Beliebte Wärmepumpen: Immer mehr Hauseigentümer setzen auf zukunftssichere Heiztechnik. Foto: dpa/Silas Stein

Viele private Hauseigentümer wollen ihre alten Öl- oder Gasheizungen ersetzen – nicht nur wegen der steigenden Energiepreise. In den Blick rücken deshalb umweltfreundliche Alternativen. Die Klimaagentur des Landkreises Esslingen verzeichnet einen enormen Beratungsbedarf.

Im Moment sei „Land unter“, sagt Florian Hoffmann, der Geschäftsführer der Klimaschutzagentur des Landkreises Esslingen. Das Wissen der Energieberater ist gefragter denn je: Der Ukraine-Krieg, das geplante Ölembargo, die Drosselung russischer Gasimporte, exorbitant steigende Energiepreise – das alles verunsichert Hauseigentümer. „Die Nachfrage nach Ökowärme wächst rapide“, stellt Hoffmann fest. Das sei bei privaten Neubauten schon lange so und gelte nun auch für Bestandsimmobilien.

Täglich gingen bei den Experten vier bis fünf Anfragen von Eigentümern älterer Gebäude ein, die sich über Alternativen zur Öl- und Gasheizung informieren wollen. Dabei rücken vor allem Wärmepumpen in den Blick. Diese werden nach Einschätzung von Hoffmann eine tragende Rolle bei der Energiewende spielen.

Denn Wärmepumpen brauchen kein Öl, keine Kohle, kein Gas. Sie ziehen die Wärmeenergie einfach aus der Umgebung: Die Sole-Wasser-Wärmepumpen aus dem Erdreich, die Luft-Wasser-Variante aus der Luft und die Wasser-Wasser-Wärmepumpe aus dem Grundwasser. „In vielen Fällen ist die Wärmepumpe eine gute Wahl. Vor allem, wenn sehr effiziente Modelle eingesetzt werden, das Gebäude gedämmt und das Heizsystem mit Solarenergie kombiniert wird“, erläutert Florian Hoffmann.

Run auf die Anlagen

Die umweltfreundliche Technik boomt: Nach Angaben des Bundesverbandes Wärmepumpe wurden im vergangenen Jahr in Deutschland rund 154 000 Wärmepumpen als Heizungsanlage verkauft – so viele wie nie zuvor. Und der Trend hält an: Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres sind 35 Prozent mehr Wärmepumpen verkauft worden als im Vorjahreszeitraum. Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland drei Viertel der Wohngebäude noch über eine zumeist in die Jahre gekommene Öl- oder Gasheizung verfügen, dürfte der Run auf die Anlagen noch lange anhalten.

Wer sich jetzt das erste Mal mit der Anschaffung der umweltfreundlichen Technik beschäftigt, muss allerdings viel Geduld aufbringen. Mit allgemeinen Infos können die Esslinger Experten zwar schnell dienen, auf einen kostenlosen Erstberatungstermin bei der Klimaschutzagentur des Kreises aber müsse man fünf Monate warten, räumt der Geschäftsführer ein. Mit 3,5 Vollzeitstellen sei leider nicht mehr möglich.

Zwar werde die Agentur durch Energieberater des Netzwerks unterstützt, aber Honorarkräfte zu finden, sei derzeit ziemlich schwierig. Die ausgewiesenen Experten in Esslingen und dem Umland sind laut Hoffmann ebenfalls „sehr gut ausgelastet“. Dennoch habe die gemeinnützige Gesellschaft, die im Januar des Jahres den Regelbetrieb aufgenommen, schon viel geleistet, meint ihr Geschäftsführer. Seither gab es allein für Privatpersonen 542 Beratungen – telefonisch, per Mail oder persönlich.

Staat fördert Anschaffung

Die Verbraucher würden sich in den Gesprächen vor allem nach Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen erkundigen, berichtet Hoffmann. Das mag auch daran liegen, dass beides vom Staat gefördert werde. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) beispielsweise vergibt einen Zuschuss von 35 Prozent der förderfähigen Kosten einer Wärmepumpe. Tauscht man im Bestand eine Ölheizung gegen eine Wärmepumpe aus, sind es sogar 45 Prozent der förderfähigen Kosten.

Doch was ist überhaupt machbar? Wärmepumpen seien nicht für jeden die beste Lösung, weiß der Experte Florian Hoffmann. „Das hängt vom energetischen Zustand des Gebäudes ab.“ Entscheidend sei die Vorlauftemperatur der Heizung. „Je geringer sie ist, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe und umso weniger Strom wird verbraucht.“ Eine geringe Vorlauftemperatur – als ideal gelten 50 Grad Celsius – lasse sich erreichen, wenn das Haus gut gedämmt sei und möglichst eine Fußbodenheizung habe. Vorteilhaft wäre es auch, wenn ein Pufferspeicher und Solarthermie vorhanden wären. „Viele Dinge müssen zusammenpassen.“ Im Altbau sei es zwar schwierig und aufwendig, aber nicht unmöglich, vernünftige Vorlauftemperaturen zu erreichen, sagt der Fachmann Hoffmann.

Lange Wartezeiten bei Firmen

Wer sich für eine Wärmepumpe entschieden hat, kann in der Regel trotzdem nicht gleich damit rechnen. „Wir sind total ausgebucht“, sagt Sven Deuschle, Geschäftsführer der Esslinger Heizungs- und Sanitärfirma, und spricht damit für viele Kollegen. „Die Nachfrage ist seit dem Ukraine-Krieg explodiert.“ Von der Planung bis zum Einbau müssten Kunden des Familienbetriebes mit einem Jahr Wartezeit rechnen.

Eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht. Denn die Bundesregierung will bei der Installation neuer Heizungsanlagen aufs Tempo drücken. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte im Januar unter anderem das Ziel der installierten Wärmepumpen in Deutschland bis zum Jahr 2030 von vier auf sechs Millionen erhöht. Zudem soll schon ab dem Jahr 2024 jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Klimaschutzagentur des Landkreises Esslingen

Gründung
Der Landkreis Esslingen, die sechs großen Kreisstädte sowie der Kommunale Klimaschutzverein Landkreis Esslingen, dem 28 Kommunen angehören, haben zum 1. September 2021 eine Klimaschutzagentur gegründet. Das Ziel der gemeinnützigen Gesellschaft ist, Klimaschutz gemeinsam voranzutreiben und für die Bevölkerung sichtbar zu machen.

Energieberatung
Die Agentur bietet in Kooperation mit der Verbraucherzentrale unter anderem Beratungen für Privatpersonen zu den Themen energieeffiziente Gebäudemodernisierung, Heizungsoptimierung, Solarenergie sowie Stromsparen im Haushalt an. Nach vorheriger Terminabsprache sind kostenlose Erstberatungen in Esslingen, Filderstadt, Kirchheim, Lenningen, Nürtingen, Wendlingen und Wolfschlugen möglich. Sie dauern 30 bis 45 Minuten.

Kontakt
Die Agentur hat ihren Sitz in der Kandlerstraße 8 in der Esslinger Weststadt. Telefonisch ist sie unter der Nummer 0711/ 20 70 30 – 70 erreichbar und per Mail an info@ksa-es.de. Alle Infos rund ums Thema stehen auf der Homepage: https://klimaschutzagentur-landkreis-esslingen.de