Sabina (Kristen Stewart), Jane (Ella Balinska) und Elena (Naomi Scott, von oben nach unten) Foto: Sony Pictures - Sony Pictures

In den 70er-Jahren war die Fernsehserie „Drei Engel für Charlie“ ein Hit – ins Kino schafften es die toughen Ladies, die ihre brisanten Aufträge nur per Telefon bekommen, erst zur Jahrtausendwende. Nun bringt die Schauspielerin Elizabeth Banks die nächste Generation der „Engel“ ins Kino – und sie zeigen den Kerle, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist.

EsslingenViel zu lange war das Action-Genre fest in männlicher Hand – Frauen kamen meist nur dann ins Spiel, wenn die harten Jungs jemanden brauchten, der sie anhimmelt. Die „Drei Engel für Charlie“, die sich in den 70er-Jahren im Fernsehen austobten, waren lange Zeit Exotinnen: ultracoole Ladies, die ihre Aufträge per Telefon von einem mysteriösen Boss bekamen. Mehr als 100 Folgen lang ließen sie die Fäuste fliegen und zeigten den bösen Buben, dass mit harten Mädels nicht zu spaßen ist. Ins Kino schafften es die „Drei Engel für Charlie“ erst zur Jahrtausendwende. Mit Cameron Diaz, Drew Barrymore und Lucy Liu geriet die erste Leinwand-Version zum Erfolg – die Fortsetzung holte 2003 nur noch die „Goldene Himbeere“ für den schlechtesten Film des Jahres. Nun bringt Elizabeth Banks die nächste Generation der „Drei Engel für Charlie“ ins Kino. Doch obwohl das neue Engel-Trio mit Kristen Stewart, Naomi Scott und Ella Balinska prächtig harmoniert, bleibt die Fortsetzung der Fortsetzung hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Die Townsend-Agentur hat in den 70er-Jahren klein angefangen: Ein ominöser Chef, von dem man nur die sonore Stimme kannte, und drei ebenso attraktive wie schlagkräftige junge Damen, die in seinem Auftrag die kniffligsten Fälle lösten – mehr brauchte man nicht, um spannende Unterhaltung auf den Bildschirm zu bringen. Doch in Zeiten der Globalisierung wird alles größer: Drei Engel reichen nicht mehr, rund um den Globus agieren diverse Teams unabhängig voneinander. Die megakluge Elena (Naomi Scott) kommt eher unfreiwillig hinzu: Sie hat die Super-Energiequelle „Calisto“ entwickelt, die viele Probleme dieser Welt nachhaltig und umweltfreundlich lösen könnte. Doch ihre Chefs sind Kriminelle, in deren Händen „Calisto“ zur tödlichen Waffe werden könnte. Als Elena klar wird, mit wem sie sich eingelassen hat, engagiert die brillante Wissenschaftlerin die Townsend-Agentur, die nicht mehr nur einen Boss hat, sondern eine ganze Handvoll „Bosleys“, die ihren Teams die gefährlichsten Aufträge vermitteln. Und so schließt sich Elena den „Engeln“ Sabina (Kristen Stewart) und Jane (Ella Balinska) an, um gemeinsam mit ihnen die Welt vor einer tödlichen Gefahr zu beschützen. Dass die Kerle, mit denen sich ihre TV-Vorgängerinnen einst herumschlagen mussten, in der Neuverfilmung längst nicht mehr so tough sind wie damals, macht ihren Job immerhin ein wenig leichter.

Die Schauspielerin Elizabeth Banks war begeistert von der Idee, die nächste Generation der „Drei Engel für Charlie“ als Regisseurin auf die Leinwand zu bringen: „Es gibt so wenige Filme mit mehreren weiblichen Hauptdarstellern. Ich hatte das Gefühl, dass ‚Drei Engel für Charlie‘ eine Möglichkeit war, eine Geschichte mit mehr als einer weiblichen Hauptrolle zu erzählen. Diese drei großartigen, starken Frauen mussten sich in einer Männerwelt durchsetzen und ihren eigenen Weg gehen. Das war revolutionär.“ Doch was in den 70ern für Staunen sorgte, ist heutzutage nicht mehr ganz so ungewöhnlich. Da braucht es schon drei richtig gute, perfekt zusammenpassende Hauptdarstellerinnen, eine starke Story, viele gute und effektvolle Einfälle und eine Prise Selbstironie. Ersteres darf man Elizabeth Banks’ neuer Action-Komödie getrost bescheinigen: Die Chemie zwischen Kristen Stewart, Naomi Scott und Ella Balinska stimmt, gerade in ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen sich die drei prima. Und immer dann, wenn sie gemeinsam agieren, hat der Film seine stärksten Momente. Doch das ist leider längst nicht immer der Fall, denn auf ihrem Powertrip um die Welt müssen die Mädels viel zu oft getrennte Wege gehen, und dann läuft der Film genau wie die Story Gefahr, sich zu verzetteln. Und wenn dann auch noch die Einfälle und Effekte zuweilen allzu beliebig kombiniert erscheinen, bleibt der Film oft hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Elizabeth Banks hat den TV-Serien-Klassiker „Drei Engel für Charlie“ mit neuer Besetzung erneut auf die Leinwand gebracht. Doch der Serie kann auch diese Fortsetzung trotz dreier starker Hauptdarstellerinnen nicht das Wasser reichen.

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