In Oberaichen hat der Orkan "Sabine" die Fassade eines Gebäudes in der Wilhelmstraße abgerissen. Foto: SDMG

Der Winterorkan „Sabine“ fegt mit hohen Geschwindigkeiten über den Südwesten. Die großen Schäden bleiben jedoch aus. Den Kreis Esslingen trifft es sehr milde.

Esslingen (dcb/rab) Durch das Sturmtief Sabine ist es in der Nacht und am Morgen im Kreis Esslingen zu einigen Schäden gekommen. In Oberaichen (Leinfelden-Echterdingen) riss «Sabine» die Blechfassade eines Wohngebäudes ab. In Ostfildern-Scharnhausen musste die Feuerwehr anrücken, weil der Winterorkan ein Dach abgedeckt hatte. Auch in der Esslinger Obertorstraße wehte der Sturm Ziegel vom Dach. In Plochingen hat ein umgestürzter Baum den Berufsverkehr zum Erliegen gebracht. Einen Strommasten hat "Sabine" in Baltmannsweiler-Hogengehren umgelegt. Die Feuerwehr Hohengehren musste einen Baum auf der K1210 zwischen Baltmannsweiler und Weinstadt-Baach entfernen. Die Kreisstraße ist nun wegen Windbruchgefahr voll gesperrt. Gleiches gilt für die Römerstraße zwischen Aichwald und Esslingen-Jägerhaus. Ebenfalls gesperrt ist die Verbindungsstrasse zwischen Aichwald-Schanbach und Weinstadt-Struempfelbach. Dort hing ein grosser Baum ziemlich schräg in Richtung Straße.

Die Feuerwehr ist derzeit nach Angaben eines Sprechers zu vielen, aber eher kleineren Einsätzen unterwegs. Vielerorts seien Bauzäune, Verkehrszeichen, Müllbehälter und andere Gegenstände umgeweht worden. Nach Polizeiangaben gibt es in der Region bislang keine Verletzten.

Das Sturmtief, das mit Orkanböen von über 100 Stundenkilometern über Esslingen hinweggezogen ist, hat zahlreiche Bäume entwurzelt. Besonders betroffen sind laut einer Pressemitteilung des Esslinger Grünflächenamts die Hochflächen des Schurwaldes, wo viele Waldwege durch umgestürzte Bäume und abgebrochene Baumkronen blockiert sind. Der Fahrzeugverkehr auf den Landes- und Kreisstraßen war durch die konsequente Pflege der Waldränder im Stadtwald hingegen kaum beeinträchtigt. Das Grünflächenamt warnt vor Astbrüchen und umstürzenden Bäumen, die noch tagelang nach dem eigentlichen Unwetter auftreten können. Waldbesucher werden deshalb gebeten, die Wälder um Esslingen in den kommenden drei Tagen zu meiden und die Absperrungen an Waldwegen und -parkplätzen unbedingt zu beachten.

70 Einsätze in 22 Gemeinden

200 Einsätze zählte das Polizeipräsidium Reutlingen, das auch für den Landkreis Esslingen zuständig ist. Die Feuerwehren der Region hatten ebenfalls viel zu tun: Insgesamt gab es 70 Einsätze in 22 Gemeinden. Dabei wurden pro Kommune zwischen einem und 15 Einsätze verzeichnet. Obwohl die Anzahl der Notrufe recht hoch ist, fielen die Schäden wesentlich geringer aus, als befürchtet.

Sturm fegt gelbe Säcke durch die Gegend

Unglücklicherweise fiel der Sturm in Esslingen mit der Abfuhr der gelben Säcke zusammen. In einigen Stadtteilen verteilten zerfetzte Säcke ihren Inhalt über die Straßen. Vereinzelt hat der Wind auch Mülltonnen versetzt.

Bis Mittag fuhren keine S-Bahnen

Besonders der Schienenverkehr wurde in weiten Teilen des Landes massiv eingeschränkt. Bis Mittag fuhren in der Region Stuttgart auf allen Linien keine S-Bahnen. Nach Angaben des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) dauerten die Begutachtungen und Reparaturen auf den Strecken sehr lange. Kurz vor 12 Uhr nahm die S-Bahn wieder den Betrieb auf. Auch die Deutsche Bahn und die privaten Anbieter Abellio und Go-Ahead meldeten am Montagmorgen, dass in Baden-Württemberg bis auf Weiteres keine oder nur sehr eingeschränkt Züge fahren. Zehntausende Pendler kamen nicht zur Arbeit.

Viele Flüge am Stuttgarter Flughafen annuliert

Am Stuttgarter Flughafen wurden wegen der Wetterlage zahlreiche Flüge gestrichen. Der Flughafen informiert hier über Abflüge und Ankünfte.

Schüler bleiben vorsorglich zu Hause

Viele Klassenzimmer waren am Montag leerer als sonst. Nachdem das Kultusministerium es den Eltern für Montag freigestellt hatte, ob sie ihren Kindern den Schulweg bei Sturm zumuten können, waren viele Schüler vorsorglich daheim geblieben. Ob die Schüler zu Recht daheim blieben oder die Lage ausnutzten, darüber entstanden an vielen Schulen und in vielen Familien intensive Diskussionen.

35 Einsätze in Stuttgart

In Stuttgart ging es relativ ruhig zu: «In der Nacht bis 06.30 Uhr hatten wir etwa 35 Einsätze», sagte die Polizeisprecherin. Bei keinem davon entstand ein größerer Schaden, auch wurde niemand verletzt.

Schadensbilanz in Baden-Württemberg

Die Polizeipräsidien hatten es im Land mit zahlreichen Einsätzen zu tun: Straßen wurden gesperrt, Autos und Gebäude vom Sturm beschädigt, Lastwagen kippten um und es gab Verletzte - ein paar von ihnen auch schwer.

Bei Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) ist ein Baum auf das Dach eines Wagens gekracht. Ein Mensch wurde dabei verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Es bestand aber keine Lebensgefahr, sagte ein Polizeisprecher. In Eppingen (Kreis Heilbronn) ist ein Teil eines Lastwagens auf ein Auto gefallen, ein Mensch wurde schwer verletzt. Auf der Autobahn 81 kippte ein Lastwagen um. «Dabei wurde niemand verletzt», so ein Sprecher.

Das Polizeipräsidium Heilbronn stellte über den Morgen zahlreiche Einsätze fest: «Die kann man kaum noch zählen», sagte der Sprecher.

Dem Polizeipräsidium in Pforzheim wurden um die 40 umgestürzte Bäume sowie mehrere versperrte Straßen gemeldet. Auch wurden Stromleitungen abgerissen, so dass es kurzzeitig zu Stromausfällen kam.

Das Orkantief fegt seit den frühen Morgenstunden über Baden-Württemberg hinweg und bremst Zehntausende Pendler und Reisende aus: Mit teilweise orkanartiger Kraft zogen die Böen vor allem über den Schwarzwald. Auf dem Feldberg im Schwarzwald erreichten die Böen Geschwindigkeiten von mehr als 170 Stundenkilometern. Laut DWD sollte das Orkantief noch stundenlang weiter stürmen.

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