Der Windkraftausbau in Baden-Württemberg ist im vergangenen Jahr nur schleppend vorangekommen. Foto: picture alliance dpa/Rolf Haid

Um die bis 2040 angestrebte Klimaneutralität erreichen zu können, müsste der Südwesten beim Ausbau Erneuerbarer extrem Gas geben. 2021 ist das nicht passiert.

Stuttgart - Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg geht voran – allerdings nur sehr langsam. Wie die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (Plattform EE BW) errechnet hat, kamen im vergangenen Jahr 28 Windenergieanlagen im Land neu hinzu, während drei Anlagen außer Betrieb gingen. Damit nahm die Windenergiekapazität um 25 Anlagen und eine Leistung von gut 111 Megawatt zu. Bei der Fotovoltaik ging der Zubau sogar leicht zurück: 2021 kam weniger Solarleistung hinzu als im Vorjahr. Die Kapazität nahm um 596 Megawatt zu, das sind 22 Megawatt weniger als 2020 – nicht zuletzt, weil drei Megawatt, etwa sechsmal so viel wie im Vorjahr, vom Netz gingen. Die Zahlen basieren auf den Daten der Bundesnetzagentur und können sich noch leicht verändern.

„Bei der Energiewende im Südwesten geht es nur mit Trippelschritten voran anstatt mit Siebenmeilenstiefeln“, kritisiert Jörg Dürr-Pucher von der Plattform EE BW. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssten aber bis 2030 jährlich im Schnitt rund 100 neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 530 Megawatt errichtet werden, fordert die Plattform. Die Leistung der Fotovoltaik müsste bis 2030 um 2000 Megawatt jährlich zunehmen.

Bei Wasserkraftwerken, Biogas- und Holzenergieanlagen sowie der Geothermie habe es 2021 keinen nennenswerten Ausbau gegeben, so die Plattform EE BW. Dabei seien gerade diese nichtvolatilen Erneuerbaren für die Versorgungssicherheit relevant und sollten ebenfalls zugebaut werden. Wie volatil Erneuerbare sein können, zeigt das Jahr 2021: Der Ökostromanteil aus Fotovoltaik- und Windenergieanlagen im Land ging um 8,6 Prozent zurück – Grund waren vor allem die schlechten Windverhältnisse an Land.

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Die Plattform hatte im Oktober eine Studie veröffentlicht, wie Baden-Württemberg bis zum Jahr 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zum Referenzjahr 1990 um 65 Prozent senken und bis 2040 klimaneutral werden könnte. Eine besondere Rolle spielt dabei Strom, da Elektrizität vor allem in den Bereichen Wärme und Verkehr fossile Energie ersetzen soll und der Bedarf entsprechend um fast 50 Prozent steigen wird. Als wichtigste Ökostromquelle sieht die Studie dabei die Fotovoltaik an: Bis zum Jahr 2040 soll sie 40 Prozent des Strombedarfs decken, was eine Verdreifachung des Ausbautempos bedingt. Auf Windstrom würden dann 27 Prozent des Bruttostromverbrauchs entfallen – bisher sind es vier Prozent.

Die Plattform EE BW ist die Dachorganisation von Verbänden, Unternehmen und Forschungsinstituten der Branche im Land.