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Auch 2019 hat Stuttgart wieder Einwohner dazugewonnen, verglichen mit den Vorjahren aber nur noch minimal. Das Plus liegt vor allem an der hohen Zahl der Geburten.

StutttgartIn den vergangenen Jahren hat die baden-württembergische Landeshauptstadt stetig an Einwohnern gewonnen, vor allem in den Jahren zwischen 2010 und 2016. Zwei Treiber haben dazu geführt: der Geburtenüberschuss und die Zuwanderung. So langsam aber wendet sich das Blatt. Anfang vergangenen Jahres zählte man in Stuttgart noch 614 365 Einwohner, zwölf Monate später waren es dann 614 599, das sind 234 mehr – nur noch. „Damit lag der Einwohnerzuwachs deutlich unter dem Niveau des Vorjahrs mit plus 2700 Personen“, sagt Thomas Schwarz, der Leiter des Statistischen Amts. An der Geburtenzahl hat es nicht gelegen, dass das Plus dieses Mal so gering ausgefallen ist. Immerhin 6613 Neugeborene sind im Vorjahr in Stuttgart zur Welt gekommen. Zieht man davon die 5280 Sterbefälle ab, liegt der sogenannte natürliche Saldo um 1333 zusätzliche Einwohner deutlich im positiven Bereich. „Der natürliche Saldo ist nochmals gestiegen“, sagt Attina Mäding, die beim Statistischen Amt für das Sachgebiet Bevölkerung zuständig ist. Im Jahr davor lag der Geburtenüberschuss bei plus 1063. Zustande komme diese Entwicklung durch eine schon seit einigen Jahren „grundsätzlich hohe Geburtenrate“, erläutert Mäding. Stuttgart sei eine „recht junge Stadt mit relativ wenigen Sterbefällen“. Ein Faktor für die hohe Geburtenzahl sei, dass „die Enkel der Babyboomer“ Nachwuchs bekämen. Statistisch betrachtet erlebt man einen daraus abgeleiteten Geburtenzuwachs.

Doch noch bemerkenswerter als die erneut hohe Neugeborenenrate war im vergangenen Jahr der Wanderungssaldo, also die Verrechnung von Zuzügen und Fortzügen in der Landeshauptstadt, die „sehr stark negativ“ ausgefallen ist. Denn genau 50 011 Personen haben der Stadt den Rücken gekehrt, aber nur 48 912 sind neu dazugekommen. Das macht ein Minus von 1099 Personen. Zwar sind aus dem Ausland per saldo noch immer 1972 Menschen neu dazugekommen, aber es waren deutlich weniger als im Jahr davor (plus 2371). Auch der Zuzug aus Baden-Württemberg von außerhalb der Region Stuttgart ist mit 1823 Personen noch immer kräftig, aber ebenfalls merklich zurückgegangen (Vorjahr: 2336). Auf der anderen Seite sei „der Drang ins Umland“ wieder stärker geworden, sagt Mäding. 4329 Personen haben es vorgezogen, künftig in einem der umliegenden Landkreise zu leben, im Vorjahr waren es 3097. Und erstmals seit sehr langer Zeit sei im vergangenen Jahr der Wanderungssaldo mit Deutschland wieder negativ. Anders als noch vor Jahren, als viele Menschen aus den neuen Bundesländern oder aus anderen Teilen der Republik nach Stuttgart kamen, verzeichnete man im Vorjahr ein Minus von 285 Personen. Das werfe die Frage nach der Einstellungspolitik der Unternehmen und nach der wirtschaftlichen Stärke von Stadt und Region auf.

Differenziert man die Statistik nach Einwohnern mit deutschem und mit ausländischem Pass, so zeigt sich im Detail, was sich auch im Ganzen ergibt: Der Ausländeranteil in der Stadt ist erneut gestiegen, allerdings nur geringfügig von 25,6 auf 25,7 Prozent. Per saldo ging die Zahl der Einwohner mit deutscher Staatsangehörigkeit um 531 Personen zurück, während die Zahl der Ausländer um 765 zunahm. Die Entwicklung gilt sowohl für die Neugeborenen, wo der Geburtenüberschuss bei den Einwohnern mit deutschem Pass bei 276 liegt. Bei denen, die einen anderen Ausweis haben, liegt der Saldo bei plus 1057. Noch deutlicher ist dieses Verhältnis beim Zuzug: So hat die Gruppe der Ausländer um 2417 Personen zugenommen, die Einwohner mit einem deutschen Ausweis aber haben im vergangenen Jahr um 3516 abgenommen.

Berücksichtigt man darüber hinaus noch Faktoren wie die Einbürgerungen, so ist der Anteil der Menschen mit einem sogenannten Migrationshintergrund im vergangenen Jahr von 276 461 auf 278 902 Menschen gestiegen. Deren prozentualer Anteil an der Gesamtbevölkerung hat somit von vorher 45 auf nunmehr 45,4 Prozent zugenommen.

Recht unterschiedlich hat sich die Bevölkerung in den Bezirken entwickelt. Den höchsten prozentualen Anstieg verzeichnete man in Birkach (plus 87 Einwohner, 1,22 Prozent) und im Westen (plus 563 oder 1,08 Prozent). Der Stuttgarter Süden verlor hingegen 374 Einwohner (minus 0,84 Prozent), ebenso der Norden (minus 176, das sind 0,63 Prozent weniger), Untertürkheim (minus 133, 0,79 Prozent), Weilimdorf (178 weniger, minus 0,55 Prozent) und Möhringen (minus 113, 0,34 Prozent weniger).

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