Die Infrastruktur für Elektromobilität im Kreis Esslingen soll ausgebaut werden. Wo es bereits Ladesäulen für E-Autos gibt und wo noch Bedarf dafür besteht, zeigt eine Prognose. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Der Landkreis Esslingen will die Elektromobilität fördern. Grundlage dafür ist ein Konzept für den flächendeckenden und bedarfsgerechten Ausbau der Ladeinfrastruktur. Demnach sind bis zum Jahr 2030 rund 2200 Ladepunkte notwendig.

Kreis Esslingen - Der Klimaschutz sei eine der größten Aufgaben in den kommenden Jahren, betont Esslingens Landrat Heinz Eininger. Deshalb hat sich der Landkreis ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt. Der Bereich Verkehr spielt dabei eine große Rolle: „Die Elektromobilität ist ein wichtiger Baustein, um die Emissionen zu senken“, ist der Kreischef überzeugt.

Doch wer mehr Fahrzeuge mit umweltfreundlichem Antrieb auf die Straße bringen will, muss dafür die Voraussetzungen schaffen. „Für den erfolgreichen Ausbau der Elektromobilität ist eine gute Ladeinfrastruktur ein entscheidender Faktor“, räumt Eininger ein. Deshalb hat das Landratsamt jetzt das aktualisierte Konzept für den flächendeckenden und bedarfsgerechten Ausbau der Ladeinfrastruktur in den 44 Kommunen des Kreises Landkreis als Grundlage zum Ausbau der Elektromobilität vorgelegt.

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Die ins Jahr 2030 gerichtete Prognose zeigt auf, wo es – trotz aller schon erkennbaren Fortschritte – noch an Lademöglichkeiten fehlt. Ausgegangen wird von einer deutlichen Zunahme an Elektrofahrzeugen im Kreis. Das Konzept sei ein wichtiges Planungsinstrument nicht nur für die Städte und Gemeinden, die auf dieser Grundlage nun auf mögliche Investoren wie Versorgungsunternehmen zugehen können. Sondern auch für Unternehmen selbst, die Ladestationen errichten und betreiben wollen, erläutert Christine Griebel, die Klimaschutzmanagerin des Landkreises Esslingen.

An aktuellen Stand angepasst

Bereits 2019 hat die Kreisverwaltung eine entsprechende Studie beim Unternehmen Mobilitätswerk, einer Tochter der Fakultät der Verkehrswissenschaften an der Technischen Universität Dresden, in Auftrag gegeben. Diese ein Jahr später vorgelegte Ladeinfrastrukturprognose ist nun dem heutigen Stand angepasst worden. Denn: „Im Bereich Elektromobilität hat sich seit 2020 einiges getan“, stellt Griebel erfreut fest.

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An der Perspektive freilich hat sich wenig verändert. Laut den Dresdner Experten sind die 600 Ladepunkte, die bis zum Jahr 2025 im Kreis Esslingen bereitstehen sollten, schon „weitgehend vorhanden“, von 2025 bis 2030 bestehe jedoch „großer Ausbaubedarf“. Demnach sind in acht Jahren rund 2200 Ladepunkte notwendig.

Denn die Zahl der Elektrofahrzeuge soll deutlich steigen: Sind derzeit kreisweit nur rund 3000 E-Autos zugelassen, rechnen die Experten im Jahr 2030 schon mit 58 886 Pkw mit Elektroantrieb. „Je nach Entwicklung der Fahrzeugpreise, Batterietechnologie, Rohstoffpreise, politischer Fördermaßnahmen und anderer Einflussfaktoren ist ein höherer oder niedrigerer Marktanteil möglich“, räumen sie in ihrer Expertise ein. Besonders in den größeren Städten Leinfelden-Echterdingen, Kirchheim, Nürtingen, Ostfildern und Filderstadt sei mit einer hohen Anzahl von etwa 4500 Elektroautos zu rechnen. In der Stadt Esslingen könnten es in acht Jahren schon 10 135 Elektroautos sein.

Um solche Zahlen tatsächlich zu erreichen, kommt der Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur eine wichtige Rolle zu. Denn 56 Prozent der Bevölkerung im Kreisgebiet haben keinen Stellplatz in Privatbesitz – und die Wahrscheinlichkeit für die Anschaffung eines E-Autos sinkt, wenn sich keine Ladesäule in der Nähe des Wohnortes befindet, erläutern die Experten.

Unterschiedliche Bedarfe

Die Anforderungen an die Ladeinfrastruktur sind in den Städten und Gemeinden des Kreises jedoch sehr unterschiedlich. Ein gutes öffentliches Ladesäulennetz sei vor allem in Kommunen mit überörtlicher Versorgungsfunktion oder frequentierten Sehenswürdigkeiten sinnvoll; entlang von Autobahnen und Bundesstraßen seien schnelle Ladeanschlüsse nötig, meinen die Gutachter. Darüber hinaus könnten halböffentliche Ladeplätze (etwa bei Supermärkten oder in Parkhäusern) Lücken im Netz teilweise schließen. Erwartet werden der Prognose zufolge an den (halb-)öffentlichen Normalladesäulen im Kreis im Jahr 2030 durchschnittlich rund 3187 Ladevorgänge pro Tag. An den leistungsfähigeren Schnellladesäulen könnten es täglich 831 Schnellladevorgänge werden.

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Für die Mehrheit der Nutzer ist das eigene Zuhause der wichtigste Ladeort. Entsprechend hoch wird die Anzahl der täglichen Ladevorgänge an privaten Wallboxen sein: Bis zum Jahr 2030 prognostizieren die Gutachter kreisweit etwa 4747 Ladevorgänge. Aber auch die Arbeitsstelle rückt zunehmend in den Fokus, aus Sicht der Dresdner Experten sollten zwingend Ladesäulen auf Firmengrundstücken errichtet werden – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Fahrzeuge auf den Parkplätzen meist rund acht Stunden stehen. Sie rechnen im Jahr 2030 kreisweit mit rund 2378 Ladevorgängen.

Der Studie zufolge benötigen E-Fahrzeuge im Kreis Esslingen momentan 6570 Megawattstunden (MWh) Strom. 2030 werden voraussichtlich 153 000 MWh erforderlich sein. Auf den Pro-Kopf-Verbrauch umgerechnet bedeutet dies einen Anstieg um 4,5 Prozent.

Die Ergebnisse im Überblick

Digitale Karte
 Die aktuellen Ergebnisse für den Landkreis und speziell für jede Stadt und Gemeinde sind frei zugänglich im WebGIS des Landkreises Esslingen einsehbar. Man findet die Karte über den Link „Übersicht Ladepunkte – prognostizierter Bedarf“ auf der Webseite des Landkreises unter: www.landkreis-esslingen.de/start/service/Elektromobilitaet

Informationen
In der Karte sind zum einen die Planungsräume abgegrenzt, in denen grundsätzlich Ladevorgänge zu erwarten sind. Zum anderen zeigt sie, wo noch Ladeinfrastruktur aufgebaut werden muss, um den aktuellen und künftigen Bedarf an Ladevorgängen zu decken. Somit bildet die Karte eine erste Informationsgrundlage für alle, die sich beim Ausbau der Elektromobilität engagieren möchten.

Ansprechpartner
Bei Fragen zum Thema Elektromobilität und weiteren Fragen zum kommunalen Klimaschutz geben die Mitarbeiterinnen in der Stabsstelle Klimaschutz im Landratsamt Esslingen Auskunft per E-Mail an: klimaschutz@LRA-ES.de oder unter Telefon 07 11/390 24 42 08.