Auf ihre Schulranzen sind die Erstklässler der Pragschule mächtig stolz. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Knapp 4600 Stuttgarter Erstklässler werden in dieser Woche eingeschult. Allein 78 hatten an diesem Donnerstag in der Pragschule ihren Einstand. Und bei vielen Familien stellte sich die Frage: Wer ist aufgeregter – das Kind oder die Eltern?

Dicht nebeneinander haben sie auf den Turnhallenbänken Platz genommen, die Schülerinnen und Schüler der Klasse 1a der Pragschule im Stuttgarter Norden. Die neuen Schulranzen stehen zu ihren Füßen. Ihre Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten und Geschwister sitzen weiter hinten. Ein Junge rennt zurück zur Mama, aber dann traut er sich doch nach vorne. Seine Klassenlehrerin, Leonie Hellwig, lächelt ihn an. Er darf während der Einschulungsfeier neben ihr sitzen.

Aufgeregt sind jedenfalls alle in der Turnhalle. Der sechsjährige Ayaz zum Beispiel ist schon seit 6.30 Uhr wach, weil er sich so auf den ersten Schultag gefreut hat. Als seine Mama Shabnam Yildiz ihm erzählt hat, dass sie erst um 13.30 Uhr in der Schule sein müssen, war er ganz enttäuscht. Lukas, ebenfalls sechs, hat schon seit Wochen mit seinen Freundinnen Schule gespielt – und stolz im Kindergarten seinen Ranzen präsentiert. Und Nele ist den neuen Schulweg schon mehrfach mit ihrer Mama abgelaufen. Die ist auch „sehr aufgeregt“ wegen des „neuen Lebensabschnitts“ ihrer ältesten Tochter. Neles Oma Sabine Neugebauer ist zudem sentimental: Vor 56 Jahren sei sie selbst in der Pragschule eingeschult worden, erzählt sie, damals hätten noch Baracken auf dem Gelände gestanden. Ob der eigene Sohn wohl gut startet? Das fragen sich derweil die Eltern vom sechsjährigen Jonah. Dem ist nämlich schon auf dem Schulhof gleich aufgefallen: „Hier gibt es aber mehr Kinder als in der Kita.“

Die Schulleiterin nennt die 1 a „unsere Miteinanderklasse“

Allein in der Pragschule werden an diesem Donnerstag 78 Erstklässler eingeschult. Stuttgartweit werden in der ersten Schulwoche 4592 Kinder in den 69 öffentlichen Grundschulen willkommen geheißen.

Weil in die Turnhalle der Pragschule nicht alle Erstklässler samt ihren Familien passen, macht die 1a an diesem Donnerstag den Anfang. Isabelle Hagel, die Schulleiterin, nennt sie „unsere Miteinanderklasse“: ein Teil der Kinder kommt halbtags, ein Teil ganztags in die Schule. Die beiden anderen Klassen sind Ganztagsklassen. „Schön, dass Ihr da seid“, begrüßt Isabelle Hagel die Kinder nach einer multireligiösen Feier. Was man da denn alles machen könne in der Schule? Da gehen schon die ersten Finger hoch: „Schreiben“, „Lesen“, „Mathe“, lauten die Antworten. Ja, das gebe es alles, aber auch noch viel mehr, wie Musik, Kunst und Sport, sagt die Schulleiterin, natürlich auch „Pausen zum Spielen“. Von der Schulleiterin erfahren die Kinder noch, dass sie nach ihrer ersten Schulstunde ihre jeweiligen Paten kennen lernen aus der vierten Klasse. „Die helfen euch, wenn ihr Fragen habt“, erklärt Hagel.

Dann ist der Feuchte-Augen-Moment da

Was lernt man in der Schule? Darum geht es auch im tierisch-menschlichen Theaterstück, für das die Zweitklässler viel Applaus bekommen. Und dann ist der Feuchte-Augen-Moment da: Die Kinder der 1a laufen mit Ranzen auf dem Rücken einer nach dem anderen unter der Schulfahne durch. So ist es Tradition in der Schule: Die Erstklässler werden auf diese Art willkommen geheißen, bei den Viertklässlern ist es das Abschiedsritual.

Die meisten Grundschulen feiern die Einschulung am Donnerstag und Freitag, aber auch am Samstag finden noch Einschulungsfeiern statt. Die Schulen dürfen das frei entscheiden. In der Martin-Luther-Schule werden die Erstklässler zum Beispiel erst am Samstag begrüßt – hier sind die Viertklässler noch fleißig am Proben für ihren Chorauftritt. In der Cannstatter Grundschule werden sogar 112 Kinder erwartet. Die Schule ist vierzügig. In jeder Klasse sitzen in diesem Schuljahr laut Schulleiter Markus Dölker 28 Kinder, mehr geht nicht. Für die Lehrkräfte bedeute die Feier am Samstag Zusatzarbeit, aber man bleibe dabei: „Dann stehen die Einser wirklich im Rampenlicht.“ Und auch die Eltern begrüßten den Termin sehr. Ob Donnerstag, Freitag oder Samstag – für die Kinder dürfte etwas anderes am wichtigsten sein: Hauptsache, sie sind endlich Schulkind.