Partner oder Gegenspieler? Der Mensch Christian_Müller64 (Janis Kuhnt) und Hanna Plaß als Musikmaschine Emulata Tegra. Foto: Bulgrin Quelle: Unbekannt

Von Rainer Kellmayer

Mensch und Computer - Partner oder Antagonisten? Diese Frage beleuchtete das in Kooperation von Podium-Festival und Bayerischem Rundfunk entstandene Hörspiel „On Air. Ich die Maschine. Du der Mensch. Wir die Musik!“. Die mit schönen Klängen garnierte Auseinandersetzung zwischen menschlichem Fühlen und künstlicher Intelligenz wurde von U21, dem Jungen Magazin von Bayern Klassik, in der Regie von Günter Maurer direkt aus der Esslinger Scala übertragen.

Ist Kreativität etwas rein Menschliches? Oder kann auch eine Maschine kreativ sein? Antworten sucht das Hörspiel von Jochen Dreier in der Gegenüberstellung von menschlichem Fühlen und Computer-Algorithmen. Im Zentrum des Geschehens: Der Mensch Christian_Müller64 (Janis Kuhnt) und Hanna Plaß als Musikmaschine Emulata Tegra (EMI), die futuristisch gewandet in wunderschönem, glitzerndem Weiß auftritt. Kommentierend erscheint ein weiterer Computer auf der Bildfläche, der Erzähler SAM (André Holonics).

Emulata Tegra ist von der Überlegenheit der Computer überzeugt. Für sie ist der Mensch nur eine mit Fehlern behaftete Biomasse, die zwar wenig Energie braucht, jedoch nur eine erschreckend geringe Rechenleistung aufweist. Dies hat sie mit Tests an 371 Personen nachgewiesen. Doch bei Testperson 372, Christian, ist alles anders. Zunächst belächelt die Musikmaschine die Gefühle des Menschen, der sich sogar eine Katze namens Rakete als Haustier hält. Doch nach und nach kommen sich Mensch und Maschine näher. Dieser Prozess wird begleitet von Musik des Computerprogrammes Emily Howell, über nachempfundenen Kompositionen verschiedener Klassiker bis hin zu „Hello World“ des Musik komponierenden Computers IAMUS. Meist sind die von Steven Walter ausgewählten, vom Computer als Stilkopie generierten Kompositionen meditativ gehalten, doch Ragtimes und atonale Klänge nach Arnold Schönberg und Anton Webern geben die nötige Würze. Für hochkarätige Wiedergaben sorgen Instrumentalisten des Podium-Festivals, allen voran der Pianist Janis Pfeifer.

Ein Abendessen in Christians Studentenbude bringt die Wende. Emulata Tegra beginnt, Gefühle zu verstehen und zu entwickeln. Zunächst bemängelt sie verständnislos, dass ihr Gegenüber überhaupt Essen braucht und dieses sogar noch besonders zubereitet. Doch allmählich entwickelt sich eine Zuneigung zwischen Mensch und Maschine, die Emulata so verwirrt, dass sie eine ihrer Musikshows mit gefühlsbeladener Musik bestückt. Dies bringt ihr Ächtung und den Ausschluss aus der Computer-Community ein. Andererseits verstärkt sich ihre Beziehung zu Christian, die fast menschliche Züge annimmt und bei der Musikmaschine Emulata Tegra Gefühle zulässt. Die beiden kommen zwar nicht endgültig zueinander, befreien sich jedoch in einer neuen Welt, in der sie erkennen, dass die Kooperation von Mensch und Maschine beiden nützt, beide besser macht.

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