So stellt sich ein Architektenbüro aus Stuttgart den neuen Schulcampus Ost vor. Das Großprojekt belastet den städtischen Etat. Foto: Simon Granville

Die Lage in Kornwestheim ist zwar nicht so schlimm wie in Ludwigsburg – doch die Stadt will jetzt schon Ausgaben streichen. Auch an der Planung des Schulcampus Ost wird gerüttelt.

So dramatisch wie in Ludwigsburg und Marbach ist die finanzielle Lage der Stadt Kornwestheim noch nicht. Dennoch schlägt Oberbürgermeister Nico Lauxmann Alarm. Am Donnerstagabend hat die Verwaltungsspitze den Entwurf des Doppelhaushalts 2026/2027 eingebracht. Trotz großer Investitionen kommt die Stadt vorerst ohne Kredite aus. Doch die Aussichten für die Zukunft sind düster.

Der Entwurf sieht bereits für das kommende Jahr im Gesamtergebnis ein Minus in Höhe von 11,7 Millionen Euro vor, 2027 fehlen demnach sogar 24,9 Millionen Euro. Weil die Stadt über eine Rücklage von 100 Millionen Euro verfügt, muss sie sich kein Geld leihen. Nach den Berechnungen reichen die liquiden Mittel allerdings nur bis 2029. Ab 2030 drohen Kredite in Millionenhöhe.

Schulcampus Ost: Vorhaben muss abgespeckt werden

Der Neubau der Großen Pflugfelder Brücke belastet mit 6 Millionen Euro im Jahr 2026 und weiteren 1,5 Millionen Euro im Jahr 2027 die städtische Kasse. Das große Projekt, mit dem 2024 begonnen wurde, wird voraussichtlich Ende 2026 fertig. Viel Geld soll auch in die zentrale Innenstadt rund um die Güterbahnhofstraße fließen, die für 1,86 Millionen Euro saniert wird.

Auch das dortige Cityparkhaus soll modernisiert und aufgewertet werden (Kostenpunkt: 3,3 Millionen Euro). Für 3,6 Millionen Euro wird die Städtische Wohnbau ein Grundstück in diesem Bereich bebauen. Außerdem sind im Haushalt Mittel für Sanierungsarbeiten im Rathaus eingestellt: für den Turm 1,25 Millionen Euro, für den Westbau sogar 3,16 Millionen Euro.

Mit Abstand der größte Brocken wird aber der Schulcampus Ost. Die Stadt plant, den Standort der Theodor-Heuss-Realschule zu erweitern. Künftig sollen dort auch eine Grundschule und die Gemeinschaftsschule beheimatet sein. Für 2026 sind dafür rund 9,4 Millionen Euro eingestellt, für 2027 weitere 13,8 Millionen Euro.

Insgesamt kommt eine aktuelle Berechnung auf Kosten in Höhe von 150 Millionen Euro, wenn der Siegerentwurf umgesetzt würde. „Diese Summe ist für die Stadt Kornwestheim nicht machbar“, sagt Lauxmann. Konkret bedeutet dies: „Wir werden im nächsten Jahr beginnen – müssen den Zeitplan aber strecken und den Gesamtbetrag auf 115 bis 120 Millionen Euro drücken“, erklärt der Oberbürgermeister.

Der Neubau der Großen Pflugfelder Brücke ist ebenfalls ein großer Posten im Doppelhaushalt 2026/2027. Foto: Peter Mann (Archiv)

Doch nicht nur beim Schulcampus will die Verwaltungsspitze den Rotstift ansetzen. Im kommenden Jahr sollen alle freiwilligen Ausgaben auf den Prüfstand kommen. „Wir werden leider die Diskussion führen müssen, welche Aufgaben wir uns noch leisten können“, betont der Verwaltungschef.

Mit dem Rasenmäherprinzip wolle man nicht vorgehen. Auch am Ehrenamt und insbesondere an der Vereinsförderung will Lauxmann nicht rütteln. Die Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuer sollen ebenfalls bis auf Weiteres unberührt bleiben.

Beim Sparen soll es nur wenige Tabus geben

„Es wird, abgesehen von diesen Ausnahmen, keine Tabuthemen geben“, bekräftigt Bürgermeisterin Martina Koch-Haßdenteufel. Über eine Reduzierung des Verwaltungspersonals müsse ebenso nachgedacht werden wie über andere Sparmaßnahmen. Sie kündigt auch an, dass ab 2026 geprüft wird, welche Gebühren erhöht werden können. Um mindestens 4 Millionen Euro müsse der Etat verbessert werden. Dass das nicht einfach zu vermitteln ist, räumt die Bürgermeisterin ein. „Aber wenn wir es nicht machen, werden wir künftig keine finanziellen Spielräume mehr haben.“

Eine Lenkungsgruppe mit Vertretern der Verwaltung und der Ratsfraktionen hat schon im Sommer damit begonnen, Vorschläge zur Haushaltskonsolidierung zu erstellen. Diese Arbeit wird fortgesetzt. Kritik richtet Lauxmann an den Bund, der den Kommunen Aufgaben wie die Ganztagsbetreuung zuweise, ohne den finanziellen Mehraufwand auszugleichen. Zudem bleibe aufgrund hoher Umlagen nur ein Teil der Einnahmen bei der Stadt hängen.