Filippo Lavorato hat in Korntal-Münchingen die „Eisliebe“ eröffnet. Dort gehen an manchen Tagen 1000 Kugeln über die Theke – und man kann hinter die Kulissen blicken.
Eis geht immer. Davon ist Filippo Lavorato auch nach einem Jahr nach der Eröffnung seiner Eisdiele überzeugt. In Korntals Stadtmitte in der Johannes-Daur-Straße hat sich der 34-Jährige mit der „Eisliebe – La piccola Gelateria“, der kleinen Eisdiele, einen Traum erfüllt. Er hat die Räume der ehemaligen Bäckerei umgebaut und renoviert und hinten ein Eislabor eingerichtet. Dass in Eisdielen die kalte Süßspeise auch hergestellt wird, ist nicht ungewöhnlich. Bei Filippo Lavorato können die Gäste aber zusehen. Die gläserne Produktion fasziniere vor allem Kinder.
Im Sommer sind bis zu 24 Sorten im Angebot
Der Herr über die Eismaschine ist Matthias Hagen, Filippo Lavoratos Cousin. Der ausgebildete Koch arbeitete als Staplerfahrer im Baumarkt, bevor er ins Eis-Geschäft eingestiegen ist. Viele Schulungen bei Herstellern liegen hinter dem 44-Jährigen. Heute macht er Eis fast wie am Fließband. 24 Stunden lang soll es gut durchkühlen, dann geht es in den Verkauf. Zuvor mischt Matthias Hagen die Milchmasse mit den Pasten und setzt für Fruchteis Obst beziehungsweise Pürees mit Zucker an. „Uns ist wichtig, dass das Eis cremig ist“, sagt Matthias Hagen. „Und mit Liebe zubereitet.“ Im Sommer hat die Eisdiele bis zu 24 Sorten im Angebot, im Winter etwa zehn. Sobald eine Sorte alle ist, kommt eine andere nach. Was an einem Tag mit Sonnenschein und 20 bis 30 Grad – dem laut Lavorato perfekten Eiswetter – durchaus passiert. „Die Leute freuen sich über wechselnde Sorten. An einem sehr guten Tag gehen schon mal 1000 Kugeln über die Theke“, schätzt er. Gerade mal rund 30 Kugeln seien es an einem schlechten Tag. Bleibt Eis übrig, wird es glatt gezogen, die Wanne sauber gemacht und eingelagert. „Unser Eis ist nie älter als zwei Tage“, sagt der Hotelfachmann.
Die Eisberge, die sich in der Vitrine türmen, sehen aus wie Kunstwerke. „Wir lieben mehrere Komponenten“, sagt Filippo Lavorato. Das Mandeleis enthält auch Pistazien und Zitronenstreusel, Omas Apfelkuchen decken Streusel komplett ab. Die Sorte salziges Karamell enthält Karamellwürfel, das Vanilleeis ist mit Erdbeersoße und Smarties verziert. Bei anderen Sorten beißt man auf Nussstücke. „Wir experimentieren viel“, sagt Matthias Hagen. So ist zum Beispiel Avocado-Sorbet mit Kokosmilch als eine von insgesamt 76 Sorten entstanden. Oder Lakritzeis, auf Wunsch eines Gastes. Matthias Hagen lacht. „Das werden wir nicht mehr anbieten.“ Zu intensiv sei der Geschmack gewesen. „Wir stellen unser Eis so her, dass es uns zu 100 Prozent schmeckt.“ Mit einem Pro-Kopf-Konsum von gut acht Litern gehört Eis zu den beliebtesten Süßwaren der Menschen in Deutschland. An warmen Tagen schätzen die Kunden Fruchteis und Eis mit griechischem Joghurt, sagt Filippo Lavorato. Außer Bananeneis seien alle Fruchtsorten vegan und laktosefrei. Maracuja und Mango seien gefragt, ebenso Limette-Basilikum und Zitrone-Minze. „Unser Pistazieneis ist der Renner“, stellt Matthias Hagen fest. Man verfolge die Trends, also gab es Dubai-Eis. Auch „Halleluja“-Eis, von der Expertenjury der Eisfachmesse im italienischen Rimini Ende Januar zum europäischen Eis des Jahres gewählt, gibt es bald in Korntal. In der Sorte steckt eine Paste aus Haselnüssen und Kakao plus geröstete Haselnüsse und Schokolade.
Grüner Heiner statt Schlumpfeis
Von den Klassikern – neben Zitrone Schokolade, Erdbeere, Vanille, Stracciatella, Malaga – produziert Matthias Hagen mindestens zehn Liter pro Tag. Auf das bei Kindern beliebte Schlumpfeis wird verzichtet. Wegen der Zusatzstoffe, erläutert Filippo Lavorato. Stattdessen gibt es „Grüner Heiner“ mit Waldmeistergeschmack, benannt nach dem Schuttberg mit dem Windrad zwischen Weilimdorf und Korntal-Münchingen. „Kinder lieben Farben und gehen bei der Wahl ihres Eises stark danach“, sagt Filippo Lavorato, selbst Vater von zwei Kindern.
Der Korntaler ist froh, dass er seinen Traum realisiert hat. Mit dem Geschäft sei er zufrieden, trotz der Konkurrenz keine Hundert Meter weiter. Auf die habe man ihn im Rathaus hingewiesen, als er sein Gewerbe angemeldet hat. Mittlerweile beschäftigt Filippo Lavorato drei festangestellte Mitarbeiter und vier Aushilfen. Er wolle für den Ort etwas Schönes machen. Seine Erfahrung als Gastronom zeige ihm: Ins Restaurant gingen die Menschen gezielt. Dagegen blieben sie im Ort, wenn er eine aus ihrer Sicht gute Eisdiele hat. Filippo Lavorato ist in der Gastroszene aufgewachsen. Sein Vater und Onkel führten Restaurants, er selbst betreibt seit elf Jahren das Clubhaus Tachenberg in Weilimdorf. Den Preis pro Kugel will er möglichst lang bei 1,80 Euro halten: „Eis soll kein Luxusgut werden.“
Täglich geöffnet
Öffnungszeiten
Das Eiscafé „Eisliebe“ in Korntal in der Johannes-Daur-Straße 22 öffnet montags bis sonntags von 11 bis 20 Uhr. Neben Eis gibt es auch Kaffee, Kuchen und Waffeln. Vor allem im Herbst und im Winter werden außerdem Panini angeboten.