Das finnische Team feiert nach dem WM-Sieg. Foto: Martin Meissner/AP/dpa

Im Eishockey führt kein Weg an Finnland vorbei. Wie zuvor nur Schweden 2006 gewann der Olympiasieger auch die WM. Toni Söderholm beschreibt den finnischen Weg als «unspektakulär», aber «effizient».

Tampere - Selbst Ministerpräsidentin Sanna Marin trug als Zuschauerin in der WM-Arena das blau-weiße Eishockey-Trikot und sang die Nationalhymne mit.

Bundestrainer Toni Söderholm war als Fan zuhause beeindruckt vom packenden Triumph seines Heimatlandes. Emotionaler als mit dem 4:3 nach Verlängerung gegen Rekordchampion Kanada hätte das vierte WM-Gold für Finnlands Eishockey-Kollektiv nicht sein können. "Wenn Finnland in einem Jahr Olympia und die Weltmeisterschaft gewinnt, muss man den Hut ziehen. Es ist unglaublich", sagte Söderholm am Montag. "Sie haben es vor den heimischen Fans gemeistert, wo viele sagen, dass viel Druck da ist. Das ist eine gute Bestätigung für die Reise, auf der sie sind."

Ein WM-Sieg vor eigenen Fans war zuletzt Schweden 2013 gelungen. Nur die Schweden hatten zuvor 2006 ebenfalls im gleichen Jahr bei den Winterspielen und der Weltmeisterschaft triumphiert. Wie 1995, 2011 und 2019 feierten die Finnen jetzt in ihrer Nationalsportart.

Söderholm: "Unspektakulär, aber effizient"

Trotz nur rund 5,5 Millionen Einwohnern hat sich Finnland zum momentanen Nonplusultra im Welt-Eishockey entwickelt. "Im Großen und Ganzen haben sie 2019 mit einer von den Namen her schlechteren Mannschaft die Weltmeisterschaft gewonnen. Dass sie da die WM gewonnen haben, hat einen Riesenpush gegeben", sagte Söderholm. Für seine deutsche Mannschaft war die WM im Viertelfinale gegen Tschechien zu Ende gegangen (1:4).

Als einen wichtigen Faktor für den Erfolg seines Heimatlandes hob Ex-Profi Söderholm die Zusammenarbeit im finnischen Eishockey hervor. "Es gibt diese Aussage vom Verband, dass du egal, in welche Halle du gehst, die gleichen Sachen trainiert werden. Es ist eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen", sagte der 44-Jährige, der zuvor eine bessere Talentförderung im deutschen Eishockey angemahnt hatte: "Es ist ein Kollektiv. Es ist unspektakulär, aber es ist effizient."

Zittern bis zum Schluss

Spektakulär verlief das Finale vor 11.486 Zuschauern am Sonntagabend in Tampere. Bis 132 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit hatten sich die Gastgeber schon wie Heim-Weltmeister gefühlt, ehe zwei späte Tore des 27-maligen Weltmeisters Kanada noch einmal Zweifel aufkommen ließen. Als Sakari Manninen dann in der siebten Minute der Verlängerung das Siegtor schoss, gab es auch bei der 36 Jahre alten Ministerpräsidentin Sanna Marin kein Halten mehr.

Selbstverständlich beglückwünschte sie die Weltmeister, der finnische Präsident Sauli Niinistö lud die Mannschaft in seine Sommerresidenz Gullranda ein. "Die Goldmedaille in der eigenen Arena am Hals zu tragen, ist das beste Gefühl überhaupt", sagte Siegtorschütze Manninen. Wie Manninen und der zweifache Final-Torschütze Mikael Granlund dürfen sich auch Nationalcoach Jukka Jalonen und Kapitän Valterri Filppula nun als Nationalhelden fühlen.

Finnlands Revanche

Viermal bei den vergangenen sechs Weltmeisterschaften standen sich Finnland und Kanada im Endspiel gegenüber. Vor einem Jahr hatte Finnland das WM-Finale noch gegen Kanada in Riga verloren, damals ebenfalls nach Verlängerung. 15 mit einigen NHL-Stars verstärkten Olympiasiegern von Peking gelang nun die Revanche. "Wenn die NHL-Spieler zu den Turnieren kommen, sind sie nicht die tragenden Spieler, sondern die Mannschaft ist der tragende Faktor", sagte Söderholm: "Es ist eine kollektive Mission."

Zum ersten Mal gewannen die Finnen eine WM-Medaille daheim und können 2023 nachlegen. Gemeinsam mit der lettischen Hauptstadt Riga ist Tampere wieder Austragungsort. Auch Deutschland wird in der Vorrunde in Tampere voraussichtlich auf den Weltmeister treffen.