Die Hauptzielgruppe beim Klimaziel ist bekannt: das sind Stuttgarter, die im Besitz von Gebäuden sind. Foto: Judith A. Sägesser

Beim Klimaziel ist die Stadt Stuttgart darauf angewiesen, dass viele Privatleute mitmachen. Die wichtigste Zielgruppe ist klar: Immobilienbesitzer.

Wird das noch was? Mit null klimaschädlichen Emissionen ab 2035 in Stuttgart? Seit dem Beschluss im Sommer 2022, eben dies zu erreichen, ist schon ein Viertel der verbliebenen Zeit verronnen; doch werden Stadträte der demokratischen Parteien heute gefragt, ob das überhaupt realistisch ist, kennt keiner von ihnen die Antwort.

Wie zuletzt am 30. Juni bei einer Podiumsdiskussion von Umweltgruppen im Stuttgarter Rathaus. Einig sind sich die Stadträte, auf wen es vor allem ankommt. Denn die Zahlen sind glasklar. Ob Stuttgart das Klimaziel erreicht, hängt wesentlich davon ab, ob private Immobilienbesitzer bereit sind, zu investieren.

2023 beim Klimaziel im Plan – und 2024?

„Die größte Herausforderung“ fürs Klimaziel, so Jürgen Görres, seien die Gebäude. Und die gehören zu allergrößten Teil nicht der Stadt. Der Leiter der Energieabteilung hat unlängst im Klimaausschuss Bilanz gezogen. Im Jahr 2023 ist die Stadt bei der CO2-Reduktion im Plan, für 2024 gibt es noch keine Zahlen, aber eine erste Prognose: „Sieht noch nicht so positiv aus“, sagt Görres. Zur Einordnung: Alles andere würde an ein Wunder grenzen.

Laut dem 2022 beschlossenen Klimafahrplan von Mc Kinsey und Stadt Stuttgart entfallen von den Gesamtkosten von elf Milliarden Euro bis 2035 circa 6,7 Milliarden Euro auf den Gebäudebereich, 5,9 Milliarden Euro davon sind privates Kapital. Doch gerade hier, im Gebäudebereich, vollzieht sich die Transformation in Zeitlupe.

Alexander Kotz (CDU) rechts im Bild, er ist bei der Podiumsdiskussion kurzzeitig auch Teil einer Arbeitsgruppe. Foto: Judith A. Sägesser

Transformation heißt an dieser Stelle: neue Heizung, Dämmung oder Photovoltaik. Zwar stieg die Zahl derer, die bei der Stadt einen Zuschuss für eine Wärmepumpe beantragen, zuletzt an. Doch gemessen am Ziel (3500 Wärmepumpen im Jahr) sind die 319 Stück im Jahr 2024 und 363 im ersten Halbjahr 2025 fast nichts.

Dabei gibt es auch Grund zur Annahme, dass sich etwas dreht. Info-Veranstaltungen der Stadt zu Gebäudesanierungen oder Heizen laufen gut, wie Görres berichtet. Bei einer Veranstaltung im Januar 2025 mit dem Wärmepumpen-Papst Marek Miara füllten Hunderte Stuttgarter drei Säle im Rathaus.

200 000 Gebäude in Stuttgart sind sanierungsbedürftig

Selbst wenn Menschen willig sind und über die nötigen Finanzen verfügen, kann es bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Leute dann tatsächlich dämmen oder das Dach neu decken, einige Zeit dauern. Wunsch und Wirklichkeit klaffen deshalb auch bei den Sanierungen auseinander. Von den 75.000 Wohngebäuden in Stuttgart – mit Baujahr vor 2007 – müssen in den verbleibenden zehn Jahren 59.000 zumindest teilweise saniert werden, um das Klimaziel zu erreichen.

Doch was kann die Stadt konkret tun, wo ihr finanzieller Einfluss so stark begrenzt ist? Eine Organisationsuntersuchung von Drees & Sommer kam 2024 zu dem Ergebnis: einiges. Denn aus Sicht der Berater lag nach zahlreichen Interviews und Gesprächen Grundsätzliches im Argen.

Persönliche Konflikte, ineffektive Abläufe und keine übergeordnete Stelle, an der die Fäden zusammenlaufen – das waren die wesentlichen Punkte, die nach Einschätzung von Drees & Sommer das Stuttgarter Klimaziel gefährden. Weil so keine Aufbruchstimmung aufkommt. Zu den nächsten Schritten, die die Berater vorgeschlagen haben, zählt auch ein Aktivierungskonzept.

Gemeint ist damit genau das, was es jetzt offenbar am dringlichsten braucht: eine Idee, wie die Bereitschaft etlicher Stuttgarter angekurbelt werden kann, das eigene Gebäude energieeffizient für die Zukunft zu machen. Hinter den Kulissen wird bei der Stadt seit 2024 an einem solchen Geheimrezept gearbeitet. Stand Ende Juli 2025: Noch ist nichts spruchreif.