Die Firma Schweizer in Bonlanden besteht seit 150 Jahren, länger als alle anderen Einzelhandelsgeschäfte in der Stadt. Was wünschen sich die Inhaber für die Zukunft?
Lego, Puppen und Tonies auf der einen Seite, hochwertige Messer, Sektgläser und Dekoartikel auf der anderen. Die Firma Schweizer im Zentrum von Bonlanden zieht Kinder und Erwachsene gleichermaßen an. In diesem Jahr feiert sie ihr großes Jubiläum. Das Einzelhandelsgeschäft besteht seit 150 Jahren, und zwar immer an genau diesem Standort an der Marktstraße. Bis es zum Spezialisten für Spielzeug, Haushaltswaren und Geschenkartikel wurde, hat es aber lang gedauert.
Die Firma Friedrich Schweizer wurde 1876 als Kolonialwarenladen mit Waren für Haus, Hof und die Landwirtschaft gegründet. Im Lauf der Jahrzehnte hat sich zigmal ihr Profil geändert. 1910 etwa wurde der Laden um ein Eisen- und Kohlemagazin erweitert, hinzu kam eine Textilabteilung samt Schneiderei. Später wurde in der Waschküche eine Milch- und Entrahmungsanlage installiert, und in den 1920ern umfasste das Sortiment Textil- und Kurzwaren, Drogerie, Lebensmittel, Haushalts- und Eisenwaren, Werkzeuge, Herde, Öfen und Kohlen – inklusive Stall im Hinterhof für das Pferd, das den Kohlewagen zog. „Das Sortiment hat sich immer an die Gegebenheiten angepasst“, sagt Herbert Köhn, der Ehemann der heutigen Inhaberin Isolde Köhn, geborene Schweizer. Sie übernahm 1992 nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters das Unternehmen in der vierten Generation.
Das älteste Einzelhandelsgeschäft Filderstadts
150 Jahre, mit dieser Historie sticht die Firma Schweizer deutlich hervor. Herbert Köhn sagt als Vorsitzender des Filderstädter Gewerbeverbands DGHI, ihm sei kein älteres Geschäft in der Stadt bekannt. „Es ist tatsächlich so, dass die Firma Schweizer unseres Wissens das älteste Einzelhandelsgeschäft in Filderstadt ist“, bestätigt Eva-Maria Jörg, die Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung. Lediglich im Handwerk gebe es Filderstädter Betriebe, die noch älter seien. Als Beispiele hebt sie die Bäckerei Kurfess aus Plattenhardt – Gründungsjahr 1823 – und die Schreinerei Manfred Weinmann aus Sielmingen hervor. Letztere wurde laut Homepage 1850 aus der Taufe gehoben. „Wir freuen uns, dass wir die Firma Schweizer vor Ort haben“, betont Eva-Maria Jörg.
Es sind allerdings auch die Stadt sowie der Gemeinderat, die Herbert Köhn in die Pflicht nimmt. Die Situation im Einzelhandel sei durchs Internet und die allgemeine Wirtschaftsflaute ohnehin schwierig geworden, und gegensteuern müsse man in seinen Augen vor allem mit mehr Aufenthaltsqualität, um Kundschaft anzulocken. Filderstadt habe diesbezüglich viel Luft nach oben. Er betont: „Die Filderstädter Zentren sind nicht so einladend.“ Viele Geschäfte seien bereits verloren gegangen, sei es in Bernhausen oder Plattenhardt. „Alles, was wegbricht, ist weg.“
Schweizer in Bonlanden: Die Nachfolge muss geregelt werden
Entsprechend stolz ist Herbert Köhn, „in diesen schwierigen Zeiten die 150 vollzumachen“. Den Geburtstag wollen er und seine Frau mit der Kundschaft feiern. Einen Jubiläumsverkauf kann sich Herbert Köhn ebenso vorstellen wie eine Art Hocketse im Sommer. Und langfristig? Isolde Köhn ist 66, ihr Gatte 69. Beide gehen altersmäßig auf den Ruhestand zu. „Wir sind jetzt noch fit“, sagt Herbert Köhn, auf weite Sicht müsse aber die Nachfolge geregelt werden. „Wir wollen auf jeden Fall, dass der Standort erhalten bleibt, das ist unser vorrangiges Ziel“, sagt er. Wie das umgesetzt werden könne, wisse er noch nicht. Der Sohn habe sich für einen anderen Berufsweg entschieden. Herbert Köhn jedenfalls findet: „Ein Geschäft wie der Schweizer gehört zu Bonlanden.“