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Werden Saisonkräfte in der Landwirtschaft ausgebeutet? Die Gewerkschaft IG Bau fordert Obst- und Gemüsebauern im Kreis Esslingen dazu auf, für faire Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Nordwürttemberg fordert die Obst- und Gemüsebauern im Kreis Esslingen dazu auf, für bessere Arbeitsbedingungen ihrer Saisonkräfte zu sorgen. „Gebückt, auf den Knien, oft im Regen oder in sengender Sonne – die Ernte ist harte Arbeit “, sagt der stellvertretende Bezirksvorsitzende der IG BAU Nordwürttemberg, Jürgen Ziegler, „die Menschen, die diese Jobs machen, müssen dafür auch ordentlich bezahlt und anständig untergebracht werden“.

Oft kommen die Saisonkräfte aus osteuropäischen Ländern, vorwiegend aus Rumänien. Aber auch aus Bulgarien, Polen, Kroatien und sogar zunehmend aus Zentralasien. Sie bleiben häufig drei Monate, oft aber auch länger. „Während dieser Zeit leben die Saisonkräfte in Unterkünften, die häufig ziemlich heruntergekommen sind. Trotzdem zahlen sie dafür oft eine hohe Miete“, so Jürgen Ziegler.

Überteuerte Mieten – Vom Mindestlohn bleibt oft nicht viel übrig

Auch die Verpflegung werde häufig vom Lohn abgezogen. Hinzu kommen die Transport- und Vermittlungskosten. „Unterm Strich bleibt für Saisonkräfte, die den gesetzlichen Mindestlohn verdienen, am Monatsende nicht mehr wirklich viel übrig“, kritisiert Ziegler. Die Arbeit auf dem Feld dürfe nicht zur Ausbeutung werden. Erntehelfer aus dem Ausland seien keine „Feldarbeiter 2. Klasse“, appelliert die Gewerkschaft.

Viele Betriebe suchen laut Gewerkschaft händeringend nach Erntehelfern. Foto: dpa

„Lohndrückerei verschärft verschlimmert Mangel an Arbeitskräften“

Der gesetzliche Mindestlohn von aktuell 12,82 Euro pro Stunde sei das Minimum, das Landwirte ihren Saisonbeschäftigten zahlen müssten, so Ziegler. „Alles darunter ist strafbar und ein Fall für den Zoll“, warnt er. Viele Betriebe suchen händeringend nach Arbeitskräften – vor allem auch nach Saisonkräften. „Jede Lohndrückerei wird den Mangel an Arbeitskräften noch verschlimmern“, so Ziegler. Die sei im Übrigen nicht angebracht, es passiere viel, wovon auch die Landwirte im Kreis Esslingen profitieren würden. Die Gewerkschaft verweist auf die geplante Senkung der Stromsteuer für die Landwirtschaft und die volle Rückvergütung beim Agrar-Diesel ab 2026.

Im Juli 2024 waren rund 190 kurzfristig Beschäftigte zur Erntesaison in der Landwirtschaft im Landkreis Esslingen im Einsatz, so die IG BAU Nordwürttemberg. Die Agrar-Gewerkschaft beruft sich dabei auf Angaben der Arbeitsagentur.