Schafe weiden unter den Photovoltaikmodulen – auch im geplanten Solarpark an der B 312 gehört das zum Konzept. Foto: Elke Hauptmann

Für die Energiewende wird zunehmend auf Freiflächen-Photovoltaik entlang großer Straßen gesetzt. Die Stadtwerke Tübingen wollen ein solches Projekt im Kreis Esslingen umsetzen. Ende 2026 könnten die 1830 Paneele ans Netz gehen.

Die grün-schwarze Landesregierung möchte deutlich mehr Flächen an Bundes- und Landesstraßen für die solare Stromerzeugung nutzen. Um die Energiewende voranzubringen, sollen auf den sogenannten Innenohren von Zu- und Abfahrten Freiflächen-Photovoltaikanlagen entstehen. Im Kreis Esslingen nimmt ein solches Projekt nun konkrete Formen an.

Die Stadtwerke Tübingen planen den Bau eines Solarparks an der Bundesstraße 312 zwischen Neckartenzlingen und Bempflingen. Wie Ulrich Schermaul, der Sprecher des Unternehmens, mitteilt, sollen in den beiden Grüninseln der Ausfahrt Weidach mehrere Modulreihen mit insgesamt 1830 Paneelen aufgestellt werden. Natürlich so, dass sie den Autofahrern die Sicht nicht versperren. Deshalb soll auch nicht die gesamte Fläche – alles in allem sind es 1,4 Hektar – vollgestellt werden. Die endgültige Anordnung der Module steht jedoch noch nicht fest, heißt es.

Strommenge reicht für 300 Vier-Personen-Haushalte

Die Stromerzeugungsmenge dieser Freiflächen-Photovoltaikanlage liegt pro Jahr bei rund 1200 Megawattstunden, berichtet Schermaul. Damit könnten – bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden jährlich – etwa 300 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden. Der erzeugte Ökostrom soll in das Netz des Stromversorgers FairNetz bei Neckartenzlingen eingespeist werden.

Vorbild für Neckartenzlingen: der Solarpark der Stadtwerke Tübingen in den „Lustnauer Ohren“ an der B 27. Foto: Stadtwerke Tübingen

Zum Schutz und zur Pflege von Boden, Natur und Landschaft ist laut Schermaul eine Zaunbegrünung eingeplant. Auch eine Beweidung durch Schafe – so wie bei den beiden Freiflächenanlagen der Stadtwerke an der B 27 bei Tübingen – könne man sich vorstellen. „Das bedarf dann aber noch einer genauen Prüfung“, räumt Schermaul ein.

„Geplant ist der Baustart im ersten Halbjahr 2026“, sagt der Sprecher der Stadtwerke Tübingen. Die Inbetriebnahme sei bis spätestens Ende nächsten Jahres geplant. Der Aufbau der Module ginge schnell über die Bühne, doch im Vorfeld gebe es noch viel zu tun.

So muss das Projekt, dessen Kosten die Stadtwerke Tübingen auf rund eine Million Euro beziffern, einige genehmigungsrechtliche Hürden überwinden. Notwendig ist nämlich die Aufstellung eines Bebauungsplans durch die Gemeinde. Der liegt im Entwurf vor, nun folgt die Beteiligung der Öffentlichkeit. Das parallel dazu erforderliche Änderungsverfahren für den Flächennutzungsplan soll im Mai dieses Jahres abgeschlossen werden, heißt es seitens der Gemeinde.

Auch in Kirchheim ist ein Solarpark im Gespräch

Ein weiterer großer Solarpark könnte an der Autobahn 8 bei Kirchheim unter Teck entstehen. Der Verband Region Stuttgart hat dafür ein Areal von etwa 3,7 Hektar südlich der ICE-Trasse zwischen den Ausfahrten Kirchheim-Ost und Aichelberg als geeignet befunden. Etwas mehr als die Hälfte der Fläche befindet sich im Besitz der Deutschen Bahn, zwei kleine Teile gehören der Stadt Kirchheim und der Autobahn GmbH. Der Rest ist in privater Hand und verteilt sich wiederum auf zwölf Eigentümer. Momentan werden die Flächen landwirtschaftlich genutzt.

Zwei Projektentwickler haben Interesse signalisiert

Nach Angaben der Stadt Kirchheim haben zwei mögliche Investoren Interesse bekundet, auf dem im Gewann „Lange Hecke“ in Jesingen gelegenen Grundstück eine Freiflächen-Photovoltaikanlage zu realisieren. Als nächster Schritt ist ein Verfahren zur Auswahl eines Projektierers geplant. Der könnte dann einen Bauantrag bei der Stadt stellen. Aufgrund der Lage in einem Außenbereich wäre, anders als in Neckartenzlingen, kein Bebauungsplan für die Umsetzung des Vorhabens notwendig.