Hans Hacker setzt in drei seiner vier Edeka-Märkte im Kreis seit Kurzem Putzroboter ein. Das soll die Personalnot mildern. Die Kunden reagieren positiv – vor allem Kinder.
Eine Seniorin schiebt gedankenverloren ihren Einkaufswagen durch die Gänge des Grafenauer Edekas. Plötzlich wuselt ein kleines Etwas, das ein bisschen wie ein rollender Mülleimer aussieht, vor ihr herum. „Hallo, ich bin Hilde und ich putze hier“, sagt es. Die Seniorin lacht überrascht auf und schaut dem hüfthohen Ding amüsiert hinter her.
Hilde ist einer von drei Reinigungsrobotern, die seit Januar in den Hacker-Edeka-Filialen in Altdorf und Grafenau täglich ihre Runden drehen. In Weil im Schönbuch läuft der Einsatz bereits seit Oktober.
Putzroboter bei Edeka: Aus der Not geboren
„Das Personal ist einfach knapp. Man bekommt für diese Tätigkeit kaum noch Mitarbeitende“, sagt Geschäftsführer Hans Hacker. Er betont, dass es nicht darum gehe, menschliche Arbeitskräfte durch Maschinen zu ersetzen. Mit seinem Familienunternehmen beschäftige der 65-Jährige auch weiterhin noch eine Putzkolonne – nur eben nicht mehr an jedem Tag. „Jeder beschwert sich nur, aber machen will den Job auch keiner“, stellt er fest.
„Jeder beschwert sich nur, aber machen will den Job auch keiner.“
Hans Hacker Marktgeschäftsführer
Der Job besteht aus Saugen, Wischen, Kehren und Schrubben. All das machen die vollautomatischen Putzhilfen von Montag bis Samstag an jedem Morgen von etwa sieben bis neun Uhr. „Jetzt im Winter, wenn die Böden stark verschmutzt sind, fahren sie manchmal auch mehrmals am Tag“, sagt Hacker, der seine vier Märkte als Mitglied des genossenschaftlich organisierten Edeka-Verbunds als selbstständiger Eigentümer führt.
Putzroboter arbeiten komplett eigenständig
Ihren Akku laden die Roboter eigenständig an der Steckdose. Auch ihr Wischwasser füllen sie ohne menschliche Hilfe wieder auf. Einmal pro Woche schaue ein Mitarbeiter der Berliner Herstellerfirma vorbei, um nachzuschauen, ob bei den Blechkameraden auch alles in Ordnung ist.
Weil in der Hacker-Filiale in Waldenbuch der entsprechende Wasseranschluss fehlt, ist laut Hacker dort bisher kein Roboter im Einsatz. Außer in seinen Märkten sei ihm im Kreis noch kein anderer Edeka bekannt, der auf automatisierte Putzkräfte setze. Das mag vielleicht auch an den Investitionskosten liegen. Auf einer Händler-Homepage ist der Stückpreis für einen „PUDU CC1 Reinigungsroboter“ mit 18 950 Euro aufangegeben.
Anstelle der Modellbezeichnung hat man bei Hacker den Maschinen Namen gegeben. „Wir haben die Hilde, in Weil im Schönbuch putzt der Oli und in Altdorf die Turbo-Tina“, erzählt eine Mitarbeiterin im Grafenauer Edeka. „Die Kunden reagieren bisher alle sehr positiv auf den Roboter“, berichtet sie. Per Handy hat sie Hilde aus ihrem nachmittäglichen Stromladeschläfchen geweckt und lässt sie für eine kleine Vorführung ein paar Runden drehen.
Die Testvorführung zeigt: Die Hilde ist keine Wilde
Dabei zeigt sich ganz schnell: Die Hilde ist keine Wilde. Gerät sie an einen Einkaufswagen oder ein menschliches Bein, fährt sie vorsichtig drum herum oder bleibt erst einmal stehen. „Ja, die sind völlig sicher“, sagt Hans Hacker und erzählt davon, wie sein einjähriger Enkel im Laden begeistert um den Roboter herum tapse und es dabei noch nie zu einem Rempler gekommen sei.
Vielleicht liegt es an den zwei weißen Kringeln auf dem Touchdisplay, die ein bisschen wie Augen aussehen, vielleicht weckt der automatische Rollmopp auch Erinnerungen an den schrill-piepsenden Droiden R2D2 aus „Star Wars“ – in jedem Fall scheint der putzige Putzomat auf Kinder eine große Anziehungskraft auszuüben.
Als eine Mutter mit ihren beiden Töchtern an dem Wischroboter vorbeikommt, quietschen die Kleinen vor Vergnügen, springen darum herum und borgen sich noch schnell Mamas Handy: für ein Selfie mit Hilde.