Künftig will die Stadt den Anteil an Elektrobussen von derzeit 21 auf insgesamt 63 Prozent erhöhen.Archiv Foto: Bulgrin Quelle: Unbekannt

Von Melanie Braun

Die Ankündigung der Stadt, in den nächsten zehn Jahren beim Busverkehr in großem Stil auf Elektromobilität zu setzen, stößt im Gemeinderat nicht bei allen auf Begeisterung. Während Grüne, SPD und Linke das Vorhaben ausdrücklich begrüßen, zeigen sich CDU, Freie Wähler und FDP skeptisch.

Zwar sei es grundsätzlich eine gute Idee, verstärkt Elektrobusse einzusetzen, sagt Thomas Heubach, Stadtrat der Freien Wähler. Schließlich trage das zum Umweltschutz sowie zu Lärm- und Feinstaubminderung bei. Allerdings sehe man es kritisch, dass das Projekt zur Folge hätte, dass die privaten Busunternehmen nur noch zu 37 Prozent am Busverkehr beteiligt würden - und nicht mehr zu rund 48 Prozent wie bislang. Angesichts dessen komme der Vorstoß der Stadt etwas überraschend: Am 29. Mai soll der Gemeinderat darüber entscheiden. „Wir hätten gerne mehr Zeit gehabt für die Beratung und Abwägung“, sagt Heubach. Das aber sei schwierig, weil man nun keine Alternative zur Auswahl habe. Zudem widersprächen die voraussichtlich rund 260 000 Euro pro Jahr an Mehrkosten für die Aufstockung des Anteils an Elektrobussen von derzeit 21 auf 63 Prozent der strategischen Haushaltskonsolidierung. „Gerade erst haben wir die laufenden Kosten reduziert, damit würden sie wieder erhöht.“

Ähnlich äußert sich Ulrich Fehrlen (FDP). „Ständig wird mit der strategischen Haushaltskonsolidierung gedroht, aber wenn es der Stadt passt, spielt das keine Rolle mehr“, kritisiert er. Zudem moniert er, dass die Stadt nur sich selbst in der Lage sehe, den Busverkehr mit Elektromobilität zu betreiben. Es gebe sicherlich auch Techniken, die private Anbieter nutzen könnten. „Aber mit der Bindung an die Oberleitungen schließt man die Privaten von vornherein aus“, so Fehrlen. Generell befürworte man die E-Mobilität, aber die Ausschreibung für den Busverkehr solle so gestaltet werden, dass Private sich auch beteiligen könnten.

Auch bei der CDU sieht man die Konzentration auf Oberleitungsbusse skeptisch. Denn die Oberleitungen seien teuer und aufwendig zu unterhalten. Zudem arbeiteten die privaten Busunternehmen wirtschaftlicher als der Städtische Verkehrsbetrieb Esslingen, daher sei es nicht unbedingt erstrebenswert, dass Letzterer zwei Drittel des Busverkehrs in seiner Regie habe, sagt der Fraktionsvorsitzende Jörn Lingnau. Deshalb wäre es vielleicht besser, noch einige Jahre zu warten und dann ein Buskonzept mit Elektrofahrzeugen aufzustellen, die keine Oberleitungen brauchen, überlegt Lingnau. Ohnehin sei die Frage, ob das viele Geld nicht an anderer Stelle viel effektiver für den Umweltschutz eingesetzt werden könne. Schließlich seien die Dieselbusse nur für einen kleinen Teil der Feinstaubbelastung verantwortlich, viel schlimmer sei der Abrieb der Reifen.

Während die Linke das Vorhaben der Stadt prinzipiell begrüßt, aber wiederholt ein Gesamtkonzept für den Verkehr fordert, sind Grüne und SPD begeistert. Das sei ein wichtiger Schritt hin zu einem emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr und damit zu mehr Umwelt- und Klimaschutz, lobt der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Koch. „Dass die Stadt hier selber die Initiative ergreift, hat Vorbildcharakter“, findet er. Das habe zwar seinen Preis, aber: „Eine gesunde Umwelt und Geld lassen sich nicht gegeneinander ausspielen.“

So sieht man es auch bei den Grünen: „In den Nahverkehr muss man investieren“, betont Stadtrat Helmut Müller-Werner. Aber wenn dieser attraktiv sei, dann werde er auch gut genutzt - und dann könne er sich auch wirtschaftlich rentieren. Von daher halte man das Konzept der Stadt für sehr gut und hoffe, dass es möglichst bald umgesetzt werden könne.

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