1992 wurde der kosovo-albanische Arbeiter Sadri Berisha Opfer eines rassistisch motivierten Mordes. Menschen in Ostfildern wünschen sich ein Mahnmal.
Mit Gedenkveranstaltungen auch vor dem Rathaus erinnert eine Initiative aus Ostfildern bis heute den Mord an Sadri Berisha im Jahr 1992 im Stadtteil Kemnat. In der jüngsten Sitzung des Ostfilderner Gemeinderats mahnte ein Vertreter der Gruppe in der Bürgerfragestunde ein Mahnmal für Berisha an, der Oper einer rassistisch motivierten Straftat geworden war. Das gehöre für sie zur Erinnerungskultur in der Stadt, betonte die Initiative.
Konkrete Pläne für ein Mahnmal gebe es bislang noch nicht, sagte Oberbürgermeister Christof Bolay in der Sitzung des Gemeinderats im Stadthaus. Er signalisierte jedoch Gesprächsbereitschaft mit der Gruppe, die sich nun mit dem OB treffen will. Bolay verwies darauf, dass auf den Seiten der Stadt eine ausführliche Gedenkseite zu finden ist, die an die damaligen Ereignisse, die überregional Aufsehen erregt hatten, erinnert.
„Spuren im kollektiven Gedächtnis“
Der Mord hatte sich in der Nacht auf den 8. Juli 1992 in einer Unterkunft für jugoslawische Bauarbeiter in Kemnat ereignet. Dabei war der 55-jährige kosovo-albanische Gastarbeiter Sadri Berisha Opfer eines tödlichen Anschlags von Neonazis geworden. Er hinterließ eine Frau und drei Kinder. „Diese Tat hat tiefe Spuren im kollektiven Gedächtnis der Stadt Ostfildern hinterlassen“, schreibt Stadtarchivar Jochen Bender auf den Seiten des Stadtarchivs.
Sadri Berisha lebte und arbeitete bis zu seinem gewaltsamen Tod 21 Jahre lang in Deutschland. Er war nach Benders Worten als ruhiger und fleißiger Mensch bekannt und arbeitete bei einer Tiefbaufirma in Ostfildern. Ein großer Teil seines Verdienstes sei an seine Familie in seiner Heimat gegangen. Berisha wurde von seinen Kollegen und Bekannten als freundlicher und geselliger Mensch beschrieben. „Sein plötzlicher und tragischer Tod hinterließ eine tiefe Lücke bei seiner Familie und in der Gemeinschaft“, schreibt der Stadtarchivar. Der Arbeitskreis Asyl und die Initiative gegen Ausländerfeindlichkeit hatten Spenden gesammelt, um eine Traueranzeige zu ermöglichen und um die Familie zu unterstützen.