Gudrun Münch (Mitte) umgibt sich gern mit Menschen: Annette Seidt, Simon Dietz, Madleen Seidt, Felix Dietz, Alexander Dietz, Jakob Dietz und Rebecca Dietz (von links). Foto: Roberto Bulgrin

Mit dem Dorflädle hat der Aichwalder Ortsteil Krummhardt ein neues Zentrum erhalten. Gudrun Münch ist die gute Seele des Geschäftes und nominiert für den Ehrenamtspreis „Starke Helfer“ 2022 der Stiftung der Kreissparkasse und der Eßlinger Zeitung.

Wer durch Krummhardt spaziert, trifft zu manchen Tageszeiten keine Menschenseele in der Lindenstraße, der Hauptstraße des kleinen Aichwalder Ortsteils. Nicht so an diesem Dienstag kurz nach 17 Uhr. An dem kleinen Platz bei der alten Linde ist Leben: Das Dorflädle hat geöffnet. Vor dem Geschäft sitzt eine kleine Gruppe – und mittendrin Gudrun Münch, Gründungsmitglied des Trägervereins und dessen Schriftführerin. Die schmale 73-Jährige ist von Vereinskolleginnen für den Ehrenamtspreis „Starke Helfer“ der Stiftung der Kreissparkasse (KSK) und der Eßlinger Zeitung (EZ) nominiert worden. Warum? „Gudrun ist das Herz“, sagt Annette Seidt, Mitglied und Verkäuferin, die an diesem Tag gemeinsam mit Tochter Madleen (7) da ist.

Immer wieder kommt jemand vorbei, um etwas zu kaufen oder mit der Gruppe am Dorfplatz zu schwätzen. „Wir sitzen oft hier, im Sommer vor allem, wenn die Kinder sich ein Eis kaufen“, berichtet Rebecca Dietz, ebenfalls ehrenamtliche Dorflädle-Verkäuferin und mit ihren Söhnen Felix (7), Simon (5) und Jakob (3) sowie Mann Alexander da. Der Trägerverein des Dorflädles ist 2006 gegründet worden, weil es kein Lebensmittelgeschäft in Krummhardt mehr gab. Die Räume des früheren Kolonialwarenladens am Dorfplatz gerieten in den Blick. Sie waren mittlerweile im Besitz von Dennis Münch, Sohn von Gudrun Münch. Auf Vorschlag des Hauptamtsleiters der Gemeinde Aichwald, Stefan Felchle, wurde das Geschäft in ehrenamtlicher Trägerschaft auf die Beine gestellt.

Das Lädle als Zentrum des Dorfs

Ursprünglich vor allem als wohnortnahes Angebot für die älteren Einwohner gedacht, wird das Lädle mittlerweile von Kunden aller Altersklassen vor allem für den ergänzenden Einkauf genutzt: Wenn das Klopapier ausgegangen ist oder die Butter müssen die Krummhardter nicht mehr ins Auto steigen, um nach Schanbach oder Esslingen zu fahren. „Das Highlight ist, dass man die Kinder am Wochenende morgens zum Brötchen holen schicken kann“, ergänzt Rebecca Dietz. Und hin und wieder trifft man sich auch mal auf ein Bier.

Das Lädle ist nicht nur ein Laden. „Es ist so ein bisschen das Zentrum des Dorfes“, sagt Claudia Schiebel, die einige Minuten später zur Gruppe stößt. Sie ist langjähriges Mitglied des Vereins, Einkäuferin sowie Vorgängerin Münchs als Schriftführerin. Und das Lädle ist Ausdruck einer wieder erstarkenden Dorfgemeinschaft. Gudrun Münch und Ehemann Peter erinnern sich: Die beiden Stuttgarter waren 1978 nach Krummhardt gekommen, wo sie einen günstigen Bauplatz fanden. Damals hatten die alteingesessenen Dorfbewohner und die Städter aus den Neubaugebieten kaum etwas miteinander zu tun. Erst Ende der 1990er mit der Gründung des Kulturvereins Krummhardt, der unter anderem das Goldgelb-Festival ausrichtet, seien sie zusammengewachsen. „Erst damals haben wir andere Leute im Ort kennengelernt“, sagt Gudrun Münch. Die Gründungsmitglieder des Dorflädles seien zuvor bereits alle im Kulturverein gewesen. Schätzungsweise das halbe Dorf sei Mitglied im Trägerverein.

Engagiert nicht nur im Lädle

Münch selbst ist es unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen und für den Preis nominiert zu sein. Immer wieder betont sie, dass nicht sie allein für alles verantwortlich sei und nicht alle Ideen von ihr stammten. „Es gibt auch andere“, meint sie. Doch die Runde am Dorfplatz singt ein ausgelassenes Loblied auf die Schriftführerin des Lädle-Vereins. „Die beste Idee taugt nichts, wenn sie niemand umsetzt“, sagt Claudia Schiebel. Münch sei die Herdplatte des Lädles, ohne sie gehe gar nichts. Sie sei es, die die vereinsinternen Feste und Veranstaltungen organisiere. Sie sei es, die in der Coronazeit 52 Impftermine für Dorfbewohner organisiert habe und einen Einkaufs- und Abholdienst in der Zeit, als das Lädle zum Schutz der Helfer schließen musste. Münch habe eine Wohnung für eine Mutter und ihren Sohn aus der Ukraine und ein Fest für die Flüchtlingsfamilien in Krummhardt organisiert. Und nicht zuletzt sei sie es, die immer wieder neue Verkäufer und Vereinsmitglieder anwerbe. Und den neuen Helferinnen erkläre sie immer, dass im Lädle zu verkaufen auch eine soziale Komponente habe: Man müsse mit den Leuten schwätzen.

Und Gudrun Münch? Die lobt ihrerseits zurück, sie habe so viele tolle Menschen um sich rum, das begeistere sie. Ob sie jemals keine Lust habe? „Auf’s Lädle? Ne!“, sagt die 73-Jährige. Außer vielleicht, wenn es um die Morgenschicht am Wochenende gehe – das sei so früh.

Der Ehrenamtspreis

Initiatoren
 Der Ehrenamtspreis „Starke Helfer“ wird von der Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen zusammen mit der Eßlinger Zeitung ausgeschrieben. Mit der Auszeichnung sollen der Gedanke der Wertschätzung und Unterstützung Ehrenamtlicher gefördert werden. Die Preisträger werden von einer Jury aus Vertretern der KSK und der EZ ermittelt.

Preisträger
 Die Stiftung der KSK stellt 20 000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Die Gewinner werden zu einer Abschlussveranstaltung im Herbst eingeladen, sofern die Pandemie es zulässt.

Das Dorflädle
 Nur Mitglieder des Trägervereins können einkaufen. Etwa 25 Aktive holen in Discountern und bei regionalen Erzeugern Waren und verkaufen sie zum Einkaufspreis.