Nach einer Attacke auf zwei Frauen und zwei Kinder in Filderstadt kommen weitere mögliche Taten des Mannes ans Licht. Der psychisch auffällige 27-Jährige ist in Haft.
Große Aufregung am Freitag in Filderstadt: Ein Mann soll am Morgen nahe der Saarstraße zwischen Plattenhardt und Bonlanden erst zwei Sechstklässler angegriffen – einen Jungen hat er geschlagen, den anderen wollte er vom Fahrrad stoßen – und kurz darauf zwei Frauen zu Boden gestoßen haben. Die 38 und 55 Jahre alten Frauen erlitten nach Angaben der Behörden einen Armbruch und Hämatome am Kopf und mussten in einer Klinik behandelt werden. Der Angreifer – verdächtig ist ein 27-Jähriger, der in Filderstadt lebt – konnte flüchten, wurde dann aber von der Polizei festgenommen. Der mutmaßliche Täter und die Opfer haben sich wohl nicht gekannt.
Das Besondere an dem Vorfall: Die Stadtverwaltung Filderstadt hat ihn noch vor der Polizei öffentlich gemacht und eine Pressemitteilung verschickt, der Oberbürgermeister Christoph Traub hat den Text zudem über seine Social-Media-Kanäle geteilt. Der Grund für die Flucht nach vorne: Der Mann hat nach Angaben aus dem Rathaus in Filderstadt schon längere Zeit ein problematisches Verhalten an den Tag gelegt.
„Alles Erdenkliche getan“: Stadt Filderstadt wollte Bevölkerung vor Verdächtigem schützen
Christoph Traub bestätigte noch am Freitag, dass der Mann in der jüngeren Vergangenheit mehrfach auffällig geworden sei, „aber nicht in dem Ausmaß wie heute“. In der Mitteilung las man weiter: „Die Stadt hat in der jüngeren Vergangenheit alle rechtlichen und gesetzlichen Möglichkeiten ausgeschöpft, die Bevölkerung zu schützen.“ Die Polizei sei involviert gewesen, das Ordnungsamt habe Platzverweise und Annäherungsverbote ausgesprochen. Sogar die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie sei angestrebt worden, ein medizinisches Gutachten habe dies jedoch abgelehnt. Man habe „alles Erdenkliche getan“, teilte die Stadt mit.
Am Montag sind weitere Details bekannt geworden. Demnach steht der Täter, ein psychisch auffälliger 27-Jähriger mit deutsch-türkischer Staatsangehörigkeit, im dringenden Verdacht, bereits am Tag zuvor Straftaten verübt zu haben. Demnach soll er am späten Donnerstagabend an einer Bushaltestelle in Stetten eine 24-Jährige durch Schläge verletzt und ihr 20 Euro gestohlen haben. Nur wenige Minuten später soll der Mann mit einem roten VW Polo – möglicherweise absichtlich – auf einen auf der Schönbuchstraße befindlichen 57 Jahre alten Radler aufgefahren und dann geflüchtet sein. Der Radfahrer wurde beim Sturz leicht verletzt.
Haftbefehl erlassen: Ermittlungen gegen Verdächtigen laufen weiter
Der Verdächtige ist nach den Angriffen vom Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft bereits am Samstag der zuständigen Haftrichterin vorgeführt worden, die wegen Raubes in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung einen Haftbefehl erließ und in Vollzug setzte. Die Ermittlungen der Kripo dauern derweil an. Geprüft wird dabei auch, ob der Mann noch für weitere Straftaten verantwortlich sein könnte.
Christoph Traub hat schon am Freitag deutlich gemacht, dass er die gesetzlich möglichen Maßnahmen für unzureichend hält und dass er bereits vor Monaten einen Dialog mit Kommunen, Landkreis und Ministerien angestoßen hat, um „auf die zunehmenden Herausforderungen in der medizinischen Behandlung und Betreuung psychisch erkrankter Menschen aufmerksam zu machen und gemeinsam geeignete Maßnahmen zu ergreifen“.