Beliebter Einstieg unter Einbrechern: über aufgehebelte Fenster oder Türen Foto: Gina Sanders/ stock.adobe.com

Zwei Männer versuchen in Häuser einzubrechen, scheitern aber auf ganzer Linie. Folgen haben die Taten dennoch – nicht nur für den nun mutmaßlichen Täter, auch für ein Ehepaar.

Fast zweieinhalb Stunden mussten Richter, Staatsanwalt und Verteidigung am Dienstagvormittag warten, bis die Dolmetscherin im Gerichtssaal erschien – doch dann entwickelte sich der Prozess vor der 18. Großen Strafkammer wegen versuchten Einbruchsdiebstahls und Körperverletzung erstaunlich zügig.

Ein 31-jähriger Angeklagter räumte über seine Verteidigerin Michaela Spandau die drei ihm vorgeworfenen Wohnungseinbruchsversuche im Wesentlichen ein.

Strafmilderung in Aussicht

Hintergrund war wohl auch, dass die Prozessbeteiligten zuvor zu einem Rechtsgespräch zusammengefunden hatten, bei dem zwar keine ausdrückliche Prozessverständigung zustande kam. Jedoch hatten Richter und Staatsanwalt erkennen lassen, dass sie ein Geständnis strafmildernd werten würden und mit dem Urteil unterhalb der von der Anklagebehörde angestrebten Strafe von vier bis viereinhalb Jahren bleiben würden.

Über Rechtsanwältin Spandau hatte der Angeklagte eingeräumt, in zwei Nächten Anfang Juni 2023 zusammen mit einem Komplizen drei Einbrüche in Häuser in Jettingen und Nagold versucht zu haben. Der erste Einbruch am 2. Juni gegen 23 Uhr in Jettingen scheiterte, weil ein Nachbar die beiden Männer beobachtete, wie sie versuchten, eine Terrassentür aufzuhebeln. Die Männer flohen, machten sich jedoch eine gute halbe Stunde später an einer Balkontür an einem weiteren Haus in Jettingen zu schaffen.

Die Hausbesitzerin wird an die Wand gestoßen

Dort drangen sie in das Gebäude ein, wurden jedoch von der damals 59-jährigen Hausbesitzerin gestört. Diese hatte Geräusche gehört und war ins Gästezimmer zu ihrem damals elfjährigen Enkel gegangen. Laut den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörde hatte einer der beiden Einbrecher anschließend die Frau gegen eine Wand gestoßen, sodass diese am Ellenbogen und Rücken Hämatome und Schmerzen erlitt.

Als der damals 70-jährige Ehemann zu Hilfe gekommen sei, habe einer der beiden Einbrecher den Mann am Hals gepackt und eine Treppe hinuntergestoßen, sodass dieser mit dem Hinterkopf aufschlug. Bevor die beiden Einbrecher durch ein Wohnzimmerfenster geflohen sein sollen und dabei sämtliche Blumentöpfe zu Boden warfen, soll es zu einer weiteren körperlichen Auseinandersetzung gekommen sein, bei der der 70-Jährige noch einmal am Hals gepackt und zu Boden geworfen worden sein soll. Folgen waren Schmerzen am ganzen Körper sowie Hämatome und Hautabschürfungen.

Der Angeklagte räumte ein, von einem Freund zu den Einbrüchen überredet worden zu sein. Beide Männer hätten gedacht, dass das Haus in Jettingen zu der Zeit nicht bewohnt gewesen sei. Als die Bewohner aufgetaucht seien, habe er einen Schock erlitten und nur noch fliehen wollen. „Er wollte nur so schnell wie möglich weg. Er hat aber niemanden gewürgt, gestoßen oder verletzt“, erklärte Rechtsanwältin Spandau für ihren Mandanten. Die Tat tue ihm unglaublich leid, er wolle sich bei den Betroffenen entschuldigen.

Der Eigentümer erschreckt die Täter

Der 31-Jährige räumte zudem unumwunden ein, dass sein Komplize und er am späten Abend des 9. Juni auch noch versucht hätten, in ein Haus in Nagold einzudringen. Als sie versuchten, die Terrassentür aufzubrechen, sei nicht nur ein Bewegungsmelder ausgelöst worden, sondern auch der Hauseigentümer wach geworden, sodass sie den Einbruch abgebrochen hätten und geflohen seien. Anschließend sei er in sein Heimatland zurückgekehrt.

Der Prozess wird am 12. August fortgesetzt, das Urteil soll am 18. August verkündet werden.