Foto: urh/Ulrike Rapp-Hirrlinger

Nach fast 30 Jahren verlässt Anne Demuth die Katholische Nachbarschaftshilfe. Sie will sich an anderer Stelle dem Thema Demenz widmen.

Denkendorf - Fast drei Jahrzehnte hat sich Anne Demuth in der Katholischen Nachbarschaftshilfe in Denkendorf engagiert – zunächst als Helferin, seit 2003 als Einsatzleiterin. Nun will sich die 60-Jährige neu orientieren. Zum 1. Mai wird die Nachbarschaftshilfe vom Evangelischen Krankenpflegeverein übernommen. Das sei ein guter Zeitpunkt, um die berufliche Veränderung in die Tat umzusetzen, sagt Demuth.

Mit Menschen umzugehen und sich sozial zu engagieren, hat der gebürtigen Saarländerin immer Freude gemacht. „Das ist familiär bedingt“, verrät sie. Als sie 1991 nach Denkendorf zog, weil ihr Mann hier eine neue Stelle antrat, sah sich die junge Mutter nach einer ehrenamtlichen Betätigung um. In der Nachbarschaftshilfe fand sie die Möglichkeit, sich in dem Maße einzubringen, wie es mit einer kleinen Tochter möglich war. Später wurde ein Sohn geboren. Je größer die Kinder wurden, umso mehr Aufgaben übernahm Anne Demuth in der Nachbarschaftshilfe, die vor allem hauswirtschaftliche Unterstützung und Alltagsbegleitung anbietet. 2003 wurde ihr die Einsatzleitung angetragen. Nun absolvierte sie keine direkten Einsätze mehr in den Häusern. Vielmehr nahm die Verwaltungsarbeit mit Dienstplänen und Abrechnungen einen großen Teil ihrer Zeit ein. Doch den Kontakt mit den Klienten ließ Demuth nicht abreißen. „Ich hatte weiterhin viel mit den Menschen zu tun“, erwähnt sie Hausbesuche sowie den Austausch mit Angehörigen und Mitarbeitenden. Gerüstet hatte sie sich für die neue Aufgabe mit Aus- und Fortbildungen.

Ein Platz in der Gesellschaft

„Immer auf dem Laufenden bleiben“, blieb auch in den folgenden Jahren ihre Devise. Als Demuth feststellte, dass immer mehr Menschen mit Demenz oder psychischen Erkrankungen Unterstützung durch die Nachbarschaftshilfe brauchten, legte sie darauf besonderes Augenmerk. Sie baute einen eigenen Betreuungs- und Besuchsdienst für an Demenz Erkrankte auf. Außerdem schulte sie die Helferinnen für dieses besondere Arbeitsfeld, das stetig erweitert wurde. Immer mehr wuchs ihr das Thema Demenz ans Herz. Sie ließ sich zur Demenzbegleiterin ausbilden und absolvierte zahlreiche Fortbildungen unter anderem bei der Alzheimer-Gesellschaft. „Ich habe gesehen, was Angehörige alles durchmachen“, beschreibt sie deren Not. „Es ist mir wichtig, dieses Thema in die Gesellschaft zu tragen“, betont Demuth. Damit Menschen mit Demenz einen Platz in der Mitte der Gesellschaft haben, rief sie gemeinsame Angebote für Menschen mit und ohne Demenz ins Leben, initiierte Feste, den Sinnesgarten hinter dem Rathaus oder Kunstführungen und brachte alte Menschen, Kinder und Jugendliche in Kunstprojekten zusammen. Dass sie selbst eine leidenschaftliche Malerin ist, kam Demuth dabei zu Gute.

Der Umgang mit demenziell Erkrankten bereichert Demuths Leben. „Das Strahlen in ihren Augen, wenn man Menschen erreicht, und sei es nur für einen Moment, ist wunderbar“, sagt sie. Dass sie leicht Zugang zu anderen Menschen findet, führt Demuth auch auf ihre tiefe Verwurzelung im Glauben zurück. Für Menschen über alle Konfessionen hinweg unterwegs zu sein, ist ihr ein Anliegen. „Jeden so anzunehmen, wie er ist, das hat mein Menschenbild geprägt“, erzählt sie. Es gehe darum das Gegenüber in all seinen Einschränkungen als vollwertige Person zu sehen. „Nicht den Mangel, sondern das, was noch da ist, wahrzunehmen“, ist ihr im Umgang mit anderen eine wichtige Maxime. Ihr soziales Anliegen sei schon immer in der eigenen Religiosität gegründet gewesen. Und diese gibt ihr auch innere Ruhe. „Wenn man bei sich selbst angekommen ist, spüren das andere und ich kann sie erreichen.“ Und so öffneten sich ihr Menschen rasch. „Gerade Menschen mit Demenz erreicht man gut über die Gefühlsebene“, erklärt sie.

Demuth setzt Kunstführungen fort

Die Nachbarschaftshilfe mit ihren hauswirtschaftlichen Diensten wie Kochen, Einkaufen, Wäsche und im begrenzten Maß auch Putzen sei ein wichtiger Einstieg in weitere Betreuung oder Pflege, erklärt Demuth. Die Helferinnen in den Haushalten erführen früh, wenn weitere Unterstützung nötig werde oder gut tue, so Demuth. Deshalb habe man schon immer eng mit dem Krankenpflegeverein zusammengearbeitet. Künftig sind nun alle Unterstützungsangebote unter einem Dach.

Für Anne Demuth geht es an anderer Stelle weiter. „Ich will auf jeden Fall im Demenzbereich neue Ideen entwickeln“, kündigt sie an. Und auch Bewährtes soll weitergehen, wie etwa besondere Gruppen, die motorisch, kognitiv und spirituell anregen. Auch ihre Kunstführungen für Menschen mit Demenz oder das offene Atelier im Generationentreff will sie fortsetzen. Immer wieder lud sie im Martin-Luther-Pflegezentrum die Bewohner dazu ein, selbst künstlerisch aktiv zu werden. Und Demuth freut sich, dass sie künftig mehr Zeit für ihre Malerei hat. In ihren abstrakten Bildern experimentiert sie gerne mit Naturmaterialien und verschiedenen Techniken. Auch beruflich werde eine neue Tür aufgehen, ist sie sicher.

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