Sabine Schaible, Frank Deuschle, Sabine Deuschle, Sonja Grammlich, Eva Klein, Doris Epple und Bürgermeister Ralf Barth (v.l.) Foto: urh

Nach zehn Jahren sind viele Flüchtlinge in Denkendorf integriert. Das engagierte Betreuungsteam hat seine Angebote zurückgefahren, das Café ist geblieben.

Es ist das einzige Angebot, das vom ursprünglich breiten Spektrum der ehrenamtlichen Betreuung von Flüchtlingen geblieben ist. Seit zehn Jahren ist das „Moca“ als monatliches Treffen bei Geflüchteten beliebt. An den Café-Montagen können sie sich bei Kaffee und Kuchen austauschen, von den Ehrenamtlichen Rat holen oder gemeinsam spielen.

Wie in vielen Orten hat sich mit der großen Flüchtlingswelle 2015 auch in Denkendorf rasch ein ehrenamtlicher Betreuungskreis zusammengefunden. Rund 80 Aktive seien es im Betreuungskreis Flüchtlinge Denkendorf (BFD) zu Spitzenzeiten gewesen, erinnert sich Frank Deuschle, einer der Ehrenamtlichen der ersten Stunde. Es gab neben der Begleitung etwa zu Ärzten und Behörden zahlreiche Sprachangebote, eine Kleiderkammer, eine Fahrradwerkstatt und eben das Montagscafé „Moca“, das jetzt sein zehnjähriges Bestehen feierte.

Anfangs fand es in der Pfarrscheuer im Klosterhof statt, später zog es in die Flüchtlingsunterkunft in der Robert-Bosch-Straße und war immer gut besucht, wie sich Deuschle erinnert. Die bis zu 50 regelmäßigen Besucher waren damals hauptsächlich arabische Männer. Sie konnten neben dem geselligen Treff im Gespräch mit den rund 20 Ehrenamtlichen, die das Café organisierten, ihre Anliegen loswerden und etwa Hilfe beim Ausfüllen von Behördenanträgen bekommen. Irgendwann sei der Bedarf an Unterstützung jedoch abgeebbt, erzählt Deuschle. Und auch das Interesse an gebrauchten Fahrrädern und Kleidung sank, die Geflüchteten besuchten nun Sprachkurse an der VHS. „Auch das Moca war als Treffpunkt für die Männer nicht mehr so attraktiv“, sagt Deuschle. „Mit zunehmender Zeit merkten wir, dass wir uns dem Bedarf anpassen müssen.“

Vieles läuft auf privater Ebene ab

Fahrdienste, Beratung und Begleitung zu Behörden oder bei Arztbesuchen übernehmen inzwischen überwiegend die beiden Integrationsmanagerinnen der Gemeinde. Oder sie laufen auf privater Ebene weiter, wenn dauerhafte Beziehungen zwischen Ehrenamtlichen und Geflüchteten entstanden sind. Zwei arabische Männer finden etwa bei Familie Deuschle offene Türen, wenn sie Fragen haben. Auch Sprachkurse seien lange noch privat weitergelaufen. Viele Geflüchtete der ersten Jahre hätten inzwischen Arbeit, etliche sogar einen deutschen Pass, so Deuschle.

Die Ehrenamtlichen hätten sich auch bemüht, die Geflüchteten bei der Suche nach Arbeit oder Ausbildungsmöglichkeiten zu unterstützen, erzählt Frank Deuschle. Er weiß um viele Erfolgsgeschichten. Einer der ersten Ankömmlinge, ein junger Kurde aus Syrien, hat hier soziale Arbeit studiert und arbeitet nun beim Landratsamt. Ein anderer Geflüchteter setzte auf seinen syrischen Bachelor- einen Masterabschluss drauf und arbeitet nun als Ingenieur. Doch auch durch eine Ausbildung in Handwerk oder Pflege haben viele Fuß gefasst, weiß Deuschle. Ein örtlicher Malerbetrieb etwa ist glücklich über einen jungen Mann, der nun als ausgebildeter Facharbeiter das Team unterstützt.

Menschen aus der Ukraine gründen Chor

Ende 2019 habe man mangels Nachfrage die Arbeit des BFD „quasi schlafengelegt“, sagt Deuschle. Geblieben ist das Moca, das nach der Corona-Pandemie mit den inzwischen in Denkendorf angekommenen ukrainischen Geflüchteten wieder einen Aufschwung nahm. Fünf Frauen – Sabine Deuschle, Doris Epple, Sonja Grammlich, Eva Klein und Sabine Schaible – organisieren inzwischen im CVJM-Vereinshaus das monatliche Treffen, zu dem regelmäßig rund 30 Gäste kommen. Die Ukrainer seien stärker an einem Miteinander interessiert und brächten sich selbst ein, hat Deuschle beobachtet. So hat sich etwa aus dem Moca heraus ein ukrainischer Chor gebildet, der auch in der Kirche auftritt.

Hat man es in Denkendorf im Sinne von Angel Merkels geflügelten Wort nun geschafft? „Wenn man es daran misst, dass sie Arbeit haben und die Sprache einigermaßen beherrschen, dann ja“, sagt Deuschle. Fasse man den Integrationsbegriff weiter und betrachte die Einbindung in die Gesamtgesellschaft, sei es schon nicht mehr so eindeutig. „Doch die meisten bemühen sich, sich zu integrieren.“ Auch der Bürgermeister Ralf Barth, der zum Jubiläum ins Moca gekommen war, sieht im Ort ein gutes Miteinander. „Der Zusammenhalt in Denkendorf ist extrem hoch, auch wenn das organisierte Ehrenamt zurückgegangen ist.“ Er sehe vor allem gute Chancen der Integration für die zweite Generation der Geflüchteten, die jetzt Kitas und Schulen besuchten.

Aktuelle Situation

Kommunale Unterkünfte
Aktuell sind die 161 Plätze für Geflüchtete in kommunalen Unterkünften nahezu belegt. Darunter sind 47 ukrainische Flüchtlinge. Derzeit hat die Gemeinde acht Flüchtlingsunterkünfte. Gut 100 Plätze kommen mit einer weiteren Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft im ehemaligen Hotel Bärenpost hinzu.

Herkunft
Das wichtigste Herkunftsland von Geflüchteten in Denkendorf ist neben der Ukraine Syrien. Auch Geflüchtete aus der Türkei oder mit ungeklärter Staatsangehörigkeit leben im Ort. Stark rückläufig ist laut Verwaltung die Zahl der gambischen, irakischen und afghanischen Flüchtlinge.

Integrationsangebote
Die Gemeinde hat zwei Integrationsmanagerinnen für die Betreuung der Flüchtlinge engagiert. Zu ihren Hauptaufgaben gehört, die Menschen in Ausbildung oder Arbeit zu bringen, Hilfe und Beratung bei Behördengängen sowie die Begleitung zu Arztterminen und Gerichtsverhandlungen. Bei Familien mit schulpflichtigen Kindern wird Kontakt mit den Schulen aufgenommen.