Ohne neue Mitarbeiter muss der Lebensmittelmarkt im Weilimdorfer Stadtteil Wolfbusch Ende des Jahres seinen Betrieb einstellen. Wirtschaftlich steht er jedoch auf soliden Beinen – jetzt werden Gespräche mit dem Jobcenter geführt.
Die Nahversorgung im Weilimdorfer Stadtteil Wolfbusch könnte im kommenden Jahr nicht mehr gewährleistet zu sein, denn dem Bonus-Markt am Hubertusplatz droht das Aus. „Es ist eine rein personelle Geschichte“, sagt der Geschäftsführer Karsten Fischer. Ihm fehlen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bisher kamen die Beschäftigten für die acht Geschäfte in Stuttgart vom Jobcenter – vor allem Langzeitarbeitslose. Sie werden in den Bonus-Märkten ausgebildet und geschult, um nach durchschnittlich zwei bis drei Jahren in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden zu können. Allein im Oktober hat das sechsmal funktioniert, sagt Fischer. Und neue Kräfte kämen seit etwa einem halben Jahr keine mehr nach. „Wir brauchen pro Markt mindestens drei, besser vier Leute. Ende Dezember haben wir in Wolfbusch niemanden mehr.“ Dann müsste der Markt schließen. Damit das nicht passiert, findet am Mittwoch, 4. Dezember, ein Gespräch mit dem Jobcenter statt. „Die Chancen stehen 50:50“, sagt Fischer.
Wie wichtig das Angebot zum Einkaufen für den Stadtteil ist, zeigte sich schon bei der Eröffnung im Oktober 2017. Mehr als hundert Personen kamen. Sogar der damalige Oberbürgermeister Fritz Kuhn war dabei: „Zum ersten Mal überhaupt unterstützt die Stadt über die Mittel, die der Gemeinderat bewilligt hat, einen solchen Markt auch finanziell. Ohne das wäre es nicht gegangen. Aber das ist klug eingesetztes Geld“, sagte er damals. Mit der Anschubfinanzierung von 70 000 Euro wurden die technische Ausstattung und die Warenregale finanziert. Kuhn hob aber auch die Doppelfunktion des Bonus-Marktes hervor: „Er bietet ein volles Angebot für den täglichen Bedarf und beschäftigt Menschen, die große Schwierigkeiten am normalen Arbeitsmarkt haben.“ Zugleich machte der OB aber auch deutlich: „Der Stadtteil wollte diese Infrastruktur. Nun müssen Sie aber auch hier einkaufen! Am Ende entscheiden Sie als Bürger, ob sich der Markt halten kann.“
Auch der Gemeinderat hat sich eingeschaltet
Nach einem Jahr war klar: „Der Bonus-Markt hat inzwischen eine gewisse Flughöhe erreicht und trägt sich selbst“, sagte der städtische Stadtteilmanager Torsten von Appen. Und auch Karsten Fischer kam zu dem Schluss: „Dieses Pilotprojekt ist gelungen. Wir hatten am Anfang Schwierigkeiten mit den Kosten. Aber das haben wir justiert, und nun sind wir ganz im Plan.“ Auch heute gehe es nicht um wirtschaftliche Faktoren, wenn der Markt schließen müsse, betont Fischer gegenüber unserer Zeitung.
Mittlerweile hat sich auch der Gemeinderat eingeschaltet. Die ökosoziale Mehrheit im Gremium hat einen Antrag gestellt und möchte von der Verwaltungsspitze wissen, „ob man – falls man den Bonus-Markt Wolfbusch nicht erhalten kann – einen mobilen Bonus-Markt in den Wolfbusch schicken kann“. Denn: Lebenswerte Quartiere ohne eine funktionierende Nahversorgung seien undenkbar. „In der Vergangenheit haben wir uns mehrfach für den Erhalt von Nahversorgung in den Quartieren stark gemacht.“ Die Rettung des Bonus-Marktes in Wolfbusch sei „dringend angezeigt und die Stadt sollte alles in ihrem Wirkungskreis stehende tun, um die drohende Schließung zu verhindern“.