Er wollte es zum 70. bescheiden, so hatte die Stadt für Fritz Kuhn keine große Fete ausgerichtet. Dafür traf er sich mit den Bürgermeistern.
Acht Jahre lang ging Fritz Kuhn hier ein und aus. An manchem langen Abend führte ihn der Weg per Aufzug in den Ratskeller und mit einer Verzehrration Maultaschen und Salat auf dem Teller zurück an den Schreibtisch im ersten Stock. Am Morgen traf sich der Verwaltungschef immer in kleiner Runde mit den engsten Mitarbeitern zur „Morgenlage“, den Ablauf hatte der frühere Grünen-Fraktionschef aus Berlin mitgebracht. Am Donnerstag empfing OB Frank Nopper (CDU) seinen Vorgänger an der alten Wirkungsstätte und reichte die Brezel- und Kuchenplatte. Kuhn, das war dessen Wunsch zu seinem 70. Geburtstag, hatte auf eine große, von der Stadt ausgerichtete Fete verzichtet und sich zum Austausch mit der Bürgermeisterrunde und einem kleinen Empfang mit allen Fraktionssprechern getroffen. Auf neue Gesichter musste sich Kuhn nicht einstimmen, alle Bürgermeister saßen schon während seiner Amtszeit am Platz.
Die Stadt spart, Kuhn spart mit
Die Zeiten sind ernst, Stuttgart muss sparen. Kuhn hat sich im Amt bescheiden gegeben, auf der Stuttgarter Kurzstrecke setzte er mit einem E-Smart als Dienstwagen ein Statement. In der Coronakrise drohte der Stadt schon einmal der finanzielle Absturz, Kuhn ist daher in großen und kleinen Zahlen bewandert. „Macht trotzdem gute, große Veranstaltungen“, sagte das Grünen-Gründungsmitglied zu den Stadträten. Er selbst wolle sich in dem ihm möglichen Rahmen „weiter um die Stadt kümmern“; das tut er zum Beispiel auch als Vorsitzender des Volkshochschulverbandes im Land.
Nopper schätzt seinen Vorgänger
In der Bürgermeisterrunde habe sein Vorgänger „gute Hinweise für eine nachhaltige Haushaltspolitik“ gegeben, so Nopper. Kuhn sei keiner, der wie Ex-Kanzlerin Angela Merkel öffentlich Ratschläge für seinen Amtsnachfolger oder dessen Amtsführung gebe oder Vertrauliches ausplaudere, so Nopper. Eine gewisse Wertschätzung schwingt da mit. Wobei Nopper und Kuhn keine an Fehden und Verletzungen reiche Vorgeschichte verbindet wie Ex-Kanzlerin Angela Merkel und Kanzler Friedrich Merz. „Die Lex Kuhn hat bei mir nicht zugeschlagen“, scherzte der Alt-OB. Er hatte die vom Landtag geänderte Gemeindeordnung, die eine Bewerbung um das OB-Amt auch mit 65 noch möglich macht, 2020 nicht genutzt.