Und im Café Schmiede wird abgetanzt, was das Zeug hält. Foto: Bulgrin

Von Sabine Försterling

Partylaune pur hat eine muntere Schar mitgebracht, die erwartungsvoll auf den Auftritt der „Dirty Saints“ im Keller des Brauhaus zum Schwanen wartete. Andrea, die ihren Nachnamen nicht verraten wollte, ist nicht zum ersten Mal mit Freunden auf der Esslinger Musiknacht unterwegs. Sozusagen als Aufwärmer hatte sich ihre Gruppe gezielt die Coverband, die reinen Rock versprach, ausgesucht. Die 48-Jährige fand es toll, dass so junge Musiker auch ältere Hits wie „Wild Thing“ von der Band „The Troggs“ aus den 60er Jahren spielten. Und überhaupt: zu Livemusik abtanzen - das sei ihr Ding. Wo sei dies für ihre Altersgruppe außer auf der Musiknacht noch möglich? Anschließend gehe es dann noch ins „Karmeliter“, in dem Heavy Metal angesagt war.

21 Lokale und Clubs lockten bis in die frühen Morgenstunden mit unterschiedlichen Musikrichtungen. „Einmal bezahlen - überall dabei sein“, lautete das Motto der Musiknacht, die in die 14. Runde ging und von der EZ präsentiert wurde. Siegfried Györfi liebt eher die leisen Töne und machte es sich bei Kerzenschein im Café Flair gemütlich. Die beiden Gitarristen ließen mit ihrer „Rumba de amor“ Urlaubsgefühle aufkommen. Györfi tanzt zwar auch gerne, aber nicht auf der Musiknacht: Er brauche Platz, dafür sei es zu voll. Anschließend ging es noch mit einem Geschäftsfreund ins Café Uferlos. Dort spielte „InTeam“ mit Akustik-Gitarren und Cajon unplugged.

Ansteckende Stimmung

„No Talk“-Frontfrau Nicole Martin heizte derweil im Café Schmiede mit „It’s raining men“ ein, und eine reifere Frau hielt es nicht mehr auf dem Stuhl. Lauthals sang ein junger Partygänger den Refrain des Hits der „Weather Girls“ aus den 80er-Jahren mit. Die Stimmung sei einfach ansteckend“, sagte der 23-Jährige, der mit Schulfreunden unterwegs war. „Wir lassen uns durch die Nacht treiben, und da, wo es uns gefällt, bleiben wir.“ Esslingen sei ein super Pflaster, bemerkte Gitarrist Michael Kallinger, der mit der Band „Diet Dope“ aus Stuttgart zum achten Mal bei der Musiknacht dabei war. Die Lokale seien alle bequem zu Fuß zu erreichen, das Publikum sei offen und der Funke springe schnell über. Sprach der Musiker und legte im „Palm’schen Bau“ mit geschlossenen Augen ein gefühlvoll-rockiges Solo bei einem Song von den „Red Hot Chili Peppers“ aufs Parkett. Inzwischen herrschte drangvolle Enge vor der Bühne und Kallinger freute sich, das ein oder andere bekannte Gesicht zu entdecken. „Wir haben es einmal mit einem Double von Helene Fischer versucht, das ist aber beim Publikum nicht so angekommen“, erzählte Wirt Frank Jehle. Die Fraktion der Headbanger war hingegen im Café Maille an der richtigen Adresse. Dort hieß es zur fortgeschrittenen Stunde von den Türstehern: „Einer raus, einer rein.“ Drinnen kochte die Stimmung, und der Schweiß floss. Doch was machte das Stofftier auf der Schulter eines jungen Mannes? Das sei Robbe Petra, die immer dabei sei, sagte Patrizia Grünwald mit einem Augenzwinkern. Die Freundin aus dem badischen Waldkirch lebt erst seit kurzem in Esslingen und war von der Musiknacht total begeistert.

Zuvor war das Paar nebst Schmusetier in der „Zwiebel“, und nun ging es mit Hilfe des Flyers, auf dem sämtliche Auftrittsorte und Bands beschrieben waren, weiter. Im „Krokodil“ war es eng wie in einer Sardinenbüchse. Doch die „Rockaholix“ konnten gut durchs Fenster beobachtet werden - und so mancher legte eine flotte Sohle auf dem Gehsteig hin. Auf drei Floors wurde dann abschließend bis in die frühen Morgenstunden in der Disco One abgetanzt.

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