Anabelle Besa hat das ehemalige Café Stolz in der Fellbacher Bahnhofstraße übernommen – die gelernte Konditormeisterin hat es in fünf Wochen neu gestylt und ihm den Namen „Lillesøster“ gegeben. Foto: Sachsenmaier/Stoppel

Nach kurzer Pause hat das ehemalige Café Stolz in Fellbach jetzt wieder geöffnet. Konditormeisterin Anabelle Besa bietet verführerische Törtchen-Kreationen und Kuchenspezialitäten.

In der ehemaligen Konditorei Stolz in Fellbach duftet es wieder verführerisch nach Kaffee und frischem Gebäck. In der Theke stehen kleine, elegante, fruchtig dekorierte Törtchen neben Mürbeteigkuchen – unter anderem Apfel, Johannisbeere oder Käse – und einer hohen, sahnig-schokoladigen Schwarzwälder Kirschtorte. „Alles, was Sie in der Auslage sehen ist, selbst gemacht“, sagt die junge Konditormeisterin Anabelle Besa und strahlt. Besa hat sich ihren Traum vom eigenen Café an der Ecke Bahnhof-/Königstraße in Fellbach erfüllt. Sie nennt es „Lillesøster“ – kleine Schwester. Hygge – Willkommen – steht in großen Lettern an der Wand.

Für die 28-Jährige ist es der mutige, aber gut vorbereitete Schritt in die Selbstständigkeit, die Weiterführung einer Tradition. Früher gab es an dieser Stelle das Café Siegle, aber das ist mehr als 25 Jahre her. Danach hat das Konditorenpaar Stolz die Menschen aus Fellbach und weit darüber hinaus mit Kuchen, Torten und selbst gemachten Pralinen verwöhnt. Ende Mai dieses Jahres sind die beiden in Ruhestand gegangen. Nun tritt Anabelle Besa, die übrigens die Nichte von Punkrocker Lars Besa ist, in ihre Fußstapfen. „Ich bin sozusagen die dritte Generation“, sagt sie – auch wenn zu den Vorgängern keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen bestehen.

Das Ehepaar Stolz mit Anabella Besa bei der Übergabe der Konditorei. Foto: Gottfried Stoppel

Besa hat über eine Freundin von dem frei werdenden Café erfahren. Und wusste gleich, „das ist meine Chance, das ist das, was ich will“. Ihr Traum und Wunsch, sich nach der Meisterprüfung, sie hat sie 2023 abgelegt, selbstständig zu machen, bestand nämlich schon länger. Die Chemie zwischen den Stolzens und ihr habe sofort gestimmt, die 28-Jährige übernahm von ihren Vorgängern sogar Personal: Uwe Cronjäger arbeitet mit ihr, einer Gesellin und zwei Teilzeitkräften in der Backstube über dem Ladengeschäft „bis zu seiner Rente im kommenden Jahr“. Für die junge Chefin, die aus Leutenbach stammt, ist das ein Glücksfall. Cronjäger kennt die Kuchenrezepte von Jürgen Stolz, Besa darf sie weiter verwenden. Auch ein Mitglied der Familie Siegle habe schon vorbeigeschaut, sich über das Weiterleben de Cafés gefreut und ebenfalls angeboten, Besa Rezepte zu überlassen.

Positives Feedback von Stammkunden im Fellbacher Café

Schon jetzt reagiert die Kundschaft freudig, wenn die in der Auslage ihren „Lieblingsapfelkuchen“ wiederentdeckt. Ein Herr sah beim Vorbeifahren, dass Licht brennt, hielt an – und freute sich beim Eintreten überschwänglich, dass „mein Café wieder offen hat“ und dass die Bedienung hinter der Theke dieselbe geblieben ist. Begebenheiten dieser Art gebe es öfter, erzählt Anabelle Besa. „Ich bin sehr gut aufgenommen worden, es gibt viele positive Feedbacks.“

Positiv reagiere die Kundschaft auch auf ihre Törtchen-Kreationen. Eine vielversprechende Augenweide – die Tarte au citron sieht wunderbar sommerlich und leicht aus, Himbeer-Schoko oder Maracuja mit weißer Schokolade sind ebenfalls verlockend. Anabelle Besa achtet auf regionale Zutaten, verwendet Rindergelatine und erklärt, dass sie zudem an Rezepten ohne Gelatine arbeite, um auch die vegane Kundschaft bedienen zu können.

