Smudo von den Fantastischen Vier hat die Corona-App Luca mitentwickelt. Foto: dpa/Christian Charisius

Ums Geldverdienen, sagt Smudo, geht es ihm nicht. Vielmehr soll die Corona-App Luca, die der Rapper mitentwickelt hat, Kultur wieder möglich machen. Stefan Brink, der Datenschutzbeauftragte des Landes, ist voll des Lobes für die Neuerfindung

Stuttgart - Als „klugen und innovativen Ansatz“ bei der Pandemiebekämpfung stuft Stefan Brink, der Landesdatenschutzbeauftragte, die Corona-App der Fantastischen Vier ein. Unter dem Namen Luca macht diese Neuentwicklung seit Tagen Schlagzeilen. Sie soll helfen, den Lockdown zu lockern, indem sie die Kontaktverfolgung durch Gesundheitsämter stark erleichtert. Konzerte, Gastrobesuche, Sportveranstaltungen, aber auch private Treffen wären dann wieder möglich – etwa in Kombination mit Schnelltests.

Bereits 100 000 Downloads trotz des Lockdowns

Im Dezember kam die App Luca (der Name steht für Life, United, Culture und Access, kurz: für das gesellschaftliche Leben) auf den Markt. Smudo und Michi Beck von den Fantas sind nicht nur die Botschafter der Neuerfindung, sondern sie haben sich auch bei der technischen Entwicklung gemeinsam mit ihrem Kumpel Patrick Hennig aktiv beteiligt.

„Trotz des Lockdowns haben wir bereits 100.000 Downloads“, sagt Hennig gegenüber unserer Zeitung. Der Chef der Berliner Forschungsfirma Nexenio rechnet damit, dass diese Zahlen „massiv in die Höhe gehen, sobald es Öffnungen gibt“.

„Wir wollen, dass Kultur bald wieder möglich wird“

In Kürze treffen sich die Luca-Betreiber in Stuttgart mit dem baden-württembergischen Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne), um über eine finanzielle Förderung des Landes zu reden. Für die Nutzer ist die App kostenlos, die keine Konkurrenz zur Corona-App der Bundesregierung sein will, weil sie „etwas ganz anderes“ sei, so Hennig. Luca mache die bisherige „Zettelwirtschaft“ von Dienstleistern mit schlecht lesbaren, falschen oder unvollständigen Daten überflüssig. Ums Geldverdienen, betont Rapper Smudo, gehe es ihm dabei nicht. Vielmehr wolle man man erreichen, „dass Kultur bald wieder möglich wird“.

Bei einem positiven Corona-Schnelltest, der sonst womöglich gar nicht vom Gesundheitsamt registriert würde, können laut Hennig die Nutzer auch selbst ihre Kontakte weiterleiten, indem sie die Daten für die Behörde verschlüsselt freigeben.

„Damit können Infektionsketten schneller gestoppt werden“

Keiner muss mit Luca Zettel ausfüllen, wenn er etwa Restaurants besucht – Zettel, die dann in einen Schuhkarton landen. Über einen sich ständig verändernden QR-Code kann man sich vor Ort registrieren. Luca bietet die Volldigitalisierung der Dokumentationspflicht. Die Daten können, sofern ein Infektionsfall bekannt wird, nur von den Gesundheitsämtern genutzt werden – und zwar nach wenigen Minuten. Für den Betreiber und die Nutzer sind diese Daten verschlüsselt.

„Die App bietet ohne Verstoß gegen Datenschutz-Richtlinien die technische Möglichkeit, Infektionsketten schneller zu stoppen“, erklärt der Datenschutzbeauftragte Brink. Damit könnten weitere Lockdowns vermieden werden.

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