Hardy Fritsch, Manfred Stauss, Ela Kirchner und Buddy Bosch (von links) lieben es, in Schlager-Erinnerungen zu schwelgen. Foto: Sandra Wolf

Die Esslinger Band Ela und die Herzensbrecher haucht Hits aus den 50er- und 60er-Jahren neues Leben ein. Viele dieser Schlager wie „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini“ haben Ohrwurmqualitäten. Damit geht es jetzt ins Fernsehen zu Andy Borg.

Die 50er und 60er Jahre – das war eine Zeit voller Fröhlichkeit und Lebensfreude. Die Erinnerung an die Schrecken des Krieges verblasste zusehends, die Hoffnung auf ein kleines bisschen Wohlstand wuchs, man gab sich unbeschwert und heiter, träumte vom ersten Urlaub unter südlicher Sonne und davon, das alte Moped gegen den ersten flotten Kleinwagen einzutauschen. Viel vom damaligen Lebensgefühl kann man noch heute in den Schlagern jener bonbonbunten Zeit finden. Die Esslinger Band Ela und die Herzensbrecher lässt diese wonnewohligen Songs wieder lebendig werden. Und sie lädt ein zur Reise in eine Zeit, die sich für viele wie das Versprechen auf eine bessere Zukunft anfühlte.

Ela und die Herzensbrecher hatten Anfang November im Esslinger Kabarett der Galgenstricke ihre Premiere gefeiert und damals die Herzen ihres Publikums im Sturm erobert. Seither geht es für die Band steil nach oben. Das Publikum kommt in Scharen, Kritiker sind begeistert, und selbst honorige Kollegen werden aufmerksam auf dieses reizvolle Projekt: Demnächst geht’s zur Aufzeichnung der Fernsehshow „Schlagerspaß mit Andy Borg“, wo Ela und ihre Jungs auf Anhieb mit drei Songs zu hören sein werden. Dass der österreichische Schlagerkönig auf die Esslinger Band aufmerksam geworden ist, fühlt sich wie ein Ritterschlag an – vor allem für Ela Kirchner, die im Duett mit Andy Borg zu hören sein wird. „Mit ihm gemeinsam vor der Kamera zu stehen, ist eine große Auszeichnung“, sagt die Sängerin.

Musikalischer Tausendsassa aus Esslingen am Werk

Treibende Kraft hinter diesem Quartett ist Andreas Kirchner, der sich auf der Bühne als Buddy Bosch einen Namen gemacht hat – ein musikalischer Tausendsassa aus dem Esslinger Stadtteil Sirnau. Ob solo als schwäbischer Sänger und Songwriter, im Duett mit seiner Ehefrau Ela Kirchner, ob mit der Kehrwoch Mafia, der Schwabenrockband Muggabatscher oder der Schwobakomede – Buddy Bosch ist stets für eine Überraschung gut. Und er genießt es, immer neue Projekte auf den Weg zu bringen und Menschen für eine gute Sache zusammenzuführen. Mit den Jahren ist ein stattliches Netzwerk entstanden, das ihm zupass kam, als er Ela und die Herzensbrecher aus der Taufe heben wollte.

Bei den Galgenstricken feierten Ela und die Herzensbrecher im November Premiere. Foto: Roberto B/ulgrin

Mit dem versierten Sänger und Bassisten Hardy Fritsch macht er seit vielen Jahren gemeinsame Sache. Mit Manfred Stauss holte er einen Sänger und Akkordeonisten ins Boot, der den Sound der Band stimmlich und musikalisch perfektioniert und dessen Gesang ideal mit der glockenklaren Stimme von Ela Kirchner harmoniert. Diese vier verbindet die Freude an der Musik der Wirtschaftswunderzeit und die Lust, ihre eigene Begeisterung ans Publikum weiterzugeben. „Wir haben so viel Spaß an dieser Musik – das spüren die Leute“, weiß Buddy Bosch. „Diese Songs besitzen eine unglaubliche Energie und vermitteln eine mitreißende Freude. Da geht jeder beschwingt nach Hause.“

