Quelle: Unbekannt

Von Iris Koch

Unerschrockene Hexen, gruselige Teufel und allerhand schaurige Gestalten sind am Samstag in Berkheim eingefallen. Beim achten Nachtumzug schlängelten sich 2000 Hästräger aus der Region, aus Österreich, der Schweiz und dem Elsass in einem turbulenten Gaudiwurm durch die Straßen. Alle zwei Jahre findet die nächtliche Narretei statt, von den Berkheimer Fleggakaschber und der Freien Narrenzunft Berk-Hexa ins Leben gerufen.

In Scharen strömte auch das närrische Fußvolk nach Berkheim. Etwa 10 000 Schaulustige feierten in den Straßen, als die Maskierten trommelnd, trötend und Schabernack treibend vorbeizogen. Eingeläutet wurde das Fasnets-Spektakel am Mittag mit einer Narrenmesse in der katholischen Kirche St. Maria.

Entlang der Umzugsroute sammelten sich die Fasnets-Fans, so etwa in der „Berkheimer Kurve“ vor dem Hotel Linde. Dort heizte das launige Sprecherteam der Berk-Hexa, Cornelia Munz und Alexander Weinmann, die Stimmung an. „Mir sen des kleine Esslinger Dorf, das es emmer noch schaffd, a Fasnet auf die Beine zu stella“, teilte Munz einen Seitenhieb in Richtung Tal aus.

Hexen, Teufel und Dämonen trieben im Vorbeiziehen ihre derben Späße mit den Schaulustigen. Vor allem junge Mädchen mussten auf spontane Konfetti-Haarwäschen oder blitzartige Entführungsversuche gefasst sein. Die frech grinsenden Hohbarrer Deifel aus dem Elsass hatten einen „Abschleppwagen“ dabei, in dem sie die auserkorenen weiblichen „Opfer“ ein Stück weit mitnahmen.

Mit leuchtenden Accessoires wie grün oder rot glühenden Augen und farbigen Nasenringen hatten etliche Hästräger ihr Outfit für die Dunkelheit aufgepeppt. Manche Gruppen wie die Sirnauer Waldhäusleshexen führten einen Feuerkorb mit, aus dem lodernde Flammen schlugen. Mit einem rot leuchtenden und rauchenden Vulkan waren die Maskenträger der Narrenzunft Vulkania Aichelberg unterwegs.

Hoch hinaus ging es bei den Narren-Pyramiden. Immer wieder kletterten die Maskierten unter dem Jubel der Menge aufeinander und türmten sich zu waghalsigen Figuren. Die Berk-Hexa trumpften mit ihrer originellen Besen-Pyramide auf. Das eindrucksvollste akrobatische Gebilde zeigten am Ende des Zugs die Hilmahexa aus Dornstadt.

Guggenmusiken waren nicht nur aus der Umgebung, sondern auch aus Österreich und der Schweiz angereist. Mit Pauken und Trompeten ließen es unter anderem die Furzgugge aus Reinach und die barock ausstaffierten Konfettistampfer aus Solothurn krachen. In ihren himmelblauen, glitzernd besternten Kostümen machte die Lumpamusik Götzis eine gute Figur - und brachte auch nach dem Umzug das fröstelnde Publikum zum Mitgrooven.

Besonders freundlich wurden vom Sprecherteam die von weit her angereisten Gruppen begrüßt, so auch die österreichische Schliefer-Fasnatzunft Schwarzach. „Uns verbindet eine unglaubliche Freundschaft“, schwärmte Cornelia Munz, während die rot gewandeten Schliefer den Schaulustigen freundlich Bonbons in die Hand drückten.

Originell in Schale geworfen hatte sich auch das Publikum. In der Menge waren Außerirdische, Sträflinge oder Feen im Tüllröckchen zu sehen. Manche steckten in Tierkostümen oder hatten sich die Gesichter wild geschminkt. Als Kannibalin im Baströckchen war Susi Zachmann aus Berkheim erschienen. Eigentlich sei sie kein großer Fasnets-Fan, „aber mein Mann schleppt mich mit“. Der wiederum war als Wolf verkleidet, Töchterchen Leni als Rotkäppchen.

Während sich nach dem Umzug viele auf den Heimweg machten, ging die Sause für die passionierten Narren erst richtig los. Bis nach Mitternacht spielten in der Osterfeldhalle die Guggenmusiken auf. „Zeitweise mussten wir die Halle schließen, weil sie einfach voll war“, berichtete Marcel Ellinger, Medienbeauftragter der Flegga-Kaschber. Die Stimmung sei „bombastisch, aber friedlich gewesen“.

Am Rande des Umzugs kam es laut Polizei zur Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen. Drei wurden leicht verletzt, eine Person musste zur Untersuchung in eine Klinik.

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