Sie hat hohe Ansprüche an die Qualität, kennt aber auch ihre Grenzen. Das Smørrebrød etwa – belegt mit Lachs, Salami oder Tomate und Mozzarella – bezieht sie aus einer Spezialbäckerei. „Das kann ich nicht selber backen, der Aufwand wäre zu hoch“, sagt sie. Die Bäckerei, von der sie die Brötchen bezieht, wenn es ab August bei der „Kleinen Schwester“ auch Frühstück gibt, hat sie in Waiblingen gefunden.

Wenn die Temperaturen es erlauben, will Anabelle Besa auch Pralinen herstellen. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv

Sobald die Temperaturen es zulassen, wird sie auch mit der Pralinenherstellung beginnen. Im Moment ist der „gläserne Turm“ neben der Kuchentheke noch leer. Anabelle Besa will einen Schritt nach dem anderen tun. Sie achtet sehr auf Nachhaltigkeit. Auch bei der Gestaltung der Räume war ihr das eine Anliegen. Die Ladeneinrichtung, die sie vorgefunden hat, sei sehr hochwertig und aus Vollholz. Daher ist sie glücklich, einen Handwerke gefunden zu haben, der ihr das dunkle Holz mit Folie überkleben und aufhellen konnte. Die Sofas wurden neu gepolstert. Weiße Stühle, hellgrüne Sitzkissen, rosafarbene Clubsessel und eine kuschelige Kaminecke geben den Räumen einen skandinavischen Touch.

Eine Schwäche für Skandinavien

„Ich habe eine Schwäche für Skandinavien und Astrid Lindgren“, erzählt die junge Unternehmerin – was auch den Namen Lillesøster erklärt. Eine kleine Schwester gibt es im Leben von Anabelle Besa zwar nicht, aber in einer Erzählung von Astrid Lindgren kommt der „kleine Bruder“ vor. Weil das aber wohl kein passender Name für ein Café sei, habe sie sich für die kleine Schwester – „Lillesøster“ – entschieden.

Die Räume haben einen nordischen Touch bekommen. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Die Arbeitstage der 28-Jährigen sind lang, meistens werden zwölf Stunden. Um sechs Uhr morgens steht sie in der Backstube, um neun Uhr öffnet sie den Laden und schließt ihn um 18 Uhr. Dann wartet viel Bürokratie, bald wird es auch Fotos von Hochzeits- und Festtagstorten im Netz geben. Einige Hochzeitstorten hat sie seit ihrer Geschäftseröffnung am 5. Juli schon ausgeliefert. „Torten zu kreieren, macht richtig Spaß“, sagt Anabelle Besa. Und ihre Augen leuchten, wenn sie erzählt, wie die mehrstöckigen Kunstwerke entstehen.

Der Weg zum eigenen Café

Laufbahn
Anabelle Besas Berufswahl ging ein Praktikum bei der Bäckerei Schöllkopf in Waiblingen voraus. Gelernt hat sie bei der Bäckerei Weller in Backnang, mehrere Jahre hat sie auf Sylt gearbeitet. Im Alter von 28 Jahren machte sie sich nun selbstständig. Den Kaffee bezieht sie aus einer kleinen Rösterei in Herrenberg, „die stellen uns auch die tolle Siebträgermaschine“.

Öffnungszeiten
Das Café in der Königstraße 1 in Fellbach hat jeden Tag, außer Montag, von 9 bis 18 Uhr geöffnet. www. lillesoester-cafe.de