Ein Mann hat in Neuhausen (Kreis Esslingen) Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Sie wurden verhaftet. Doch eine solche Situation kann auch gefährlich werden. Das rät die Polizei.
Geräusche mitten in der Nacht. Ein Knacken. Schritte? Der Hausbewohner springt aus dem Bett. Tastet sich zum Flur vor. Und prallt erschrocken zurück. Ein Mann mit einer Sturmhaube über dem Gesicht durchwühlt gerade eine Schublade. Furchtbare Schrecksekunden! Doch Martin Raff von der Pressestelle der Polizei beruhigt: Solche Szenarien seien absolute Ausnahmen. Ertappte Einbrecher – das komme sehr selten vor. Doch in Neuhausen ist es kürzlich passiert.
Dort war ein Mann laut Polizei am Dienstag gegen 18.30 Uhr auf Langfinger gestoßen. Unbekannte hatten sich in seinem Haus in der Lindenstraße zu schaffen gemacht. Über eine Kellertür waren sie in das Gebäude eingedrungen. Der Mann rief die Polizei. Beide Tatverdächtige wurden nach ihrer Flucht vorläufig festgenommen. Sie sollen seit Ende November für Einbrüche auch in Esslingen-Rüdern, Wiflingshausen, Aichwald-Schanbach und -Aichschieß, Notzingen, Denkendorf sowie in Ebersbach im Kreis Göppingen verantwortlich sein .
Polizei rät: Wer Einbrecher ertappt, sollte sie fliehen lassen
Einbrecher auf frischer Tat überraschen – das passiert laut Martin Raff nicht oft. Die Kriminellen agierten lieber unbemerkt im Verborgenen, spähten Bewohner und ihre Gewohnheiten oft im Voraus aus, um unliebsame Begegnungen zu vermeiden. Zugeschlagen werde meist, wenn keiner zu Hause sei.
Komme es aber dennoch zu einem Zusammentreffen, dann hat die Polizei klare Verhaltenstipps: „Auf keinen Fall festhalten.“ Eine unvorhergesehene Eskalation könne die Folge sein. Besser sei es, so Martin Raff, den Täter fliehen zu lassen und sofort die Polizei unter 110 zu alarmieren. Falls es in der Stresssituation möglich sei, könnten sich Betroffene auch besondere Merkmale des Einbrechers einprägen und sie der Polizei melden.
Verhalten nach einem Einbruch: „Den Tatort unverändert lassen“
Schwäbischer Ordnungssinn mag seine Berechtigung haben. In solchen Fällen sei er fehl am Platz, betont Martin Raff. Nach einem Einbruch sollte nichts verändert, nichts angefasst, nichts aufgeräumt werden: „Den Läufer ausschütteln, weil der Einbrecher Dreck an den Schuhen hatte, ist keine gute Idee.“ Ein unveränderter Tatort erleichtere seinen Kollegen von der Spurensicherung die Arbeit. Durch so gewonnene Erkenntnisse könnten Zusammenhänge zwischen einzelnen Taten und mögliche ähnliche Vorgehensweisen von Einbrechern besser festgestellt werden. Tatverdächtige könnten so oft erfolgreicher ermittelt werden.
„Einbruchserie aufgeklärt“. Solche Schlagzeilen erwecken den Eindruck steigender Fallzahlen. Doch von Januar bis November 2025 seien die Einbruchszahlen im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres rückläufig, gibt Martin Raff eine Einschätzung ab. Genaue Zahlen würden aber erst zu Jahresende vorliegen. 2024 und 2023 hatte es laut polizeilicher Kriminalstatistik mit 217 Fällen exakt die gleiche Anzahl an Wohnungseinbrüchen im Kreis Esslingen gegeben. Ein Höchststand war 2020 mit 265 Delikten gemessen worden. 2021 war die Zahl mit 161 sehr niedrig gewesen. Die Schwankungen hängen laut Polizei von vielen Faktoren wie dem Anzeigeverhalten der Opfer oder technischen Sicherungsmaßnahmen ab. Entscheidend könne auch sein, ob ein bestimmtes Gebiet in das Visier von Serientätern geraten ist.
Einbrechern kann auch im Vorfeld einer Tat die Arbeit erschwert werden. Das Simulieren von Anwesenheit etwa durch das Leeren der Briefkästen durch einen Nachbarn könne abschreckend wirken. Wichtig sei aber auch, Türen beim Verlassen des Hauses nicht nur ins Schloss zu ziehen, sondern den Schlüssel herumzudrehen und sie richtig abzuschließen.