Christoph Achenbach vor seinem Laden im Königsbau. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Lederwaren Acker im Königsbau setzt in schweren Zeiten noch stärker auf Digitalisierung. Damit will er sich vor allem für das kommende Weihnachtsgeschäft vom stationären Handel unabhängiger machen.

Stuttgart - Die Zeit drängt. Weihnachten naht. Allerdings verbindet damit nicht jeder automatisch die Gedanken an die Geburt Jesu, das Fest der Familie oder einfach an eine besinnliche Zeit. Einzelhändler blicken eher mit gemischten Gefühlen auf die Advents- und Weihnachtszeit. Einerseits haben sie große Hoffnung, das missratene Geschäftsjahr durch gute Umsätze einigermaßen zu retten. Andererseits bleibt die bange Frage: Kommen die Kunden in den Laden? Und wie viel investieren sie in die Geschenke für ihre Lieben?

Achenbach wappnet sich vor weiteren Krisen

Mit diesen Gefühlen geht auch Christoph Achenbach von Lederwaren Acker im Königsbau in die Vorbereitungen. Und weil er damit rechnet, dass die Händler in der Innenstadt nicht mit Passantenfrequenzen der Vorjahre rechnen dürfen, muss er sich wappnen. Lederwaren Acker muss seinen digitalen Vertriebskanal ausbauen, er muss seine Aktivitäten im E-Commerce optimieren. „ich gehe nicht davon aus, dass in der Adventszeit ein Bus nach dem anderen aus der Schweiz kommt“, sagt er mit einer gesunden Portion Realismus. Und selbst dann, wenn die City viele Menschen anlockt, heißt das nicht automatisch, dass die Kasse klingelt. „Zuletzt war die Passantenfrequenz im Schnitt ein Drittel unter den Vergleichsmonaten“, sagt Achenbach, „allein der August war ein Ausreißer nach oben.“ Tatsächlich war die Stadt in dieser Zeit rammelvoll. Die Sache hatte nur einen Haken: „Weil andere Freizeitaktivitäten nicht oder schwer möglich waren, kamen die Leute halt in die Stadt, um zu flanieren.“ Gekauft wurde auch – oder insbesondere – im Internet.

Genau davon geht der Inhaber des Traditionsgeschäftes am Schlossplatz nun auch aus. Nämlich, dass große Umsätze im Netz gemacht werden. „Für uns bedeutet das: Wenn wir das Online-Geschäft bis zur Vorweihnachtszeit nicht professionell anbieten können, dann …“ In diesem Moment hält Achenbach inne und blickt versonnen auf sein IPad, ehe er sagt: „Ich will den Satz gar nicht ausführen.“ Frei interpretiert bedeutet das: Es geht ans Eingemachte.

Hoffen auf die Wirtschaftsministerin

Eigentlich ist es keine neue Wahrheit. Im Handel weiß auch der Letzte, dass es ohne eine Teilnahme am Online-Geschäft nicht mehr geht. Auch Lederwaren Acker sei in dieser Beziehung die vergangenen Jahre nicht auf der „Brotsuppe“ (Achenbach) daher geschwommen. Seit knapp 20 Jahren hat das Geschäft eine Internetpräsenz, seit ein paar Jahren sogar einen eigenen Web-Shop. „Und doch hat die Corona-Zeit uns allen noch einmal einen Schuss vor den Bug gesetzt. Uns wurde klar, wir müssen noch professioneller agieren. Wir waren zu lange dem stationären Denken verhaftet“, sagt er. Offenbar hat das die Wirtschaftsministerin des Landes, Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), erkannt. Sie kämpft in der Landesregierung um ein 40-Millionen-Paket, das zielgenau dem am stärksten von Umsatzeinbrüchen betroffenen Mode- und Lederwarenhandel bei der Digitalisierung helfen soll.

Christoph Achenbach öffnet daher seine Bürotür, um transparent zu machen, wo er das Geld einsetzt: Einerseits um seinen Web-Shop aufzumöbeln. Andererseits, um seine Social-Media-Aktivitäten auf ein professionelles Niveau zu bringen. „Natürlich haben wir schon vorher Beiträge auf Instagram oder Facebook gepostet“, sagt er, „aber wenn du das nicht richtig machst, bringt es nichts.“ Es fehlt die Nachhaltigkeit, die Zielgenauigkeit und der passende Inhalt. „Und irgendwann schläft die Sache ein, weil man es nicht nebenher machen kann“, sagt Achenbach und ergänzt, „angelegt ist so ein Account schnell, aber ihn sichtbar machen, zu pflegen und mit den anderen Plattformen zu verbinden, ist eine ganz andere Sache.“ Eine Sache für Agenturen. Eine Sache, die Geld kostet. Die aktuellen Investitionen liegen bei Lederwaren Acker im fünfstelligen Bereich.

„Aber es geht nicht anders“, weiß Achenbach. Nun sind seine Beiträge Suchmaschinen-optimiert, sein Sortiment ist auf den für ihn wichtigen Marktplätzen (Amazon, Taschen24.de) sichtbar und ein Profi bestückt die Social-Media-Kanäle mit Content. „Nur so lässt sich eine gute Verbindung zwischen On- und Offline erreichen“, sagt er. Denn schließlich konkurriere sein Unternehmen nicht mit Karl Häberle aus der Nachbargemeinde, sondern mit einem globalen Markt. Als Beispiel nennt er den klassischen Gutschein, ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Der Gutschein müsse absolut kompatibel sein. Er müsse im Laden und online zu kaufen sein – und auch im Laden sowie im Internet einlösbar sein. Nicht zuletzt müsse die Möglichkeit über die Socialmedia-Kanäle sichtbar sein. „Und genau das alles optimal zu verbinden, schafft nur ein Profi“, sagt er.

Warum er das nicht schon früher erkannt hat? Achenbach schmunzelt zunächst nachdenklich, macht dann aber aus seinem Herz keine Mördergrube: „Wir haben Fehler gemacht, auch auf die falschen Pferde gesetzt. Und am Ende auch nötige Investitionen gescheut.“ Nicht zuletzt deshalb hofft Christoph Achenbach, wie ganz viele Einzelhändler, dass das Digitalisierungspaket des Landes bald umgesetzt wird. Denn für alle gilt: die Zeit drängt. Das wichtige Weihnachtsgeschäft steht vor Tür.

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