Energieberater Florian Kamp mit einer Wärmebildkamera: Ein- bis zweimal pro Jahr bietet die LEA Ludwigsburg Wärmebild-Spaziergänge in den Kommunen an. Foto: Simon Granville

Die Stadt Besigheim organisiert mehrere kostenlose Wärmebild-Spaziergänge. Ziel ist es, Hausbesitzer für Energiesparpotenziale zu sensibilisieren – und damit für mehr Klimaschutz.

Das Haus, das in Wirklichkeit weiß verputzt ist, erscheint auf dem Bildschirm stellenweise dunkelrot. Rot ist selten gut, und in diesem Fall schon gar nicht. Wenn die Kamera eine Wärmebildkamera ist, bedeutet rot: großer Wärmeverlust. Und damit großer Geldverlust. Nur, dass sich viele über die Dämmung ihres Hauses kaum große Gedanken machen.

„Bei einer vollständigen Sanierung kann man die Energiekosten auf ein Viertel senken“, erklärt Florian Kamp, Energieberater der Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA). Hausbesitzer können also handfest Geld sparen – aber nicht nur: Auch die Wohnqualität könne erhöht werden.

Durch Fenster geht die meiste Energie verloren

In Besigheim fand in der vergangenen Woche der erste von mindestens zwei Wärmebild-Spaziergängen statt. Anhand von drei Häusern in unterschiedlichem Sanierungszustand zeigte Kamp, wie die Wärmebildtechnik funktioniert, welche Vorteile sie bringt und wo ihre Grenzen liegen.

Kurz gesagt geht das Ganze so: Die Wärmebildkamera erkennt Wärmestrahlung, die für das menschliche Auge nicht sichtbar ist. Jede Oberfläche strahlt Wärme ab. Die Kamera misst diese Wärmestrahlung und übersetzt sie in ein für den Menschen sichtbares Farbspektrum, zumeist von blau nach rot. Außenflächen, die auf der Kamera rot erscheinen, sind also warm – und damit ein Problem, denn dort geht Wärme verloren.

Hier geht viel Wärme verloren: Fenster sind in vielen Gebäuden die Schwachstelle und sorgen für große Energieverluste. Foto: Simon Granville

Ein blaues Gebäude wäre ein Traum, erklärt Energieberater Kamp. Das komme in der Realität aber kaum vor – höchstens bei neugebauten oder sanierten Gebäuden. Selbst wenn die Mauern auf der Kamera blau erscheinen, gibt es meistens trotzdem ein paar Stellen, die rot sind: dort, wo Fenster sind.

Mittel im Kampf gegen Schimmelbildung

„Fenster sind der schlechteste Baustoff. Sie stechen immer heraus“, sagt Kamp. Am besten wären dreifachverglaste Fensterscheiben. Doch viele Häuser haben noch ältere Zweifachverglasungen oder sogar nur Einfachverglasungen.

Auch im Innenraum kann die Wärmebildkamera eingesetzt werden – dort aber mit umgekehrter Logik: Rot ist positiv, denn das bedeutet, dass die Wärme im Hausinneren bleibt. Blau ist wiederum schlecht, denn dort kann sich eines Tages Schimmel bilden. Die Kamera könne solche Stellen erkennen, noch bevor der Schimmel sichtbar wird, erklärt Kamp die Vorzüge der Wärmebildtechnik.

Trotz all dieser Vorteile ist die Wärmebildtechnik laut Kamp nicht der beste Weg für Hausbesitzer, um Energiesparpotenziale zu finden, denn die Kosten für Wärmebildaufnahmen liegen im mittleren dreistelligen Bereich. Die Stadt Besigheim hat sich allein die beiden Wärmebild-Spaziergänge, die nun im Januar stattfinden, über 800 Euro kosten lassen.

Aktionen der Stadt Besigheim

Die Wärmebild-Spaziergänge sind einer von mehreren Bausteinen, mit denen Besigheim seine Bürgerinnen und Bürger auf die riesigen Einsparpotenziale hinweisen möchte, die in Gebäuden stecken. Die telefonische Erstberatung durch die LEA ist grundsätzlich immer kostenlos. Dazu gibt es die Möglichkeit einer persönlichen Beratung vor Ort. Diese kostet normalerweise 40 Euro Eigenbeteiligung.

Besigheim übernahm Ende vergangenen Jahres diese Eigenbeteiligung für insgesamt 60 Gebäude. Denn obwohl die Vor-Ort-Beratung dank einer Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium schon verbilligt angeboten wird, kenne das Angebot kaum jemand. „Damit das bekannter wird, haben wir als Stadt die Eigenbeteiligung 60 Mal übernommen. Wir versuchen, so viel wie möglich anzubieten“, sagt Katharina Schwahn, Klimaschutzmanagerin der Stadt.

In ein bis zwei Kommunen pro Jahr macht die LEA Wärmebild-Spaziergänge; im vergangenen Jahr war Bietigheim-Bissingen an der Reihe. Die Stadt geht mittlerweile einen anderen Weg: Dort hat die Verwaltung eine Wärmebildkamera angeschafft, die von allen Bürgern ausgeliehen werden kann.

Nächster Wärmebild-Spaziergang

Termin
Ein weiterer Wärmebild-Spaziergang durch Besigheim findet bereits an diesem Donnerstag, 22. Januar, statt. Treffpunkt ist um 17 Uhr an der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche in der Schwalbenhälde. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Planung
Auch im Stadtteil Ottmarsheim soll noch ein Wärmebild-Spaziergang folgen. Ein genauer Termin steht aber noch nicht fest.