Erfolgreiche Weinmacher: Sven und Yvonne Ellwanger, Hansjörg und Matthias Aldinger, Lukas Ellwanger, Aaron Schwegler, David Siegloch und Moritz Haidle (von links) wurden für die Früchte ihrer Arbeit im Wengert und Weinkeller ausgezeichnet.Foto: Jan Potente Foto:  

Beim Deutschen Rotweinpreis der Zeitschrift „Vinum“ gelingt den Weingütern aus dem Remstal ein außergewöhnlicher Erfolg: Neun Top-Platzierungen, vier davon auf Platz eins.

Blind verkostet, bewertet und für hervorragend befunden: Beim Deutschen Rotweinpreis 2025 haben die Winzerinnen und Winzer aus dem Remstal einen historischen Erfolg gefeiert. In den zehn Wettbewerbskategorien landeten neun Weine aus sechs Weingütern unter den besten drei, vier davon auf Platz eins. Und mit dem „Granat“ vom Weingut Albrecht Schwegler in Korb stellt das Remstal auch noch den „Rotwein des Jahres“ – ein Rekord in 38 Jahren Wettbewerbsgeschichte.

Der Deutsche Rotweinpreis der Zeitschrift Vinum gilt seit Jahrzehnten als ein Gradmesser für die deutsche Rotweinkultur. In diesem Jahr stellten sich 1254 Weine der Blindverkostung durch eine 30-köpfige Jury unter Leitung von Chefredakteur Harald Scholl. „Der Rotweinpreis ist das Barometer des deutschen Rotweins“, sagte Scholl bei einer kleinen Feier im Weingut Schwegler in Korb. „2025 zeigt, dass die Stärke unserer Weine in der Klassik liegt – in Balance, Herkunft und handwerklicher Präzision.“

Verkostet wurde anonym: Jede Flasche war codiert, blickdicht verpackt, Etiketten und Kapseln entfernt. Erst nach den Finalrunden und abschließenden Bewertungen wurden die Flaschen aufgedeckt – mit einem Ergebnis, das so eindeutig ausfiel wie selten zuvor.

Granat aus Korb ist Rotwein des Jahres

Als die Hüllen fielen, war klar: Der große Sieger kommt aus dem Remstal. Der „Granat 2020“ vom Weingut Albrecht Schwegler überzeugte die Jury mit Tiefe, Eleganz und Präzision – und wurde nicht nur Sieger in der Kategorie Cuvées, sondern auch zum „Rotwein des Jahres“ gekürt.

Die Stars der Feier in Korb Foto: Jan Potente

„Für uns ist der Granat ein Stück Herkunft und Handwerk zugleich“, sagte Aaron Schwegler, der das Weingut gemeinsam mit seiner Frau Julia führt. „Wir behandeln jede Parzelle einzeln im Keller, um ihrer Herkunft gerecht zu werden und das Terroir zu respektieren. Es geht uns nicht darum, Trends zu folgen, sondern das Beste aus jedem Jahrgang herauszuarbeiten.“

Im Weinkeller unterscheidet Aaron Schwegler zwei Phasen: Zuerst entscheide sich, in welche Fässer die einzelnen Partien kommen – danach folgt das Cuvettieren. „Das ist für mich wie Malen“, sagt er. „Wie Farben zu mischen, um eine neue Komponente einzubringen und den Wein als Ganzes zu vollenden.“ Bis zu fünf bis sieben Durchgänge brauche es, bis die Komposition stimme.

Der Granat hat Geschichte: Seine Eltern Albrecht und Andrea Schwegler schufen ihn Anfang der 1990er Jahre – als eine der ersten hochwertigen Rotwein-Cuvées Deutschlands überhaupt. „Sie haben den Bordeaux-Gedanken ins Remstal gebracht und etwas Eigenes daraus gemacht“, so Schwegler. „Heute ist der Granat für uns kein Experiment mehr, sondern eine Haltung.“ Das Resultat, so Vinum-Chefredakteur Scholl, sei ein „moderner Klassiker, der zeigt, wie souverän deutsche Rotweine heute auftreten“.

