Bewegt sich an der Seitenlinie eher zurückhaltend: Pellegrino Matarazzo Foto: Baumann

Drei Tore, drei Punkte – der neue VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo feierte gegen den 1. FC Heidenheim einen Einstand nach Maß. Was bleibt von seinem ersten Auftritt hängen?

Stuttgart - Sein Einstand war nicht ganz so fulminant wie jener anno 2016 von Hannes Wolf, der bei seiner Heim-Premiere ein 4:0 gegen Greuther Fürth feiern durfte. Doch auch mit dem 3:0 gegen den 1. FC Heidenheim setzte Pellegrino Matarazzo ein dickes Ausrufezeichen in Richtung Konkurrenz. Was bleibt hängen von seinem Pflichtspiel-Debüt als Trainer des VfB Stuttgart?

Auftreten: Der 42-Jährige musste schmunzeln, als er bei der Pressekonferenz nach dem Spiel mit seiner Herkunft konfrontiert wurde. „Sie sind doch Italiener“, entgegnete ihm ein Journalist, als Matarazzo bei der Frage nach „gelungenen Tempi-Wechseln“ kurz ins Straucheln kam: „Sie meinen Tempo-Wechsel?“ Der Rest war Gelächter, weitere Bemerkungen oder gar einen Spruch in Richtung des Fragestellers verkniff sich der 42-Jährige. Stattdessen referierte er sachlich über Timing und Struktur des Pressingverhaltens. Mit seiner Vorliebe für Fachvokabular und spielerische Details erinnert Matarazzo tatsächlich ein wenig an Hannes Wolf; jener Coach, der den VfB 2017 zurück aus der zweiten Liga ins Oberhaus führte.

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Handschrift: Den Beleg zur veränderten Spielweise gegenüber Vorgänger Tim Walter gab es schwarz auf weiß. In der Rubrik „gespielte Pässe“. 570 mal passten die Mannen in weiß und rot beim Spiel gegen die Heidenheimer den Ball zu einem Mitspieler – so wenig wie kaum zuvor in dieser Saison. Unter Vorgänger Tim Walter summierten sich die Zuspiele meist auf deutlich höhere Werte. Mit dem Topwert 828 im Spiel gegen Wehen-Wiesbaden (1:2). Anders als Walter geht es Matarazzo nicht darum, den Ball in endlosen Kurz- und Querpassstafetten Richtung Tor zu tragen. Sondern möglichst vertikal, also direkt in die Spitze zu spielen. Das sorgte zwar für mehr Ballverluste, die allerdings gegen Heidenheim durch konsequentes Nach-vorne-Verteidigen beherrschbar blieben. „Der VfB hat wenig falsch gemacht“, musste FCH-Coach Frank Schmidt anerkennen. Vor allem aber erzeugte der VfB so mehr Torgefahr. „Das sah schon ganz gut aus“, sagte Matarazzo, sprach mit Blick auf das Spiel beim FC St. Pauli am Samstag (13 Uhr) aber noch von „Luft nach oben“. So hätten seine Spieler den richtigen Moment zur gegnerischen Attacke „nur zu 60 Prozent“ erwischt.

Händchen: Ein Trainer wird nicht nur an Ergebnissen und Spielweise gemessen, sondern auch an seinen Entscheidungen vor und während eines Spiels. Mit Blick auf die Heidenheim-Partie lässt sich sagen: Alles richtig gemacht. Die im Vorfeld heiß diskutierte Neu-Sortierung in der Abwehr (Marc Oliver Kempf als Linksverteidiger, Atakan Karazor im Zentrum) funktionierte gut. Und auch mit seinen Einwechslungen lag Matarazzo goldrichtig. Borna Sosa war gerade drei Minuten im Spiel, ehe er eine maßgenaue Flanke auf den Kopf des Torschützen Nicolas Gonzalez zirkelte. Mario Gomez traf nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung zum finalen 3:0. Mehr Glück kann man als Trainer kaum haben.

Mit seinem Tor hat Gomez seinem Trainer die Entscheidung in der Stürmerfrage nicht leichter gemacht. Gegen Heidenheim erhielt Hamadi Al Ghaddioui als alleiniger Stoßstürmer den Vorzug vor Gomez. Während der 90 Minuten konnte der 29-Jährige aber nicht überzeugen.

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