Die Journalistin Dunja Hayali in der Filderhalle Foto: Brändli

Dunja Hayali begeistert in der ausverkauften Filderhalle mit Einblicken in ihre Arbeit und persönlichen Geschichten. Warum der Abend in Leinfelden-Echterdingen so besonders war.

Ein außergewöhnlicher Gast war am Donnerstagabend in Leinfelden-Echterdingen: die Journalistin Dunja Hayali. Die Filderhalle war restlos ausverkauft, auch der Sicherheitsaufwand war ungewöhnlich groß: rund um die Halle, aber auch drinnen während der Veranstaltung. Ein Umstand, welcher der Journalistin selbst schwer zu schaffen macht, wie sie eingestand. Denn es ist ihre Stärke, Stellung zu beziehen mit möglichst klaren und verständlichen Argumenten. Das machte sie mehrfach deutlich im Verlauf der gut zwei Stunden währenden Veranstaltung. Und das war es auch, was das Publikum begeisterte an diesem Abend.

Dunja Hayali gehört zu der Journalistenriege des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die schnell Widerspruch hervorruft. Ein Widerspruch, der in der heutigen Zeit der anonymen Wortmeldungen im Netz schnell in den strafrechtlichen Bereich geht bis hin zu Morddrohungen. Auch das dürfte ein Grund für das große Interesse an dieser Veranstaltung sein, organisiert von der Volkshochschule und der Landeszentrale für politische Bildung.

Wie geht man mit so etwas um? So hat sie selbst verkündet, dass sie sich für geraume Zeit zurückzieht aus der Kommunikation im Bereich der sozialen Medien. Hayali reagiert darauf nach dem Motto: Am Besten, man lässt sich gar nicht darauf ein in Detailsdiskussionen darüber, ob nun diese oder jene Formulierung falsch, unglücklich oder deplatziert war. Es ist besser, man schaut sich mal grundsätzlich die Reibungspunkte an. So gibt es etwa den Satz: „Vergiss nie, wo du herkommst“. Ihr Vater habe ihr den oft vorgehalten, wohl häufig sehr zu ihrem Verdruss. An diesem Abend in Leinfelden-Echterdingen projiziert sie ihn in großen Buchstaben auf die Leinwand in der Filderhalle.

Das ist einer der Momente, in denen Hayali ihren freien Vortrag unterbricht und an den Rednerpult wechselt, wo sie einen Brief an ihren Vater vorliest, in dem sie sich mit diesem Satz auseinandersetzt.

Geboren ist sie in der Bundesrepublik. Ihre Eltern gehörten im Irak zur christlichen Minderheit. Sie haben den Irak verlassen, um in Wien Medizin zu studieren, danach haben sie in Datteln in Nordrhein-Westfalen eine Praxis eröffnet. Damit skzizziert Hayali ein persönliches Spannungsfeld, das sie von vielen unterscheidet. Damit skizziert sie zugleich ein politisches Spannungsfeld, das vielen heute hierzulande als zu komplex erscheint, das sie selbst freilich mit viel Detailkenntnis beleuchten kann.

Hayali macht das nicht mit großen Gesten, sondern mit der Bedeutungskraft der Worte. Die große Bühne der Filderhalle bespielt sie nicht effektvoll, sondern füllt sie einfach mit ihrer Präsenz. Dort findet sie sehr deutliche Worte, etwa was das Thema Israel mit all seinen Konnotationen betrifft. Und dann gibt sie sich auch als Mensch in dieser Wohlstandsgesellschaft zu erkennen, der mit Widersprüchen lebt. Etwa damit: „Ich bin gegen ein Tempolimit auf Autobahnen. Dazu kann ich aber nicht einen vernünftigen Grund dafür benennen. Ich bin halt gerne schnell mit dem Auto unterwegs“. – Ob sie das nun ganz ernst oder unterhaltsam gemeint hat, müssen die Besucher der Filderhalle nun selbst entscheiden.