Hansgrohe gelingt in China ein Schlag gegen Fälscher: Eine monatelange Detektivarbeit deckt ein Netzwerk auf, das gefälschte Produkte im Wert von 360.000 Euro herstellte.
Dem baden-württembergischen Mittelständler Hansgrohe aus Schiltach (Kreis Rottweil) ist ein Schlag gegen dreiste Fälscher gelungen. In China hat der Armaturen- und Brausenhersteller, der für seine Marken Hansgrohe und Axor bekannt ist, eine Fälscherwerkstatt aufgedeckt. Eine monatelange Detektivarbeit zahlte sich aus.
Die Mitarbeiter eines chinesischen Hansgrohe-Tochterunternehmens wurden stutzig, als sie das günstige Onlineangebot der vermeintlichen Hansgrohe-Wasserhähne sahen. Bei näherer Betrachtung war schnell klar: Wo Hansgrohe oder Axor draufstand, handelte es sich nicht um das Original, sondern um eine Fälschung.
Hansgrohe geht gezielt gegen Fälscher vor
Das Unternehmen, das schon seit Jahren konsequent gegen Fälscher vorgeht, beauftragte dann verdeckt ermittelnde Partner, um Beweise zu sammeln. Die bestellten unter anderem die Fake-Produkte, schickten sie zurück, verfolgten die Retouren und konnten letztlich die Lagerhallen des Fälschernetzwerks lokalisieren.
Der Aufwand war enorm, doch am Ende gab es einen Erfolg: Nachdem genügend Beweise gesammelt waren, gab es Razzien durch die zuständige chinesische Behörde, das Kaiping Public Security Bureau, in zwei Fälscherhöhlen und Lagerhäusern in Jiangmen City in der Provinz Guangdong. Dort stapelten sich Fälschungen von Hansgrohe-Produkten – unter anderem gefälschte Armaturen, Duschbrausen und Verpackungen – sowie solcher weiterer internationaler Sanitärhersteller. Die Fälschungen wurden beschlagnahmt, drei Hauptverantwortliche verhaftet und strafrechtliche Schritte eingeleitet, wie Hansgrohe mitteilte. Der Warenwert vergleichbarer Originalprodukte von Hansgrohe lag bei diesem Fund bei rund 360.000 Euro. Der symbolische Schmähpreis, der Plagiate anprangert und im Februar bei der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente verliehen wurde, ging an die Fälscherbande nach China.
Der gesamte Schaden durch Produkt- und Markenpiraterie liegt bei dem Bad- und Küchenspezialisten aus dem Schwarzwald deutlich höher und entspricht nach eigenen Angaben fünf bis zehn Prozent des weltweiten Umsatzes von knapp 1,4 Milliarden Euro.
„Heute arbeiten Fälscher hauptsächlich auftragsbezogen in Kleinstmengen. Die Ware gelangt über Onlineplattformen in den Handel oder wird direkt zum Endkunden geliefert“, sagt Carmen Vetter, Leitung Schutzrechte bei Hansgrohe. Gefälschte Sanitärprodukte seien ein Sicherheitsrisiko. Minderwertige Materialien könnten Schadstoffe oder Schwermetalle ins Wasser abgeben. Der Branche entstehe ein enormer wirtschaftlicher Schaden.
Auch Stihl und Mercedes sind nicht vor Fälschern gefeit
Fälschungen sind kein Kavaliersdelikt. Ob Möbel, Werkzeug, Motorsägen oder Autoteile, ob Unternehmen wie Stihl oder Mercedes, viele Firmen sind davon betroffen. Der Schaden für die deutsche Volkswirtschaft geht in die Milliarden.
Im Jahr 2024 wurden an den EU-Außengrenzen und im EU-Binnenmarkt insgesamt mehr als 112 Millionen gefälschte Artikel mit einem geschätzten Wert von etwa 3,8 Milliarden Euro beschlagnahmt, so die Europäische Kommission und das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO). Den internationalen Handel mit Fälschungen bezifferten EUIPO und OECD für 2021 auf alarmierende 467 Milliarden Dollar (gut 392 Milliarden Euro), was 2,3 Prozent des Welthandels entspricht. Und das sind nur die nachweislichen Aufgriffe von Zoll- und Polizeibehörden. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt.
Rund 95 Prozent der gefälschten Hansgrohe-Produkte stammen nach Angaben des Unternehmens aus China. Der Markt sei gleichzeitig Produktions- und Absatzort. Auf Plattformen wie Taobao oder WeChat fänden Fälscher Reichweite, leichte Abwicklung und Anonymität. Die rechtliche Lage sei komplex. Fälscher nutzen KI-Tools, um Marketinginhalte nah am Original zu erstellen sowie eigene IP-Anmeldungen, um Originalhersteller zu blockieren.
Hansgrohe will mit einem fälschungssicheren Label in Form eines eigenen QR-Codes für jedes Einzelprodukt nun seine Kunden in China zusätzlich schützen. Per App können diese ihre gekauften Produkte künftig verifizieren und registrieren. Razzien und Ermittlungen wie in China seien in Deutschland eher selten. „Hier sind es aktuell eher Patentverletzungen, wobei man sich häufig mit der Gegenseite außergerichtlich einigen kann“, sagt Carmen Vetter.
Das Unternehmen Hansgrohe wird in diesem Jahr 125 Jahre alt und hat weltweit rund 5600 Beschäftigte, davon rund 60 Prozent in Deutschland.