Bei der Begehung der neuen ESNOS-Radtrasse mit interessierten Anwohnern demonstrierte Radler Alex die Fahrt über die Hindernisse. Foto: Dietrich Foto: Peter Dietrich - Peter Dietrich

Von Peter Dietrich

Esslingen - Am Sonntag ist es endlich so weit: Nach dreieinhalb Jahren Arbeit eröffnet die Radsportabteilung des TV Hegensberg beim Segelflugplatz die erste legale Mountainbike-Strecke Esslingens, die „Esslinger Nordschleife“ – kurz „EsNos“.

Schon einmal gab es eine Esslinger Nordschleife, doch sie war illegal und wurde geschlossen. Um eine legale Alternative zu bekommen, gründeten die Biker im April 2014 die Radsportabteilung des TV Hegensberg. Sie zählt inzwischen 160 Mitglieder, und deren Weg zur jetzigen Strecke war sehr lang. Aus mehreren Alternativen ging in Abstimmung mit dem Forstamt, mit Bürgerausschüssen und mit dem Schwäbischen Albverein schließlich die jetzige Strecke hervor. Vor der Eröffnung hat sie der TV Hegensberg den Anwohnern präsentiert. Die Abfahrt folgt einer früheren Stromtrasse und überwindet eine Höhendifferenz von 80 Metern. Anschließend müssen die Fahrer ihr Rad über einen steilen Weg wieder nach oben schieben. Das begrenze den Andrang, sagt Joe Reiser, Abteilungsleiter Radsport beim TVH. Denn manche Fahrer reisten bewusst zu Strecken, die über einen Lift verfügen.

Für den Bau brauchte der TV Hegensberg ein Artenschutzgutachten und ein Baumgutachten. Auf einer Breite von 60 Metern links und rechts der Strecke wurden Forstarbeiten und Artenschutzmaßnahmen durchgeführt. Sie dauerten 13 Tage, es waren bis zu sechs Mann im Einsatz. Es war kein Kahlschlag, der Besucher steht noch immer mitten im Wald. Die Fällarbeiten musste der Verein bezahlen, er zahlt auch an die Stadt, weil diese als Kompensation auf einer anderen Fläche die Bewirtschaftung einstellt.

„Der Verein hat 60 000 Euro investiert und bekommt dafür keine Zuschüsse“, sagte Reiser der kleinen Anwohnergruppe. Die Mitgliedsbeiträge reichen dafür natürlich nicht. Deshalb suche der Verein regionale Sponsoren, mache eine 14-tägige Spendenaktion „in ganz Mountainbike-Deutschland“, habe mit Bewirtungen und einem MTB-Basar Geld erwirtschaftet.

Sehr viel Eigenarbeit

Außerdem steckt in der neuen Strecke sehr viel Eigenarbeit. Dies erfordert viel Fachwissen: So muss, damit die Kurven und Hügel von Dauer sind, die Erdmischung stimmen. Der Verein ließ aus der näheren Umgebung Erde bringen und diese chemisch untersuchen. Sie war einwandfrei, doch dann kam die Hiobsbotschaft: Privatleute dürfen – anders als die Forstverwaltung – im Wald keine Fremderde ausbringen, egal wie zertifiziert sie ist. Also mussten die Erbauer ihre Erde direkt an der Strecke zusammenkratzen, die Erdhügel sind deshalb im Unterbau mit Holz gestreckt.

Ziel war eine Strecke, die der Fahrer ohne Treten und Bremsen bewältigen kann. An mehreren Stellen gibt es Varianten, je nach Können, auf der Karte am Einstieg sind sie wie Skipisten markiert. Auf die rote, naturbelassene Trail Line sollten sich nur Fortgeschrittene, auf den schwarzen Wall Ride am Schluss nur Experten wagen. Für Einsteiger gilt der „blaue“ Weg.

Die Hinweisschilder hat der Verein selbst angefertigt, sie warnen auch an der einzigen Kreuzung mit einem Spazierweg. Dort wird die Strecke ein Stück parallel zum Weg geführt, damit sich Biker und Spaziergänger gegenseitig sehen. Auch an Baustellenschilder ist gedacht, denn fortan ist der TV Hegensberg für den Unterhalt der Strecke zuständig. Zweimal im Jahr ist ein Baumgutachter vor Ort.
Die Strecke stehe allen offen, nicht nur Vereinsmitgliedern, sagte Reiser. Am Start informiert eine Tafel über die Regeln („Trail Rules“), zu denen eine Helmpflicht und ein Verbot von Umbauten gehören. Die Tafel steht auch am Streckenende. Denn es ist verboten, die Strecke bergauf zu fahren, das wäre extrem gefährlich.

  • Zu Beginn der Einweihung am Sonntag ab 13 Uhr gibt es nochmals eine Begehung. Nach den Grußworten beginnt der Fahrbetrieb, die Strecke ist ab dann für Fußgänger dauerhaft gesperrt. Sie ist auch nicht für Motorradfahrer und Reiter geeignet. Parkplätze gibt es am Segelflugplatz und auf dem Wanderparkplatz Katzenbühl. Der Einstieg ist am Waldbeginn südlich der Römerstraße.
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