Es ist das vielleicht größte Spiel seiner Trainerkarriere. Wie gibt sich der Bundestrainer Julian Nagelsmann vor dem Viertelfinale der EM 2024 gegen Spanien? Eindrücke vom Abend vor der Partie in Stuttgart.
Er hat in der Champions League gecoacht, in der Bundesliga, in vielen K.o.-Spielen. Als 28-Jähriger stand er einst im Kampf gegen den Abstieg bei der TSG Hoffenheim unter großem Druck. Keine Frage: Julian Nagelsmann hat trotz seines nach wie vor jungen Alters schon viel erlebt in seiner Trainerkarriere. Nun aber kommt eine ganz neue Erfahrung hinzu.
Als Bundestrainer ein Viertelfinalspiel im eigenen Land gegen Spanien zu coachen, ist quasi das nächste Level für den Trainer – der aber versucht, so gut wie möglich in seiner Routine zu bleiben. Keine besonderen Abläufe, erklärte er am Abend vor dem Spiel gegen die Spanier an diesem Freitag (18 Uhr/ARD) in Stuttgart, werde es rund um diese Partie geben. „Nicht aus Aberglaube“, wie er betonte. Sondern einfach, weil sich das bisherige Prozedere bewährt hat und bestimmte Zeiten für bestimmte Aktionen ohnehin eingehalten werden müssen. „Fürs Essen, zum Beispiel“, sagte Julian Nagelsmann – und deutete ein Grinsen an.
Tatsächlich wirkte der Bundestrainer sehr fokussiert und konzentriert, strahlte aber auch eine gewisse Gelassenheit aus. Und den Schuss Lockerheit, der bei aller Bedeutung der anstehenden Partie auch nötig ist, brachte er auch ein. Zwar ist auffällig, dass sich Julian Nagelsmann bei öffentlichen Auftritten mittlerweile den einen oder anderen Spruch, den er früher wohl noch gebracht hätte, spart. Langweilig sind seine Ausführungen deshalb aber selten. Denn immer wieder blitzt seine Freude am flotten Spruch schon noch auf. Auch am Tag vor dem Viertelfinale.
Viel wurde er, zum Beispiel, zum spanischen Wunderkind Lamine Yamal befragt. Der Spanier ist erst 16 Jahre alt, aber schon eine feste Größe im Team der Iberer. Nagelsmann rühmte dessen Konstanz in der vergangenen Saison beim FC Barcelona und lobte: „Er ist ein sehr großes Talent.“ Er sagte dann aber auch: „Mein Fokus liegt weniger auf Yamal, sondern mehr auf Jamal.“ Er meinte Jamal Musiala, seinen eigenen Jungstar im deutschen Team.
„Dann gute Nacht um halb sieben“
Auch sollte sich der Bundestrainer äußern zur möglichen extrem hohen Brisanz dieser Partie gegen Spanien – vor allem, da der eine oder andere Spieler auf der Gegenseite ein bisschen gestichelt hatte. Joselu – ihn kennt Nagelsmann aus Hoffenheim – will Toni Kroos in Rente schicken. Mittelfeldspieler Pedri meinte, der deutsche Abwehrspieler Antonio Rüdiger „kneife“ seine Gegenspieler immer. Wirklich locken ließ sich Julian Nagelsmann nicht, er rede lieber nicht so viel, sondern zeige es „im Spiel“. Die Bedeutung der Partie wollte er aber auch nicht herunterspielen. Launig meinte er: „Wenn ein EM-Viertelfinale keine Brisanz hat, dann gute Nacht um halb sieben.“ Dann suchte er nach der aktuellen Uhrzeit: „Oder wie spät ist es jetzt?“
Es war tatsächlich in etwa 18.30 Uhr – und als die Pressekonferenz schon fast beendet war, kam noch ein spezielles Thema zur Sprache: die Frisur von Robert Andrich. Der Mittelfeldabräumer trug sein Haar während der EM erst natürlich braun, dann hell gebleicht. Seit Neuestem leuchtet sein Kopf nun pink.
Was der Bundestrainer davon hält? Er halte sich, erklärte er, „aus Frisurthemen raus“. Verkneifen konnte er sich einen spitzen Kommentar dann aber doch nicht. „Am Ende gibt es Frisuren“, meinte Nagelsmann, „die verpflichten ein bisschen mehr als andere zu einer Topleistung.“ Womit klar wäre, was der Coach von dem Leverkusener am Freitagabend gegen Spanien erwartet.
Im bislang größten Spiel – von beiden.