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Harald Flößer über die Fähigkeit, die herannahenden Kollegen am Schritt zu erkennen.

EsslingenEs gibt die Schleicher, die, einem Windhauch gleich, völlig unauffällig vorbeihuschen. Es gibt die Normalos, die man wahrnimmt und vielleicht auch erkennt, je nach Schuhwerk. Und es gibt die garantiert Unüberhörbaren, die man gar nicht sehen muss, um sie identifizieren zu können. Wer sein Büro an einem Gang hat, bekommt jeden Tag die ganze Bandbreite dieser Typen vorgeführt.

Unverkennbar stakst die Kollegin vom Sport dahin – immer geschäftig, immer in Eile und mit übergroßen Schritten. Eher die Tippel-Variante, aber die mit erstaunlichem Tempo, bevorzugt eine Kollegin aus der Online-Redaktion. Bei einer anderen spürt man richtig den Windzug, den sie bei ihrem sprintähnlichen Vorbeirauschen hinterlässt. Ihre Hacken sind weithin hörbar, aber noch gar nichts im Vergleich zu einer wahrhaft rasenden Reporterin, deren Phonzahl von keinem/keiner anderen übertroffen wird. Immer noch angenehmer als der Schlurfgang einer früheren Mitarbeiterin, der man offenbar als Kind nicht wie dem Autor eingebläut hat, dass man beim Gehen gefälligst seine Füße anheben soll.

Doch der Lästerer bekommt gelegentlich selbst den Spiegel vorgehalten. Denn auch er gehört in der Wahrnehmung zweifelsohne zur Gruppe der Unverkennbaren. Wenn er im Stechschritt seine Fersen aufsetzt, bekommt das bei einem Gewicht von 93 Kilo zwangsläufig jeder mit – zuhause manchmal auch die Nachbarn einen Stock tiefer. Bis die Partnerin wieder genervt herumnörgelt: „Dich hört jeder.“

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