Auch in der prestigeträchtigen Kategorie Spätburgunder führte kein Weg am Remstal vorbei. Das Weingut Aldinger aus Fellbach gewann in der Kategorie ab 40 Euro mit dem Fellbacher Lämmler Kaiser Spätburgunder VDP.Großes Gewächs (95 Punkte).

„Wir freuen uns, dass unser Spätburgunder die Spannung und Präzision zeigt, die wir anstreben“, sagte Mathias Aldinger. „Die Lage bringt Kühle, Kraft und Tiefgang zugleich.“

In der Preisklasse bis 39,99 Euro holten die Geschwister Yvonne und Sven Ellwanger vom Weingut Bernhard Ellwanger in Großheppach mit dem Großheppacher Steingrüble Spätburgunder 2022 SL den dritten Platz (94 Punkte). Scholl lobte die „feine Tanninstruktur und klare Linie“ der Remstäler Spätburgunder: „Weine mit Griff – kraftvoll, aber ohne Speckpanzer.“

Remstäler holen Lemberger-Triple

Auch beim Lemberger bewiesen die Remstäler ihre besondere Stärke. Das Weingut Karl Haidle aus Kernen-Stetten sicherte sich mit dem Stettener Berge Lemberger 2023 VDP.Großes Gewächs den ersten Platz (95 Punkte) und ergänzte ihn mit dem Stettener Häder Lemberger 2023 auf Rang 3 (94 Punkte). Dazwischen landete Aldinger mit dem Fellbacher Lämmler Lemberger VDP.GG (94 Punkte) auf Rang 2. „Wir wollten zeigen, dass Lemberger auch Spannung und Feinheit kann“, sagte Moritz Haidle, sein persönlicher Favorit ist der „Häder“. Hansjörg Aldinger betonte: „Der Lemberger ist für uns die Sorte, mit der wir uns am meisten identifizieren. Er hat Kraft, aber auch diese feine, kühle Linie. Scholl nannte das Ergebnis „ein starkes Statement für eine Rebsorte, die wie kaum eine andere das Remstal prägt“.

In der Kategorie Cabernet-Familie setzte sich das Weingut Siegloch aus Winnenden mit dem Cabernet Franc Réserve 2019 (95 Punkte) durch – ein Wein, der internationale Klasse zeigt. „Wir wollten einen eleganten Wein, der Frische und Konzentration verbindet“, sagt David Siegloch über den Wein, gewachsen auf Muschelkalk in der Steillage „Zuckerle“ in Bad Cannstatt. Ausgebaut wird der Cabernet Franc im Remstal mit wenig Eingriffen und viel Geduld.

Beim Syrah überzeugte erneut Bernhard Ellwanger mit dem Großheppacher Wanne Klingenberg Syrah 2022 SL (94 Punkte). Yvonne Ellwanger kam durch einen mehrmonatig Aufenthalt in Australien überhaupt erst auf die Sorte – dort heißt sie Shiraz –, baut sie im Remstal aber im feinen, europäischen Syrah-Stil aus: mit Frische, Würze und Spannung statt Wucht.

Beim Trollinger, der in der Kategorie „deutsche Klassiker“ verkostet wurde, erreichte Lukas Ellwanger vom Weingut Doreas in Remshalden-Grunbach mit seinem Trollinger 2023 trocken (92 Punkte) den zweiten Platz. „Wir wollten zeigen, was Trollinger kann – als Qualitätssorte mit Charakter, nicht als Massenträger“, so Ellwanger.

„Herkunft, Präzision Handwerk“

Harald Scholl sprach am Ende von einem „Sieg der Klassik“ – von Weinen, die Herkunft, Präzision und Handwerk vereinen. Das Remstal habe gezeigt, dass es nicht nur in der Breite, sondern auch in der Spitze Maßstäbe setze: „Zeigt mir eine andere Region, die so geschlossen abräumt.“