Zur Zeit von Mandelas Geburt waren 70 Prozent der Bevölkerung schwarz, sie durften sich aber nur auf sieben Prozent des Landes aufhalten.“ Es gelingt ihr, die komplizierten zeitgeschichtlichen und politischen Verhältnisse deutlich zu machen. Sie zeigt auf, was den Menschen Mandela geprägt hat, wie er beginnt, sich - anfangs betont friedlich, später angesichts der Übermacht des weißen Apartheid-Regimes nicht mehr gewaltlos - für den Widerstand gegen Rassismus und Intoleranz und für den Befreiungskampf der Unterdrückten einzusetzen. Und sie berichtet, wie er 27 lange Jahre im Gefängnis übersteht und das Angebot ausschlägt, freigelassen zu werden, wenn er sich nie wieder politisch betätigt. 1990 kommt er ohne Auflagen frei und wird vier Jahre später bei den ersten demokratischen Wahlen zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. „Er war, trotz allem, bereit zur Versöhnung“, erklärt Maren Gottschalk, was sie an Nelson Mandela besonders fasziniert hat. „Geschichte erzählt von Menschen, davon, was sie lieben, was sie hassen, wofür sie kämpfen und wofür sie sterben.“

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