Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin - Roberto Bulgrin/bulgrin

Der Wochenrückblick von Johannes M. Fischer. Es geht um die magische Zahl 60 und um ein verunglücktes WC.

EsslingenP

lochingen hat mal wieder allen die Schau gestohlen in der vergangenen Woche. Dort jongliert man nicht mit Bällen, sondern mit Millionen. Knapp 60 Millionen Euro sollte das neue Gymnasium kosten, und weil das für eine 14 000 Einwohner-Stadt nicht gerade ein Pappenstiel ist, entschied sich die Stadt vor geraumer Zeit, die umliegenden Orte zur Kasse zu bitten. Schließlich „schickten“ diese ja ihre Schüler nach Plochingen aufs Gymnasium.

Allerdings hatte der Wirt die Rechnung ohne den Kunden gemacht. Die Nachbargemeinden reagierten nämlich verwundert darüber, dass sie für ein Gericht bezahlen sollten, das sie nicht bestellt hatten. Eine Linsensuppe würden sie vielleicht mittragen, aber für ein Mehrgänge-Menü war der Hunger nicht groß genug. Auch verwehrten sie sich der Unterstellung, Schüler nach Plochingen zu „schicken“. Die Schulwahl fände noch immer im Elternhaus statt und nicht in den Rathäusern.

Der Widerstand war jedenfalls alles andere als gering, und so, Wunder oh Wunder, wurde das Gymnasium in diesen Tagen mal gleich um rund zehn Millionen Euro billiger. Und mehr noch: Plochingen will sich zwar weiterhin darum bemühen, Zuschüsse aus den Nachbargemeinden zu bekommen. Aber „im alleräußersten Notfall“ schafft es die Stadt alleine. Damit war ein Satz ausgesprochen, der aus gutem Grund lange unter Verschluss gehalten worden war. Warum? Weil er die Verhandlungsposition Plochingens dramatisch verschlechtert.

Wenn man aber ehrlich ist, sind 60 Millionen Euro doch eigentlich Peanuts. Bei manchen Menschen liegen sie in der Schublade. Zum Beispiel bei der Formel 1-Erbin Tamara Ecclestone. Sie hatte in diesen Tagen Einbrecher zu Gast. Angeblich nahmen sie Juwelen im Wert von über 60 Millionen Euro mit. Hätte Frau
Ecclestone diese 60 Millionen nach Plochingen überwiesen, bevor die Diebe kamen, wäre das Geld deutlich sinnvoller angelegt gewesen.

60 Millionen ist in diesen Tagen eine magische Zahl. In dieser Höhe nimmt Esslingen für die kommenden fünf Jahre einen Kredit auf. Warum wohl? Unter anderem, um Schulen zu bauen. Von einer Anfrage an umliegende Gemeinden, sich am Bau zu beteiligen, ist (noch) nichts bekannt geworden.

Zum Glück gab es in der Woche auch noch kleinere Sorgen in Plochingen. Zum Beispiel das Klo im Bahnhof. Jeder Gang ein Euro. Im Gegenzug verspricht das Gerät einen Bon zum Eintauschen. Unsere Reporterin machte den Test. Tatsächlich nimmt der Automat das Geld, spuckt aber keinen Bon aus. Die Autorin: „Es rattert im Automaten, aber raus kommt nichts.“ Eine klassische Verstopfung also.

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