Der Bürgerausschuss Innenstadt fordert, Bereiche wie den Esslinger Bahnhofvorplatz klimafreundlicher zu gestalten. Foto: Kaier Quelle: Unbekannt

Von Alexander Maier

Luftqualität und Lärmbelastung, Neubaugebiete, Innenverdichtung und deren klimatische Folgen, die Zukunft von Bücherei und Gemeindehaus am Blarerplatz oder die Suche nach bezahlbarem Wohnraum - es gibt vieles, was die Menschen in der Esslinger Innenstadt beschäftigt. Entsprechend gehaltvoll war die Tagesordnung der jüngsten Einwohnerversammlung.

Dass bei vielen Themen nur an der Oberfläche gekratzt wurde, liegt in der Natur solcher Veranstaltungen. Dafür hat der Bürgerausschuss bei vielen Themen umso tiefer gegraben, wie die Vorsitzende Barbara Frey deutlich machte. Die Lebensqualität der Menschen im Stadtzentrum zu erhalten und möglichst zu verbessern, soll weiterhin die Richtschnur sein. Dass die Einwohnerversammlung im Gemeindehaus am Blarerplatz stattfand, das die Stadtverwaltung als möglichen neuen Bücherei-Standort ausgeguckt hat, barg für viele Besucher eine gewisse Pikanterie. Für den Bürgerausschuss ist klar, dass die Bibliothek dringend einer Modernisierung bedarf - und dass sie am bisherigen Standort in der Heugasse bleiben muss.

Barbara Frey warb für eine weitsichtige Stadtentwicklung, die die Attraktivität der Innenstadt und die Lebensbedingungen der Bewohner gleichermaßen im Blick behält. Der Bürgerausschuss sieht es kritisch, wenn Einzelhandelsgeschäfte immer häufiger der Gastronomie weichen: Das bringe mehr Lärm und Verkehr, was den Anwohnern erhöhten sozialen Stress verursache. Dass die Stadt in der Ritterstraße erste Anstrengungen zur Verkehrsberuhigung unternommen hat, könne nur der Anfang sein. Generell warnt Frey davor, bei großen Neubauprojekten stets nach einem einzigen Investor Ausschau zu halten - es gebe Lösungen, die der Stadt mehr Einfluss sichern könnten. Städtebauliche Verträge dürften nicht nachträglich nur zu Gunsten der Investoren ausgelegt werden. Wenig Freude hat der Bürgerausschuss an der Gestaltung des Bahnhofplatzes, der „ein trauriger Platz“ geworden sei. Umso mehr bedauern Frey und ihre Mitstreiter, dass nicht Teile des alten Busbahnhof-Areals zur Grünfläche werden. Das gelte umso mehr, als Luftqualität und Klima in der Innenstadt zunehmend ein Problem seien. Der Bürgerausschuss wundert sich, dass es nun doch zu einer Bebauung des Greut kommen soll, nachdem entsprechende Pläne vor Jahren aus Gründen von Klima- und Naturschutz abgelehnt worden waren. Deshalb wird die Stadtplanung aufgefordert, die Folgen des Klimawandels angemessen zu berücksichtigen: „Die Luft darf uns in der Innenstadt nicht ausgehen.“

Wolfgang Ratzer vom Stadtplanungs- und Stadtmessungsamt versicherte, die Kommune habe dieses Thema auf dem Schirm - Patentrezepte gebe es allerdings nicht. Die Stadt versuche, durch gezielte Maßnahmen etwa entlang der Bachtäler für Verbesserung zu sorgen. Die Zahl der Stadtbäume habe ebenfalls zugenommen. Und dass am Bahnhofplatz kaum Bäume stehen, sei dem belasteten Untergrund geschuldet. Weil Wohnraum in der Stadt knapp ist, möchte das Rathaus verschiedene Möglichkeiten der Verdichtung im Innenbereich nutzen, im Gegenzug aber auch „qualifizierte Grünflächen“ schaffen. Den geplanten Neckaruferpark behalte die Stadt weiterhin „als konkreten Arbeitsauftrag“ im Blick. Den Lärm in der Innenstadt empfindet Ratzer als „ein bedrückendes Thema“. Hier wie beim Klimaschutz nahm der Stadtplaner auch die Bürger in die Pflicht, die durch ihr Verhalten manches positiv beeinflussen könnten. Den Einwand eines Anwohners der Grabbrunnenstraße, die Stadt solle dort etwa durch Tempokontrollen für Beruhigung und bessere Luftqualität sorgen, konterte OB Jürgen Zieger mit dem Hinweis, die Stadt kontrolliere dort regelmäßig. Und auch den Einwand aus dem Zuhörerkreis, der Abriss des Fußgängerstegs an der Frauenkirche sei „klimapolitischer Unfug“, wies Zieger zurück. Zur Zukunft der Bücherei gab es wenig Konkretes - alle drei Standorte, die in der Diskussion sind, halte die Verwaltung grundsätzlich für denkbar, erklärte Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht. Er sieht die Stadt mit ihrem Wohnraumversorgungskonzept auch auf einem guten Weg, wenn es gilt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Barbara Frey ist die Stimmenkönigin

Mit engagierter Arbeit hat sie sich die Anerkennung ihrer Mitbürger in der Innenstadt erworben - das wurde ihr nun in der Einwohnerversammlung bestätigt: Barbara Frey, die Vorsitzende des Bürgerausschusses, wurde mit 113 Stimmen zur Stimmenkönigin gekürt. Außerdem wurden folgende Mitglieder in den neuen Bürgerausschuss gewählt: Edda Höfer (110 Stimmen), Jonathan Scheschkewitz (107), Rolf Büscher (106), Joachim Blessing (105), Jörg Schall (103), Markus Kreitmeir (98), Jürgen Fuchs (98), Dagmar Bahr (95), Marie Poloczek (93), Frieder Weckermann (87), Andreas Henrich (86), Dirk Zimmermann (82), Wolfgang Schlotterbeck (76), Elisabeth Weber (76), Jörg Mai (74), Enrico Bosecke (71) und Stefan Greiner (61).

Nicht mehr zur Wahl angetreten waren Clemens Knoll, Lorenz Barmettler, Nicole Reed, Uta Kümmerle und Traute Scheuffelen. Traute Scheuffelen, die Vorsitzende des Geschichts- und Altertumsvereins, gehörte dem Ausschuss fünf Amtsperioden lang an.