Marina küsst den schönen fremden Mann

Wie perfekt diese vier Musiker harmonieren, zeigt sich auch daran, dass sie sich binnen kürzester Zeit ein stattliches Repertoire in ihrem Probenkeller im Stuttgarter Westen erarbeitet haben. Da erklingt „Die Gitarre und das Meer“, der „Banjo Boy“ spielt für „Lady Sunshine and Mister Moon“, „Marina“ „Will keine Schokolade“, damit sie den „Schönen fremden Mann“ mit ihrem „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini“ betören kann, und wenn sich ihr „Sugar Baby“ nicht mehr halten kann, haucht sie ihm verführerisch ins Ohr: „Komm ein bisschen mit nach Italien“, wo „Die süßesten Früchte“ auch den kleinsten Anflug von „Heimweh“ vertreiben.

Schlager-Perlen für die Ewigkeit

Viele kennen diese Songs seit einer Ewigkeit und singen text- und tonsicher mit. „Wir haben großen Respekt vor diesen Songs und vor den Künstlerinnen und Künstlern, die diese Musik unsterblich gemacht haben“, versichert Manfred Stauss. „Wir spielen die Lieder etwas dynamischer und versuchen, ihnen einen besonderen Pfiff mitzugeben, der unsere Interpretation unverwechselbar macht. Trotzdem sollen sie so authentisch wie nur möglich rüberkommen.“ Und wenn man mal bei einem Ton danebengreifen sollte? „Dann sagen wir einfach, es sei Jazz“, schmunzelt Hardy Fritsch.

Einfach nur auf der Bühne zu stehen und die Setliste Titel für Titel runterzuspielen, wäre für Ela und die Herzensbrecher keine Option. Kostüme, Frisuren und Bühnenbild – alles muss stimmen. Zu jedem Titel gibt’s eine augenzwinkernd-humorvolle Anmoderation, zwischendurch witzeln und frotzeln die vier ungeniert, den tierischen Ernst hat jeder an der Garderobe abgegeben – Hauptsache, alle haben ihren Spaß.

Und wie geht’s weiter mit Ela und den Herzensbrechern? „Wir staunen selbst ein bisschen, wie gut unsere Musik ankommt“, sagt Buddy Bosch. „Lange Zeit war Schlager verpönt – das hat sich geändert.“ Und so kann es noch lange weitergehen, denn der Schlagerfundus der Wirtschaftswunderzeit hält noch zahlreiche Perlen bereit.

Das nächste Mal sind Ela und die Herzensbrecher am Samstag, 8. März, ab 20 Uhr live im Uditorium in Uhingen zu hören.

Künstlerische Bekenntnisse

Ela Kirchner
„Wenn wir einen Titel einstudieren, muss ich ihn ganz intensiv erleben – auch im Alltag. Etwa im Auto auf dem Weg zur Arbeit, wenn einer dieser alten Hits im Radio kommt. Dann muss ich nicht nur mitsingen, sondern auch Mimik und Gestik wie auf der Bühne bringen. Was da die anderen Autofahrer von mir denken ... ?“

Buddy Bosch
„Manche finden, dass diese Musik zu viel heile Welt ausstrahlt. Wenn ich sehe, wie sich vieles gerade entwickelt, tut ein bisschen heile Welt ganz gut. Vielleicht wäre manches anders, wenn wir uns ein bisschen mehr Harmonie gönnen würden.“

Manfred Stauss
„Diese Musik klingt sehr einfach, dabei ist sie ganz schön schwierig zu spielen, weil in den Songs unheimlich viel passiert. Die Kunst besteht darin, etwas Eigenes reinzubringen, ohne ihnen zu viel von ihrem eigenen Charakter zu nehmen.“

Hardy Fritsch
„ Diese Songs haben ein unglaubliches Potenzial, und man kann nur staunen, wie sich das Publikum darauf einlässt. Wenn ich auf der Bühne stehe und die unbeschwerte Freude der Zuhörer spüre, weiß ich, warum ich Musik mache.“